Eine wirklich abenteuerliche Behauptung. Was alles gehörte "historisch" nicht zu Polen, nicht zu Russland, nicht zur Tschechischen Republik, etc.. Was du da machst, ist eine sehr zweifelhafte Form des Historisierens und zudem extrem gefährlich, denn deine Argumentation ähnelt hier doch sehr der von Herrn Putin. Der geht noch ein Stück weiter und spricht dem Land und dessen Kultur gleich jedes Existenzrecht ab, da ja ohnehin alles russisch ist.
Das Land Ukraine und seine Grenzen sind ein Ergebnis historischer Prozesse an denen viele Staaten beteiligt waren und die in vielen Verträgen dokumentiert sind, genauso wie die Bundesrepublik Deutschland und ihre Grenzen. Wesentliche Schritte wurden von der OSZE in der Helsinki-Akte festgehalten. Was entstanden ist, nannten wir "europäische Friedensordnung" und damit dachten wir noch lange leben zu können.
Jetzt ist das alles nachhaltig durch einen Aggressor zerstört. Du wirst es nicht mit deiner Art von Ethnisierung, die fatal an Putin erinnert, wieder herstellen können. Ganz im Gegenteil, deine Argumentation ermuntert dazu, z.B. deutsche Ostgebiete irgendwann auch wieder "deutsch zu machen", denn nach deiner Sichtweise sind ja Städte wie Gdansk (Danzig), Kolobrzeg (Kolberg) oder Kaliningrad (Königsberg) "historisch gesehen" nie polnisch bzw. russisch gewesen. Sehr gefährlich das Ganze!
Es gibt Veränderungen im Laufe der Geschichte. Diese friedlich zu gestalten ist eigentlich unser aller Aufgabe und vor allem die der Politik. So haben wir z. B. Teile unserer Souveränität an die EU abgetreten, eine Gemeinschaft gegründet, um auch auf diese Art Frieden in Europa zu garantieren. Versucht aber jemand mit Gewalt das Rad der Geschichte zurück zu drehen, wie hier geschehen, so muss deutlich darauf reagiert werden.
Dieser Angriffskrieg hat aber sehr viele und sehr komplexe Hintergründe im Bezug auf historische Entwicklungen. Man muss sich z.B. auch mit der Geschichte Russlands und seiner Nachbarn im 19. Jhdt. und z.T. noch weiter zurück auseinander setzen, um diese zu verstehen.