matgom, dieser Beitrag ist ausdrücklich keine Kritik an Dir
Das stimmt leider nicht. Ich habe vor einigen Tagen einen der Links angeklickt und mir den Bericht angeschaut. Gezeigt wurde, wie sich ein russischer Soldat mit einer Handgranate nach schwersten Verletzungen selbst das Leben nahm, indem er sie nach Vorgabe unter das Kinn legt und zündet. Ich habe mir das Video angesehen, blöd und nicht wirklich nachdenkend und glaubend, dass diese Scene nicht gezeigt wird. Die Scene wurde gezeigt, nur der letzte Moment war leicht verpixelt. Zu sehen war eindeutig, dass der Kopf und andere Teile des Menschen durch die Gegend flogen - Pixel hin oder her. Dazu war keine Fantasie notwendig.
Ich bin immer noch geschockt, dass ich meine eigenen Grenzen so massiv überschritten habe. Ich brauche solche Bilder nicht, um zu wissen, dass Krieg grausam ist. Diese Bilder zu zeigen und vorher so zu tun, als ob "das wesentliche" nicht gezeigt werden würde, ist einfach nur scheiß Journalismus. Wobei selbst Journalismus hier falsch ist.
Es gibt immer wieder grenzüberschreitende Bilder und Filme und man wird sich immer darüber auseinander setzen müssen, was berechtigt gezeigt werden kann und was nicht. Das Bild des ertrunkenen Jungen am Strand hat mich sehr lange verfolgt und ich kann es jederzeit aufrufen. Absolut grausam - in meinen Augen eines der wertvollsten Fotos des Jahrzehntes, weil es einen nicht wegschauen lässt und mir meine Verantwortung direkt ins Hirn geschrieben hat: das ist der Preis, für das Leben, dass Du führen darfst. Und akzeptiere die Verantwortung, die sich daraus ergibt. Nicht die Schuld! Das für diese banale Erkenntnis ein Kind sterben musste, das ist leider unfassbar und meine Unfähigkeit das ohne diese Bilder zu erkennen, teile ich wahrscheinlich mit fast allen anderen Menschen - was es nicht besser macht.
Der Film des wegsprengenden Kopfes ist exakt das Gegenteil: es bringt absolut keinen Gewinn an Erkenntnissen, es ist keine herausragende Botschaft enthalten. Es ist einfach nur Mittel zum Zweck. Zu welchem Zweck? Aufzuzeigen, das man Experte ist, das Blöd Journalismus betreibt und harte Informationen aufzeigt? Seht, wie grausam der Krieg ist, wie perfide die russische Anweisung an die eigenen Soldaten, sich das Leben zu nehmen, wenn es nicht mehr weitergeht. Und sorry, wir wollen euch diese Bilder nicht zeigen, aber wir müssen es.
Aber das ist einfach nicht richtig, es geht nur um Klicks, um Marktanteil und um Kohle. Ohne andere Ziele, ohne Anstand, ohne Moral. Auch wenn ich den Ukrainern alles Glück der Welt wünsche - ich brauche keine Filme von sterbende russischen Soldaten. Es sind Menschen und die Würde eines Menschen ist unantastbar. Und das ist Absolut.
Ich gebe Ebby recht: wie weit ist es, bis mit dem Argument der Information, Bilder und Filme von Folter, Vergewaltigungen und Ermordungen gezeigt werden? Sorry, wir wollen es nicht zeigen, aber unsere journalistische Pflicht lässt uns keine andere Wahl. Wo ist die Grenze? Muss der Kopf durch die Gegend spritzend gezeigt werden? In Farbe und bitte mit etwas weniger Pixeln? Der Information wegen! Oder darf es dann bitteschön auch der dreckige Schwanz sein, der dem Jungen in den Arsch fährt? Natürlich im Namen der Information, logisch. Wie soll man sonst wissen, was in der Welt passiert?
Es gibt diese Fotos, diese Filme, diese Dokumente; allerdings sollte der Sinn darin bestehen, Menschen aufzurütteln und mit der Grausamkeit genau diese bekämpfen zu können. Dann wird aus dem Dokument der Grausamkeit etwas Sinnhaftes.
Die berechtigte Frage ist, wo ist die Grenze.