Bremsflüssigkeitsbehälter bis 4/1957 (Reservoir de liquide de frein) : Versuch einer Wiederherstellung
Ein auch auf Flohmärkten eher seltenes Teil ist der Blech - Bremsflüssigkeitsbehälter alter A und AZ, was zum einem am Blech in korrosionsfördernder Umgebung mit ebensolcher Befüllung liegt , zum anderen daran, dass die folgende gläserne Variante ab 5/1957 auch ohne Deckel-Entfernung und Probe sofort verrät, wie es um Stand und Verfärbung der Bremsflüssigkeit steht. Schön anzusehen sind die gefüllten Lockheed / Nivoclair Varianten zudem.
Echte Wellblech St̶̶a̶̶l̶̶i̶̶n̶̶i̶̶s̶̶t̶̶e̶̶n̶ ,äh Freunde, ertragen deren Anblick auf Dauer aber nicht. Da freut es, wenn man eine der seltenen Dosen ergattert.
Dieses ehrliche Exemplar ist authentisch angerostet, und man hofft darauf, das Entrosten, Beschliff, Grundierung und Lackierung genügen. Ehrlich deshalb, weil man zuweilen auf Leboncoin auffällig homogen mattschwarze Exemplare sieht, deren leicht genarbte Oberfläche aber darauf hinweist, dass man für den geforderten Preis lieber französisch Essen geht, oder sich potentiell auf folgende Arbeiten gefasst machen sollte.
Nach tagelangem Ölbad und minimal invasiver Reinigung mit Dremel und weicher Messing-Zopfbürste, offenbart sich eine Kraterlandschaft im dünnen Blech, obige Hoffnung einer schnellen Restauration erfüllt sich nicht. Immerhin kann man jetzt den Behälter vom Hauptbremszylinder trennen. Der Blech-Deckel sitzt aber weiterhin bombenfest, selbst Einkochen im Ölbad hilft nicht. Eine Zange kann man nicht ansetzen, denn der Deckel ist sehr weich.
Mit der Flamme geht es dann aber, indes wird die Dose trotz Vorsicht und Ölfüllung im oberen Bereich so heiß, dass eine Lotperle (Blei!) aus der Falz austritt. Die Dämpfe, die dabei aus der Entlüftungsöffnung wie bei einem Teekessel austreten, gebieten Atemschutz. Kinder und Frauen fernhalten. Die jetzt entfernbare "Verlängerung" entpuppt sich als Adapter, um die 12mm Hohlschraube (A453-105 Vise creuse de fixat. de réservoir de fluide) auf den Hauptbremszylinder mit 16mm Gewindeöffnung zu schrauben. Gar nicht selten: Sowohl der abgebildete LOCKHEED 311 145 als auch der neuzeitliche STOP Iberia 57.690 HBZ Ersatz kommen mit 16mm Öffnung. Hat man den Adapter nicht, kann man aber die Dose aufbohren und eine 16mm Hohlschraube aus einem NIVOCLAIR Glasbehälter mit (!) Gummidichtung verwenden. Deren Aluminium Deckel passt ebenso. Etwas flacher. Wenn man den Deckel nur durch Aufsägen enfernen konnte, oder keinen Gummiring als Ersatz für die beim Brennen zerstörte Gummidichtung verwenden will, eine gute Alternative.
Übrigens: Die im Makro sichtbaren Krater sind tatsächlich so tief wie sie aussehen.
Daran ändert sich auch nichts nach dem Verzinken und Chromatieren. Diese Schichten verhindern zwar weitere Korrosion, sind aber extrem dünn ( μm Bereich) und verdecken deshalb weder Krater, noch verschließen sie Löcher. Letztere sind zwar zunächst immer noch nicht zu sehen, treten aber zutage, wenn man den Behälter mit Alkohol befüllt. Überall, auch aus den Falzen, tritt Flüssigkeit aus. Alternativ kann man die Löcher in der Behälterwand auch als funkelnde Sterne sehen, wenn man den unten verschlossenen Behälter in eine starke Lichtquelle hält und dabei dreht. Undichte Falzen erkennt man so aber nicht.
Übrigens: Am Behälterboden rechts, kann man an der Bohrung erkennen, dass die Fertigung kein Präzisionswerk war, die Bohrung ist zentrisch, die Auflage nicht. Auch der leichte Schiefstand des Behälters (1.Bild) ist keine Bildverzerrung.
Schade: Bei intaktem Blech und intakter Verlötung wäre die Restauration hier eigentlich abgeschlossen. So aber muss die Chemie und etwas Zubehör helfen:
Verwendet wird ein sog. klebfreies Epoxidharz der BTT-Beschichtungstechnik , im Gegensatz zu Kunstharzspachtel beständig gegen Bremsflüssigkeit und Kraftstoffe. Das ist ein Epoxid mit sehr langer Topf- und Trocknungszeit. Die ursprünglich angedachte Verwendung von Fertan Tapox Tankbeschichtung wurde verworfen, da diese Mischung, stark lösemittelhaltig, einen kontinuierlichen Luftstrom während der Trocknungsphase benötigt. Das hier verwendete Epoxid stinkt nicht und kann daher auch in Wohnräumen austrocknen, bzw. im Ofen bei 60°C "gebacken" werden, ohne dass man ein Atemschutzgerät benötigt. Die Mischung erfolgt im Messebecher einfach nach Volumen 1:2, wofür man am Becher Markierungen anbringen kann. Zwingend ist aber gründliches Umrühren, für das ein billiger, batteriegetriebener Milchschaum-Rührer geeignet ist. Dieser dreht langsamer als der abgebildete Minibohrer und so entstehen keine Blasen. Weiterhin wurde aus optischen Gründen auf 150 ml Gebinde ein Teelöffel Farbpigmente "Rebenschwarz" der HP-Textiles mit eingerührt.
