Man kann immer diverse Positionen vertreten - der verlinkte Artikel zeigt allerdings eindeutig keinen Mainstream-Position auf. Das wäre zwar schön, zumindest nach meinem Verständnis, ist aber leider nicht so.
Vorab: es wäre schön, wenn Deine Beiträge etwas näher an der "mainstream-Rechtschreibung" und Satzstellung wären - es fällt mir sehr schwer, Deinen Gedanken zu folgen. Wie Du sicherlich bemerkt hast, sitze ich bei dieser Bitte durchaus im Glashaus - korrekte Rechtschreibung lag mir leider noch nie.
Bei Deinem Beispiel gibt es einen entscheidenden Haken: Nenne ich einen sehr guten Freund vor bestimmten Anwesenden "kleines Arschloch" oder wie auch immer, weiß er und alle Anwesenden eindeutig, dass ich ihn sehr schätze und wir uns diese Grobheiten erlauben, weil wir uns sehr achten und das absolut klar ist. Mir, ihm und den eventuell Anwesenden. Und das eindeutig privat und nicht im öffentlichen Raum. Wenn ich einen Freund "alter Kurde" oder zur Begrüßung ein freundliches "Du bist aber fett geworden" entgegen schleudere, dann mag das hier nicht gerade toll klingen; ist diese Art der Kommunikation eindeutig zwischen den Parteien geklärt und sich keine der Parteien verletzt fühlt (was seltener vorkommt, als man glaubt), geht das andere Menschen nichts an. Spätestens mit rassistischen Begriffen zu arbeiten, halte ich für Grenzüberschreitend und nicht diskutabel. Das gilt dann auch im privatem Bereich.
Deine Position, soweit ich sie verstanden habe, besagt, dass ich zu einem Neger auch Neger sagen sollte, da die Beleidigung nur deshalb beleidigend ist, weil er es nur von z.B. Rassisten hört. Wenn demnach der Begriff häufiger von Menschen ohne Geringschätzung und Verachtung genutzt werden würde, würde die Person irgendwann auch begreifen und verstehen, dass es halt nicht "böse" gemeint sei.
Das halte ich für falsch: zum Einen ist es niemanden zuzumuten, sich diffamierenden Äußerungen auszusetzen bis dann mal 100% der Wortnutzung nicht mehr Beleidigend gemeint ist. Was auch kaum passieren wird, da Rassisten ja nicht aussterben, weil mehr Menschen darauf achten, welche Wörter sie benutzen. Zum Anderen sind einige Worte eindeutig aus dem Wunsch heraus entstanden, andere Menschen herabzustufen, abzuwerten und zu beleidigen. Und drittens kann ich noch sosehr von mir glauben ein guter Mensch zu sein und trotzdem Menschen zu tiefst verletzen. Wieso muss man mit dem Wissen diese Worte unbedingt weiter verwenden?
Ich finde nicht, dass man in diesem Punkt zwei Positionen vertreten kann: es gibt nur die Position, dass jeder Mensch versuchen sollte, sich gegenüber anderen Menschen respektvoll zu Verhalten. Und das auch mit der Sprache, die sie (oder er) benutzt.
Mir gehen einige Diskussionen um Sprache auch zu weit. Ich habe gestern einen gegenderten Artikel gelesen und ihn nach dem dritten Mal lesen immer noch nicht verstanden. Erst, als ich ihn in "normale" Sprache gebracht hatte, habe ich verstanden worum es geht. Was will ich damit sagen? Das in Zeiten von Veränderungen manche Wege durchaus falsch oder unnötig kompliziert sind - aber das ist kein Beweis dafür, das man sich nicht verändert sollte. Die Unmöglichkeit bestimmte gegenderte Artikel zu verstehen, heißt noch lange nicht, dass eine Veränderung und ein Bewusstsein dafür fasch ist. Sprache ist Macht und die Nutzer von Sprache setzen diese entsprechend ein. Sprache ist eine Waffe und zementiert Machtverhältnisse. Das sollte man sich bewusst machen und einfach mal ein bisschen auf seine Wortwahl achten.
Wirklich nicht viel verlangt und meistens weniger Energieaufwendig, als sich langatmig dagegen aufzulehnen.