Der Grund, warum man in der Schweiz AKW baute, liegt, ob Du es glaubst oder nicht, auch in Atomwaffen. Es gab in den 1960er-Jahren Überlegungen, sich welche anzuschaffen. Man hats dann aber glücklicherweise gelassen.
Ein anderer Grund war die Elektroindustrie, die damals in der Schweiz noch Weltrang hatte. Man dachte damals, es würde demnächst eine riesengrosse Nachfrage nach Atomstrom weltweit geben, und das würde dann, nebst Generatoren und Turbinen, ein neuer Geschäftszweig der Branche. Der Gedanke war der, ähnlich wie Westinghouse in USA, als Anbieter schlüsselfertiger AKW aufzutreten.
Wie damals in CH üblich, dachte man dabei über den Gartenzaun hinaus, und wollte nicht einfach die US-Reaktoren nachbauen, sondern machte sich Gedanken um die Bedürfnisse ziviler Atomkraftwerksbetreiber. Man war sich schon in den 1960er-Jahren Bewusst, dass U235 ein seltener Rohstoff war, der nicht ausreichend vorhanden wäre, wenn alle Länder, die es sich leisten konnten, sich einen der bis heute üblichen Druckwasserreaktoren anschaffen würden, und suchte nach einer Bauart, die den benötigten Anreicherungsgrad des Reaktorbrennstoff reduzierte.
Ganze Doku von Anfang an:
https://www.youtube.com/watch?v=Endt3lkaZhw
Infos auch hier. Notfalls einfach "Lucens" (ohne die ") ins Suchfeld oben rechts eingeben.
Man ging von jener Idee aus, mit der schon die Nazis ihre Atombombe im zweiten Weltkrieg hätten bekommen wollen, und wollte einen Schwerwassermoderierten Reaktor bauen. Solche kann man mit Uran eines wesentlich geringeren Anreicherungsgrades betreiben. Dummerweise flog der in einer Felskaverne bei Lucens mit ordentlich viel staatlichen Zuschüssen errichtete Versuchsreaktor dann Ende der 1960er-Jahre in die Luft. Damit waren die Kernkraft-Träume der schweizer Elektroindustrie über Nacht gestorben. Man kaufte in der Folge die für die Schweiz benötigten Reaktoren ein. Nach 1986 wurde den Realisten unter den schweizer Energiepolitikern dann schnell klar, dass man weitere Atomkraftwerke realistischerweise nicht mehr errichten konnte. Ob sowas wirtschaftlich zu betreiben war, wurde damit zur akademischen Frage. Da aber noch immer die Menschen, die in den 1950er und 60er-Jahren sozialisiert worden waren, also der Zeit der Atom-Euphorie, die bestimmende Kraft im Lande waren, dauerte es bis ins 21. Jahrhundert, ehe man sich von der nunmehr blossen Wunschvorstellung, die Atomkraft würde auch künftig für Strom im Land sorgen, tatsächlich langsam verabschiedete.
Die Generation meiner Eltern, gegen Ende der 1960er-Jahre ins Erwerbsleben eingetreten, glaubt heute noch, es könne nicht ohne AKW gehen, und verschliesst die Augen feste vor der Tatsache, dass es keinen Standort mehr gibt, an dem man ein AKW heute noch bauen könnte. Davor, dass die Technologie wesentlich mehr Probleme schafft als sie löst, erst recht.
Man muss das meines Erachtens vor dem Hintergrund der Kampagne "Atoms for Peace" sehen, die mit heute abstrus anmutenden, zivilen Verwendungsmöglichkeiten für Atombomben warb, und auch so Slogans wie "Electricity, to cheap to meet her!" warb. Frei übersetzt: Drecksbilliger Strom im Überfluss. Dass man nicht wusste, was man mit dem Atommüll anstellen sollte, war da nur eine offene Frage unter vielen, die diese US-Propaganda untern Tisch fallen liess. Es ging nur darum, der eigenen Bevölkerung die für die atomare Aufrüstung unverzichtbare Atomindustrie, die astronomische Summen kostete und vom Staat getragen wurde, möglichst gut zu verkaufen. Das bis heute gelogene und dennoch nicht totzukriegende Märchen vom billigen Strom in beliebiger Menge sollte das erreichen.
Der erste Teil der "Atoms for Peace"-Rede Eisenhowers (Link vorstehend) befasst sich denn auch mit der militärischen Seite, indem er das MAD-Konzept darlegt. MAD steht hierbei für "Mutually Assured Destruction". Nichts anderes als die "Gegenseitig zugesicherte Zerstörung" für den Fall, dass eine der damals bestimmenden Weltmächte zu Atomwaffen greifen sollte. Die Versicherung, dass der dritte Weltkrieg in einem Atomaren Overkill enden würde.