Nach Spülung mit Alkohol (abtrocknen!), wird das Epoxid mit Hilfe der Spritzen innen eingefüllt. (50ml) Das Loch im Boden wird mit Siga Rissan verklebt, ein erstklassiges Klebeband aus dem Baustoffhandel. Der Deckel wird mit der Frischhaltefolie (Toppits) aufgeschraubt, um Verklebung zu verhindern. Um eine homogene Verteilung des niedrig viskosen Epoxid zu erreichen, muss man den Behälter ca. 20 Minuten in jede Richtung drehen. Man kann ihn aber auch mit Siga an einen Akkuschrauber kleben bzw. in eine Drehbank einspannen. Dann lässt man das überschüssige Material ablaufen.
Die Aufstellung zum Trocknen erfolgt in Richtung des am stärksten angegriffenen Blechs, da sich dort stärkere Schichten bilden. Das sollte man mit Zwischentrocknung mehrfach wiederholen, da die Schichtstärke je Vorgang sehr gering ist. Für die vollständige Durchtrocknung kann man den Behälter auch direkt über die Heizung hängen.
Das funktioniert auch (nach dem Abtropfen!) prima für die Außenbeschichtung, für die der Behälter lediglich in ein passendes Glas getaucht, gedreht und wieder herausgezogen wird. Verschließt man für diesen Arbeitsgang das Loch im Boden und hat ein kleines Glas, benötigt man auch nur wenig Epoxid. Beim Abtropfen zwingend: Tropfenbildung am Boden. Daher ist es ohnehin erforderlich, den Bereich um das Loch in Größe der Dichtung abzukleben, auch innen.
Wer Sicherheit liebt, wird mit der Spritze 5-10ml Epoxid in die liegende Dose einfüllen und diese ebenso liegend trocknen lassen. (Mindestens 6h direkt auf der Heizung) Dieser Vorgang wird mehrfach wiederholt und so entsteht innen ein Epoxid Polygon, welches zwar die DOT Füllmenge reduziert, aber auch erlaubt, außen vollständig die Patina zu erhalten, sofern man vorher, wie anfänglich beschrieben, ein paar vollständige Epoxid Spülungen vorgenommen hat.
Wichtig: Der Deckel sollte nur oberseitig eingetaucht werden. Epoxid am Innengewinde und auf der Gummidichtung will man nicht. Bei korrosionsfreiem oder Aludeckel kann man es beim Lackieren belassen.
Wem die schwarze Epoxid Hochglanz Optik nicht zusagt, kann den Behälter und den Deckel mattschwarz lackieren, freilich widersteht dies weder DOT 3 noch Batteriesäure. Jetzt auf Silikon (DOT 5) umstellen?
Sieht aber schon sehr gut aus :-) Auf den ersten Blick schade, dass der Hauptbremszylinder so weit unten ist.
Noch besser aber, mit passendem Aufkleber: Dieser hier ist an eine unscharfe Abbildung auf 2cvco.canalblog angelehnt. Die Gestaltung, der Auftrag und die Ausführung erfordert nach Vortrag der Drucker allerdings auch die Beschäftigung mit Vektorformaten, Adobe Illustrator oder ähnlich und erfordert damit einhergehend für Laien eine erhebliche Frustrationstoleranz: Die Formate stimmen nicht, die Farbgebung ist nicht eindeutig und die Kosten sind hoch. Der Einzelaufkleber kostete beim örtlichen Drucker mit 20€ fast genauso viel, wie die 3 Bögen (in etwas falscher Farbe durch Eigenverschulden) von Druckherr aus Teltow, der zudem schneller war. Eigentlich gewünschte Transfer- Aufkleber, wie im REVELL Modellbaukasten, scheint es in dem Format nicht zu geben.
Dennoch kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen, ohnehin im Abgrund des alten Vogels vor allzu neugierigen Blicken entfernt. Ein Auftrag mit etwas Mike Sanders und einer Tee-Staub-Mischung, sollte auch sachverständige Augen täuschen. Letzteres gilt natürlich nicht für die hiesigen 5-6 Gerne-Leser ;-).
Fazit: Lohnt nicht, sagt fast jeder. Obwohl man erläutert, was man da macht. Man könne das doch neu bauen lassen, oder eine Konservendose umbauen. Bärenmarke ist zwar toll zum Üben, bevor man ein Original ruiniert, aber als DOT Dose denkbar ungeeignet. Man weiß aber (danach), der Aufwand ist groß. Nicht nur der zeitliche, bedingt durch lange Trocknungszeiten, sondern auch der finanzielle:
Nach diesem Experiment würde man leichten Herzens 200€ für ein perfektes Original zahlen, in der Gewissheit, dass viele alte Dosen sehr wahrscheinlich auch nicht besser sind als das hier beschriebene Exemplar.
Solange man diese Wahl aber nicht hat: Viel Spaß beim Basteln!
PS: Die verfärbten Aufkleber der gezeigten Lockheed Interpretation sind zu verschenken, ebenso die Dateien dazu. Wer geschenkt nicht mag, kann ja 2€ an die DGzRS spenden. Ist aber kein Muß.