Ihr habt für mich eine sehr merkwürdige Auffassung, wann eine Waffe eingesetzt werden darf. Unabhängig davon, dass die Beschreibung des Beifahrers die Situation deutlich anders darstellt (natürlich auch er Partei und nicht objektiv ist), möchte ich einfach mal folgende Punkte aufzählen:
- der Fahrer hat objektiv direkt vor und auch beim Schuss niemanden gefährdet oder bedroht.
- Es ist völlig unklar, warum der Wagen langsam (!) losfuhr (bei einem Automatikgetriebe vielleicht auch einfach nur in Panik die Bremse nicht mehr getreten?). Zu sehen ist deutlich und das deckt sich mit dem Bericht des Beifahrers, dass der Wagen nicht stark beschleunigt wird. Der Wagen kann in 4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt werden - das Video zeigt ein sehr langsames anrollen und erst nach dem Schuss schneller wird.
- die Situation eindeutig schon nichts mehr mit der vorher stattfindenden Raserei zu tun hatte.
- das Fahrzeug aufgrund eines Staus nicht weiter fahren konnte - demnach die Theorie, vorauseilend hätte geschossen werden müssen, hinfällig ist. Wobei ich so eine Forderung schon extrem daneben finde - wen soll die Polizei den alles erschießen? Den, der vielleicht gleich oder Morgen jemanden bedrohen, verletzen oder töten könnten? Es gibt keine vorauseilende Nothilfe! Es gibt die falsche Einschätzung der Situation und da ist jeder, der dann jemanden verletzt oder töten gesetzlich geschützt. Und das ist gut so.
- der Polizist nicht, wie erst einmal ausgesagt wurde, gefährdet war und es auch subjektiv keinen Grund gab, das anzunehmen. Er (der Polizist) stand neben dem Wagen und nicht wie er (?) behauptete vor dem Wagen.
- zumindest in Deutschland (und ich denke, das es in Frankreich recht ähnlich ist) darf eine Waffe zur Notwehr oder Nothilfe, Gefahrenabwehr und unter bestimmten Bedingungen zur Straffvollstreckung bzw. Strafverfolgung eingesetzt werden. Ein bewusstes anschießen (oder töten) ohne das ausreichende Kontrolle darüber herrscht, wird bei dieser Situation mit Sicherheit niemals den gesetzlichen Vorgaben gerecht.
Im besten Fall hat der Polizist reflexartig abgedrückt. Dann helfen Schönschreiberei von @silvester31 oder @bx-basis absolut niemanden: ein Mensch ist tot und ein Polizist womöglich schwerstens traumatisiert und für sein Leben gezeichnet. Was soll Eure Schreibe bitteschön bringen? Ich denke, das effektivste Handeln wäre, eindeutig zu klären, wie das passieren konnte. Und das nicht in erster Linie, um aufzuzeigen, dass der Polizist ein Mörder oder der Fahrer selbst schuld war. Sondern daraus zu lernen und die Ausbildung der Polizisten soweit zu verbessern, dass das möglichst nicht mehr passiert. Die Zahlen der Getöteten durch Polizisten in Frankreich zeigen leider ein systematisches Problem auf - was absolut nichts über diesen einen Polizisten aussagen muss.
Im schlechterem Fall wird sich bei einem Aufklären der Tötung zeigen, dass rassistische Motive und Machtdenken zu diesem Tod geführt hat. Weil dieses Klima die Reaktion des Polizisten mit beeinflusst hat und/oder zu der Reaktion des Fahrers geführt hat. Auch dann sollte klar sein, was passiert ist. Sonst wird das Problem schlicht und einfach nicht gelöst werden können.
Der erste Schritt zu Verbesserungen ist das Wissen und nicht das Rechtfertigen und Vertuschen.
Im schlechtesten Fall hat der Polizist bewusst geschossen - das geht für mich in die Richtung der oben zu lesenden Beiträge: im Zweifel hauen wir halt die unliebsamen Mitbürger weg. Selbst schuld halt.
Ich verstehe einfach nicht, warum Ihr so wenig Respekt vor dem Leben habt. Und warum Ihr sogar noch Sachverhalte so hinbiegt, dass der Tod eines Menschen angeblich gerechtfertigt wäre. Es rechtfertigt überhaupt nicht die Taten des Fahrers, wenn man das zufällige Töten falsch findet. Es macht unsere Welt nicht ein bisschen besser, wenn wir den Polizisten ein "gut so" zuraunen und es hilft vor allem noch nicht einmal dem Polizisten, wenn diese "schieß weg den Dreck" Mentalität sich immer weiter ausbreitet. Selbst wenn der Polizist mit Vorsatz geschossen haben sollte: es wird ihn verändern, belasten und mit Sicherheit nicht zu einem glücklicheren Leben führen. Also, wem ist gedient mit diesen Forderungen?