Das sehe ich anders:
Ehegattensplitting kommt aus der "guten alten Zeit" und wird überwiegend von denen verteidigt, die die klassische Rollenverteilung beibehalten wollen. Er verdient das Geld und sie sitzt zu Hause (mit oder ohne Kinder). Faktisch zementiert das Splitting die Machtverhältnisse und verhindert eine Gleichstellung. Frauen sind durch das Splitting nicht gleichgestellt und werden emotional und faktisch Benachteiligt. Z.B. gibt es wenig Anreize die Arbeitszeit auf "normales" Niveau zu heben, da durch das Splitting Netto sehr wenig bei der Frau bleibt. Bei Arbeitslosigkeit wird vom Nettoeinkommen ausgegangen, auch da schaut die Frau dann in die Röhre und spätestens bei einer Trennung (Statistik ja recht wahrscheinlich) steht die Frau wieder sehr schlecht da. Stirbt der Mann, kommt sie mit der Witwenrente auch nicht sehr weit. Es profitiert in der Regel nur der besserverdienende, also fast immer der Mann.
Emotional ist das Ehegattensplitting ein Mittel, Frauen weiter im Haus zu lassen und eine wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen wird unterlaufen; ich habe gerade eine Freundin, die sich von ihrem Mann trennt. Erst kam das Kind und sie blieb zu Hause, dann war das Kinder größer und sie arbeitete ein paar Stunden. Jetzt fällt es ihr extrem schwer den Sprung in die "normale Arbeitswelt" zu wagen und gleichzeitig sieht sie nur ihren jetzigen Nettolohn und schiebt Panik, wie sie davon leben soll. Dann doch lieber bei ihm bleiben? Emotional ist es für sie extrem schwierig zu verstehen, dass sie Netto deutlich mehr haben würde und durchaus ihr Leben selbst finanzieren kann.
Nebenbei halte ich das Ehegattensplitting für einen Verstoß gegen das Gleichheitsgebot. Warum werden nur Paare, dann auch nur verheiratete Paare, bevorzugt, bei denen der Einkommensunterschied möglichst groß ist?
Zu Deinem Satz kann ich Dir nur versichern, dass ich in der Realität stehender Utopist bin und nicht Heileweltsidealist 😅, mit Sicherheit weder Familie noch Ehe dadurch aussterben werden (habe ich ja auch einmal gemacht und frage mich bis heute, wie ich auf das schmale Brett kam - die 1,5 Jahre waren trotzdem recht nett) und die Millionärsgattin a) sowieso die Ausnahme ist, b) schon dafür sorgt, dass sie ausreichend berücksichtigt wird und c) du niemals Millionär wirst, wenn Du auf das Harz4 deiner Ex-Frau angewiesen bist - da musst du vorher schon ausreichende Kenntnisse im Bescheißen haben (oder ganz doll an das Märchen mit den eigenen Händen etc. glauben)
Ich bin der festen Überzeugung, dass das Wegfallen des Ehegattensplitting ein weiterer Baustein in Richtung Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ist - und somit passt es doch auch gut hier rein.