Lange her, erst jetzt gesehen. In der Tat hast du etwas falsch verstanden. Ich schrieb: "Dann erst werden die Handbremsseile eingeführt und gleichmäßig angezogen". Das heisst, es werden unten die Seile eingeführt und die Muttern drauf gedreht. Dabei ist der Handbremshebel im Wagen ganz unten und wird nicht weiter betätigt. Und in dieser Stellung sind die Seile völlig entspannt. Es gibt auch keine Vorspannung. Fremdkörper sollten sich natürlich nicht im Hebel-Mechanismus befinden.
Die Exzenter werden bereits ohne Seile perfekt eingestellt. Dazu nehme ich z.B. einen fetten Schraubenzieher, der gerade noch in die Exzentermutter passt. Damit hat man dann auch einen prima Hebel zum feinen einstellen und um die Mutter und damit den Exzenter genau da zu halten, wo sie ist, wenn man die Schraube dann anzieht. Dann wie oben beschrieben. Ergebnis ist eine ( vorübergehend) perfekt eingestellte Handbremse, die bei der zweiten Raste fest ist. Die besagten Federn am Exzenter sind dann zurecht nur minimal gespannt und haben den vollen Weg zum Spannungsaufbau zur Verfügung, wenn die Bremse angezogen wird, um beim Lösen den Druckabbau zu unterstützen.
Doch, genau das ergibt das beidseitige gleichmäßige Ansprechen der Handbremse von Beginn an. Denn ein perfekt gleiche Einstellung der Exzenter auf beiden Seiten wird so gut wie nie gelingen. Dazu kommen Unterschiede im Spannungsaufbau der Seile, materialbedingt und wegen ihrer unterschiedlichen Länge. Wenn alles korrekt ist macht das aber nicht mehr als 2-3 Gewindegänge Unterschied aus.
Ergänzung: Das kleine M4 (oder M5?)-Schräubchen mit Kontermutter am Excenter ist oft so fest, dass man es schnell abreisst und sie mit Hitze lösen muss. Ein Hinweis, dass sie oft lange ignoriert wurde, weil die Funktion nicht bekannt ist. Sie ist bei jeder Einstellung zu lösen, ganz rein zu drehen und nach der Einstellung wieder so weit heraus zu drehen und zu kontern, dass die gesamte Mimik spielfrei ist. Dann werden am Ende noch die Handbremsseil-Muttern soweit angezogen, wie erforderlich/beschrieben. Kommen frische Beläge rein, müssen die Muttern soweit raus gedreht werden, dass das Seil vor der Einstellung keine Kräfte mehr ausübt. Alle Gewinde und Gleitflächen sollten mit Keramikpaste oder weißem Haftfett zum sprühen versehen werden. Das macht das justieren auch nach längerer Zeit zu einer fix durchgeführten Arbeit.
Haben die weit verbreiteten Handbremsreißer die Aussenseele ruiniert und einige Ringe haben sich ineinandergeschoben, an einer deutliche Verdickung zu sehen, sind neue Seile einzusetzen. Eine Einstellung hält meist dann nur wenige Male Ziehen aus, bis der Handbremshebel wieder Richtung Achselhöhle wandert. Am Ende steht das Gewinde der Seile so weit an der Mimik heraus, dass sie am Innern der Felge, besonders bei Alus und inneren Gewichten, anstößt - und nette Geräusche erzeugt 🙂. Gefühlvolles anziehen der Seile sorgt für ein langes Seil-Leben. TÜV-Prüfer weise ich immer freundlich aber bestimmt darauf hin, die Handbremse langsam und gefühlvoll anzuziehen, bis die gewünschte Bremswirkung auf dem Prüfstand erreicht ist.