Man kann jetzt als AKW-Gegner in D ganz ruhig bleiben. Von den angeblich 60% AKW-Befürwortern gibt es schon Ende Monat kaum noch welche.
Weil man - und damit ist nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa gemeint - feststellen wird, dass der Strom nach dem Atomausstieg genauso aus der Steckdose kommt, wie davor auch. Dann wird man sehen, dass die angeblich so vielen Gegner des Atomausstiegs zum grössten Teil aus Leuten bestand, denen Söder und Konsorten einfach genug Angst gemacht hatten. Natürlich wirds auch ein paar starrsinnige geben, die sich umschauen werden, nach dem Atomausstieg und sich wundern, warum der grosse Blackout nicht kommt. Seis drum. Es gibt schlimmeres.
Das Problem werden in zehn Jahren oder so andere haben. Die, die man jetzt bei den AKW-Lovern übern Klee lobt für ihre Vernunft. Frankreich ist so ein Beispiel, und in der Schweiz wird man sich auch noch wundern. Da kommt der Tag, der das Ende für jedes einzelne Bestehende AKW bringt, weil die Kästen nicht mehr sicher sein werden. Frankreich hat da grad nen schönen Vorgeschmack zu schmecken gektriegt, seit dem letzten Sommer. Lange nicht so geplant, da die Hälfte aller Meiler zeitgleich ausser Betrieb zu nehmen, und dann auch noch für so lange.
Irgendwo hab ich in den letzten Tagen gehört, Frankreich bräuchte rund 40 mal Flammanville, um die bestehenden alten AKW zu ersetzen. Kein Mehrverbrauch eingerechnet, keine Migration, kein Bevölkerungszuwachs, kein Mehrbedarf wegen Klimaschutz. Den Zeitraum weiss ich nicht mehr auswendig, aber das dürfte irgendwas zwischen 2035 und 2050 gewesen sein.
Flamanville nur einmal zu bauen kostete bislang 17 Mrd. €, und das Ding ist nach 17 Jahren noch nicht am Netz. Und auch nicht soweit, dass dazu nur noch das letzte Leiterseil gespannt werden müsste.
Macht dann, ohne Teuerung und weitere Mehrkosten 40 mal 17 Mrd. Sind: 680 Mrd. €. Dann der Zeitplan. In 17 Jahren ist 2040. Und das noch ohne die landestypischen Streiks, Strassenblockaden, etc.
Selbst wenn man jetzt also die Kohle Locker machte, und noch 80Mrd. € für Teuerung und Kostenüberschreitungen draufpackt, in der Hoffnung, das könne dann reichen - und mehr als eine Hoffnung wäre das nicht. Man müsste dann irgendwoher die Fachleute nehmen, um 40 AKW auf einmal anfangen können zu bauen. Die gibt es schlicht nicht. nicht bis nächstes Jahr, und nicht bis 2040 oder 2050. Derweil die Alten AKW immer unsicherer und störanfälliger und teurer werden, und man bei jeder technischen Prüfung mehr bangt, ob man damit wieder ans Netz kommt.
Macron hat wie viele neue AKW angekündigt? 7? 27? - Ich weiss es nicht mehr so genau. Zu wenige. Die dann auch noch mit voraussichtlichem Baubeginn 2027 oder später. Die sind dann ab 2045 betriebsbereit; aber nur, wenn man sie schneller baut, als das eine, was woran seit 17 Jahren gebaut wird, ohne dass es bis jetzt fertig wäre. Auch nicht fast fertig.
2027 ist zufällig nach den Wahlen und somit voraussichtlich nicht mehr Macrons Problem.
Was ist das anderes, als ein Atomausstieg? Noch dazu einer, der nicht so wohlgeplant wie der deutsche ist.
Schweiz: noch vier Reaktoren. Teilweise steht das Stillegungsdatum schon fest, in der näheren Zukunft. Je nach Quelle machen die 30 bis 40% der Stromproduktion aus. Neue AKW wird es nicht mehr geben. Einerseits, weil so rechtlich festgelegt, andererseits, weil egal wo man so einen strahlenden Dreckskübel hinstellen wollte, das Volk das Ding nicht haben will. Da gingen erst 20 Jahre Debatten und Proteste ins Land, ehe man auch nur mit der konkreten Planung anfinge. Zu spät, für die Klimakrise.
Es gibt aber noch so gut wie keinen Windstrom im ganzen Land, und das Ding mit den PV-Anlagen hat der Heimatschutz bis vor ganz, ganz wenigen Jahren recht konsequent bekämpft. Da kommt ein riesen Problem auf die Schweiz zu, genau zu der Zeit, wo auch das Ausland dann einen Meiler nach dem anderen abschalten muss.
Und man kann von Glück reden, wenn es in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Europa keinen weiteren Super-GAU mehr gibt.
Nein, da bin ich überzeugt, Deutschland macht da für einmal was richtig. Und das wäre auch nicht besser, würds verschoben. Nein, weil dann hätte halt noch ein Land mehr die Stromlücke vom Ausstieg genau dann, wenn alle anderen auch, weil auch am aussteigen.
Über günstigere Alternativen ist dann noch gar nicht gesprochen.
Daher: Klönt ihr heute noch, ihr AKW-umarmer. Übermorgen sind euch die Argumente ausgegangen.