Ich möchte hier noch einmal den Versuch starten, aus zwei scheinbar konträren Positionen, eine inhaltlich für "beide" Seiten spannende Diskussion entstehen zu lassen.
# Nochmal, ich sehe keinen Sinn in irgendwelchen Kriegen, weder in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. - Ja, jeder Krieg ist sinnlos, bringt Tot und Verderben, Elend und Not
# Deshalb werde ich daran auch weder aktiv noch passiv teilnehmen. - Das wünsche ich Dir, mir und allen anderen Menschen auf dieser Welt - ist aber nicht immer von Dir bestimmbar und unter Deiner Kontrolle
Ich hoffe, soweit stimmen hier im Forum alle zu.
Es gibt für mich eine wesentliche Frage, die bisher weder von zudroehn oder anderen beantwortet werden konnte:
Was passiert, wenn ein Krieg von einer Partei begonnen (oder um einen Schritt auf "Euch" zuzugehen: auf eine militärische Ebene gehoben) wird? Hier entsteht eine Situation, die ich für mich folgend beantworte:
Ich will keinen Krieg, keine gewaltsame Auseinandersetzung. Ich halte diesen Weg grundsätzlich immer und ohne Ausnahme für einen Weg des Verlierens. Das Problem, welches sich für mich ergibt, ist aber, das jetzt andere Grundsätze und Werte konträr zu dieser Auffassung stehen: ich will in Freiheit leben und ertrage nur bis zu einer bestimmten Grenze Unfreiheit. Und, die Unversehrtheit von Menschen ist ein universelles und absolutes Gut. (die Reihenfolge ist willkürlich)
Wie löse ich diesen Widerspruch?
Die Ukraine wurde faktisch von Russland angegriffen. Gibt es irgend einen Grund, den ich akzeptieren kann, wenn ein Land militärisch ein anderes Land angreift? Ich denke ja, z.B. wenn das Territorium eines Landes angegriffen wird (wurde) bzw. Menschen verfolgt, inhaftiert, vergewaltigt und ermordet werden. Beispiele dafür wären Ruanda, Srebrenica, III. Reich etc.pp. Das Territorium an sich wäre für mich kein Argument (wird allgemein anders gesehen, daher führe ich das mit auf), leider zieht es immer den zweiten Punkt nach sich. Dieser Punkt rechtfertigt für mich (unter Umständen) eine bewaffnete Auseinandersetzung, also einen Krieg.
Warum, ich schrieb doch weiter oben, dass Krieg niemals etwas Gutes zur Folge hat?
Weil der Widerspruch nicht lösbar ist: Russland hat nicht nur das Militär der Ukraine bekämpft, sondern massive Massaker an der zivilen Bevölkerung begangen. Neben dem direktem Mord, Vergewaltigung und der Verletzung von Zivilpersonen, gibt es die Vernichtung von Infrastruktur. Diese ist bei Heizung und Strom nicht militärisch, sondern komplett ein Angriff auf zivile Personen und somit auch der geplante Tod von Menschen, die sich nicht wehren können.
Hier meine ehrlich gemeinte Frage: wie positioniere "ihr" euch dazu? Ich würde einen fundamentalen Pazifismus, der jede Art der gewaltsamen Auseinandersetzung verneint, akzeptieren. Aber auch da wäre doch der Widerspruch, den ich versucht habe zu beschreiben, ungelöst. Nur eben genau anders herum. Egal wie, sobald es im Kleinen oder im Großen einen gewalttätigen Menschen oder Staat gibt, hat der Friedliebende doch immer diesen Widerspruch zu lösen: es ertragen oder sich wehren. Nach meiner Auffassung und meinem Wertesystem in beiden Fällen ein nicht ertragbarer und auflösbarer Widerspruch. Daher, im Gegensatz zu einem Pazifisten: im Falle eines Widerspruchs (mit vergleichbaren Folgen) gegen den Aggressor und für die vermeintlichen Opfer. Mit der Gefahr des sich irren.
Gibt es hier die Möglichkeit darüber, ohne persönliche Beleidigungen, mit Nachfragen und dem Versuch zu Verstehen, zu diskutieren? Oder sind wir da näher an den Putins dieser Welt, als wir es selbst glauben wollen?