Den Artikel las ich vor fast einer Woche, vor allem regte mich das Foto von Dana – die graue Maus Vollbrecht passt wunderbar zu meiner neuen Filmdiva und den cineastischen Phantasien à la Blue Velvet, Pulp und vor allem zu „Das Schweigen der Lämmer“.
Nun hat also aufgrund meines Hinweises auto nom endlich auch den Artikel gefunden und wie immer fäkal und gleichzeitig falsch reagiert. Verbleiben wir sprachlich kurz auf diesem grottenschlechten Niveau von Kreisligabolzern, denen der Trainer in der Kabine nach der dritten Niederlage in Folge sagt: „Jungs, die Kacke ist am dampfen.“
Die Vollbrecht sagt in dem FR-Artikel gar nichts, aber dieser und andere wiewohl schlichte oder logische noch sonstige Hinweise können Verblendete weder irritieren oder gar erleuchten. Trotzdem müssen wir von der „causa“ Dana Mahr und ihrer Apologeten und ihren Dämonen sprechen.
Die Disziplin Geschichte wird seltsamerweise bei der Analyse von Zeitgeschehen fast immer außen vor gelassen. Es gibt zwei Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit Deutschlands, ohne die das, was hier in „Dies und Das“, als Ableger und Spiegelbild hunderter anderer Foren und Medien, konkret im Artikel der Frankfurter Rundschau steht, von einem, der das 1979 lesen würde, in keiner Weise auch nur ansatzweise verstünde.
Diese zwei epochalen Einschnitte der BRD sind erstens:
Das Privatfernsehen lief noch keine zwei Wochen, da flog ein schon etwas abgehalfteter ehemaliger Quizmaster des ZDF bei RTL innerhalb eines Tages im hohen Bogen raus. Das hatte es noch nie gegeben. Was fiel vor? Nichts, ein halber Satz mit einer – aber nur, wenn man das so sehen wollte – flappsigen Bemerkung über Juden. Innerhalb von Stunden kannte jeder den am Pranger stehenden Showmaster. Obwohl universitär mit dem Antisemitismus vertraut, konnten wir damals dieses Ereignis noch nicht richtig einordnen.
Die zweite Bewusstseinsänderung geschah im Deutschen Bundestag - ein besonderer Gedenktag in Erinnerung an den Holocaust. Der damalige Bundestagspräsident hielt eine Rede. Aus einer Mischung von Nervosität und Halbbildung verhaspelte er sich, vielleicht entfiel ihm in dem Moment die Regeln der Substantivierung aus einer alten Sprache, oder das vorkommende „no“ ließ ihn vermuten, dass sein Wort negativ und damit passend sei. Es ging um Hitler, er nannte es ein „Faszinosum“. Ein misslungenes Wort aus Nervosität und sprachlichem Unvermögen geboren und kein Bundeskanzler (Kohl hatte es versucht) konnte ihn mehr retten.
Seit dem Ereignis wissen alle Bescheid – Begriffe wie „Jude“ oder alles was damit konnotiert, also Holocaust, Antisemitismus, Israel usf. spricht man falls in Amt und Würden am besten gar nicht aus. Wenn es denn aus einem besonderen Grund unvermeidlich ist, lasse man den Text von einer professionellen Agentur verfassen und dann noch mindestens zehnmal gegenlesen.
Trotzdem kostet dieses Wort – noch vor einem Jahr gab es in England einen Fall, einer Professorin ihre Anstellung. Die hatte noch nicht einmal irgendetwas zu den genannten Themen gesagt, der Zusammenhang wurde einfach konstruiert.
Damit kehren wir zurück zu Marie-Luise Vollbrecht und Dana Mahr. Einmal müssen wir wieder kurz historisch zurückblicken. Die Logik der schönen Dana lautet so (steht im Artikel):
Die Vollbrecht ist eine Holocaustleugnerin, weil sie transfeindlich, also gegen mich ist. Wie bekommt sie das hin, dass so Leute wie auto nom, Zutt und Ferchaud ihr in dieser Argumentation so willig folgen? Zum einen durch Geschichtsvergessenheit – an der Stelle müssen wir noch einmal kurz in die neueste Geschichte der BRD.
Nazis gab es in niedrigen und hohen Stellen der Administration in Deutschland und Österreich nach 1945 ohne Ende, aber auch an höchster Stelle (Kiesinger, Filbinger, Waldheim) die 68-er räumten gehörig auf, soweit so gut. Der Antisemitismus verschwand, war nie salonfähig, flackerte nur auf in unbedeutenden kleinen Zirkeln völlig Verirrter. Holocaustleugner aber gab es keinen einzigen (von denen, die publizistisch wahrnehmbar waren), das Wort existierte nicht. Erst Ende der 80-er trat ein Historiker (das hat uns Intellektuelle noch einmal besonders geschockt) aus England auf den Plan, der in einem Buch offen behauptete, den Holocaust hätte es nie gegeben.
So absurd dieser englische Kauz daherkommt, so schlimm und niederträchtig von cineastisch allerdings kostbarer Bosheit, ist es aber, dieses Wort einem anderen zuzuordnen. Um die Haltlosigkeit in unendliche Höhen, man sollte eher von Tiefen schreiben, zu steigern, dann noch in einer Konstruktion - „finde irgendeine Transe, die im Konzentrationslager umkam“ - zeigt, dass Dana Mahr mit dem Begriff „Holocaust“ nicht vertraut ist. Wenn jemand umgangssprachlich von Holocaust spricht, dann meint das die Ermordung von 6 Millionen Juden, nichts zusätzliches oder anderes. Natürlich zählen die Sinti und die Behinderten auch dazu. Nicht aber die politischen Gefangenen, auch nicht Stauffenberg, das waren Widerstandskämpfer. Es gab keinen Befehl Transen aufzuspüren, um sie in Lager zu deportieren. Es ist per se haarstäubend einen Zusammenhang von Transen und Holocaust herzustellen.
Die Vollbrecht hat einen Beitrag mit anderen verfasst, der sich im Schwerpunkt die „Sendung mit der Maus“ vornahm. Die Verfasser sorgen sich darüber, dass in diesen Folgen niemals die Begriffe Mann und Frau vorkämen. Von Juden, Semiten oder Gaskammern steht da kein Wort.
Kurioserweise habe ich vor vielen Jahren einen Essay gelesen, den ich längst vergessen hatte und der sich mit etwas ähnlichem beschäftigte - ernsthaft und geistig fundiert ging es um das Thema „Warum es in Entenhausen keinen Sex gibt“. Gut dass die Mahr da noch in den Windeln lag.