Das Zauberwort dazu heisst "Europäisches Verbundnetz". Deswegen wärs so wichtig gewesen, die grossen Stromtrassen eben ausgebaut zu haben. Die bringen den Strom nämlich von da wo grad Wind und Sonne sind dahin, wo nicht und deshalb zu wenig Strom. Das wäre ein eleganter Weg, um weniger von den teuren Speichertechnologien zu brauchen.
Das schafft im übrigen nicht mehr Abhängigkeit, als jetzt schon besteht. Ohne das Verbundnetz hätte es Deutschland nämlich nicht geschert, dass seit letztem Sommer nur die Hälfte der Französischen AKW arbeiteten. Dafür hätte man wahrscheinlich noch mehr unter dem Gasmangel gelitten.
Will man autark bleiben, dann führt das immer zu teuren Insellösungen, ob mit oder ohne AKW. Mit, weil man dann die Last im Zweifel über den Kühlturm ausgleicht, also Dampf produziert, der zwar Kernbrennstoff kostet und die Anlage belastet, aber kein Geld bringt. Ohne, weil man dann nicht ohne Speicher auskommt, oder den Bedarf so auslegen muss, dass Stromausfälle toleriert werden. Glas oder Stahl Schmelzen wird dann schwierig, und Banken und Spitäler werden auch teurer, weil die einen gewissen Anteil an Dieselstrom aus Klein- und Kleinstanlagen in die Betriebskosten einrechnen müssen, und wahrscheinlich wird auch das Benzin teurer, nicht nur weil Brennstoff für Generatoren gebraucht wird, sondern weil eine Tankstelle ohne Notstrom keinen Sinn macht. Das gibt es in D und CH heute so gut wie gar nicht. Und die Last steuern ist auch nicht zum Nulltarif zu haben und nur begrenzt möglich. Smartmeter und Lastabwurf-fähige Installationen muss man schliesslich auch erstmal haben. Selbst, wenn einer Wärmepumpe oder einem Boiler oder einer Waschmaschine wahrscheinlich grundsätzlich egal ist, ob sie ein oder zwei Stunden aussetzen müssen, damit genug Strom da ist. Die beiden einzigen Waschmaschinen in einem 18-Parteien-Mietshaus hingegen können nicht einfach mal 2h Pause machen. Jedenfalls nicht in Ländern wie der Schweiz, wo es keine Waschsalons mehr gibt.
Das Verbundnetz reduziert aber immerhin tagelange Dunkelflauten auf ein Mass, dem man vielleicht zumindest annähernd mal beikommen kann. Dann kann man ja auch Gewohnheiten ändern. Ehe man absehbar eine Woche im Schneereichen Winter auf Strom verzichtet, räumt man dann im Zweifel halt den Schnee von den PV-Panels auf dem Dach... so wie man heute ab 1m Schneehöhe auch die Dächer räumt, damit sie unter der Last nicht einbrechen.
Man wird aber für den Langzeitausgleich, der über 48h oder so hinaus geht, wohl auf Wasserstoff und alles andere was geht setzen müssen. Allerdings nicht so, wie sich das Politiker wohl gerade vorstellen, indem man Gasbrenner einfach mit Wasserstoff betreibt, und so Gaskraftwerke von heute weiter nutzt, sondern eher über Brennstoffzellen, wegen besseren Wirkungsgrads. Ob das dann mit vor Ort produziertem Wasserstoff oder welchem aus z.B. Wüstenstaaten passiert, ist wohl eine Standortfrage. Investieren muss man also schon, aber vielleicht nicht mehr in die ganz grossen Gigawattanlagen, wie sie die AKW waren, sondern eher dezentral. Ich glaube aber, es wird auch eigentliche Speicherwerke geben. Etwa aus alten Auto-Akkus. Auch wenn die weniger als 80% ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit haben, wären die noch gut genug für die stationäre Anwendung, und vermutlich günstig zu kriegen, da das Einschmelzen ja auch wieder - dann erneuerbare - Energie braucht, und also auch teuer wäre, so dass man sie erstmal wohl lieber fast gratis für ein Speicherwerk verkauft, statt zu entsorgen.