Johann van de Bron
Irgendwann mit Mitte 20 geben viele Menschen ihre Anpassung an die Entwicklungen der Gegenwart schrittweise auf. Das Studium ist vorbei, der Berufseinstieg, die Karriere, die Kinder, der Alltag. Die Bands ihrer Jugend machen ja immer noch |1
Musik, ihre Freundeskreise altern mit. Erst wissen sie nicht mehr, was in den Charts läuft und welche Mode angesagt ist und je weiter sie sich von den Entwicklungen abkoppeln, umso fremder wird alles. Rap? Das ist doch keine Musik. Wo sind denn da die Gitarrensolos? Und diese |2
Piercings im Gesicht... Das ist doch nicht schön. Freie Knöchel im Winter? Und ganz langsam und ohne dass sie es merken, werden sie mehr und mehr wie ihre Opas, die immer noch mit Hut und Stock gingen, wie in den 30en und die auf die Beatles schimpften. Sie ziehen nur die |3
Parallelen nicht, denn sie sind angezogen, wie in den 70ern und 80ern und schimpfen über Drake oder Billie Eilish. Ihre Original Oberkrainer heißen halt Pink Floyd und Dire Straits. Das war noch richtige Musik. Und nun gendern alle, wollen das N-Wort nicht mehr sagen und |4
das Z-Wort, haben Pronomen, Leute sind trans... Das gab es doch früher nicht, als sie noch cool waren... Sind denn auf einmal alle verrückt geworden? Und dann ist da der Future-Shock. Wir empfinden Zeit in Relation zu unserer vergangenen Lebenszeit. Für einen 50-jährigen |5
vergeht ein Jahr 10x so schnell, wie für einen 5-jährigen. Die Zeit läuft immer schneller, die Veränderungen - deren Entstehen sie über viele Jahre schon nicht mehr mitverfolgt haben - kommen immer schneller und sind immer unverständlicher. Sie sind plötzlich mit einer |6
Zeitmaschine in die Zukunft gebeamed worden und nun stehen sie da und wollen ganz dringend nach Hause telefonieren oder jemandem ein Fax schicken. Sie sind nicht falsch abgebogen. Sie sind einfach - ohne in den Spiegel zu sehen - stur geradeaus gefahren und nun haben sie |7
sich verirrt und weigern sich nach dem Weg zu fragen. Und weil sie nun mal Männer sind, macht sie das wütend und zynisch, und verbissen. Sie selbst empfinden sich nicht als rechter/konservativer, als vor 30 oder 40 Jahren. Die Welt um sie herum ist nur verrückt geworden. Sie |8
sehnen sich nach einem N-Kuss und einem Z-Schnitzel, dem generischen Maskulinum und heteronormativer Geschlechtlichkeit. Diese ganzen Prechts, Palmers & Nuhrs sind einfach sehr schlecht gealtert. Eigentlich sollten wir ihnen einen Dackel kaufen und sie auf eine Parkbank |9
setzen, wo sie in Ruhe auf die Jugend von heute schimpfen können. Aber Internet und Maischberger... ...und in einer gnadenlos überalterten Gesellschaft sind sie halt die Mehrheit auf der Ü50 Party.
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