Jeder Vergleich hinkt. Immer. Aber warum uns 15 Jahre Weimarer Republik eine in die Tiefe gehende humanistische Tradition gebracht haben sollen, ist mir schleierhaft. Ja, es gab tolle Schriftsteller und engagierte Denker, Frauen die für Gleichberechtigung gekämpft haben und und und - aber nichts davon hat die Massen aufgehalten, die 12 folgenden Jahre verhindert und nur soviel Anstand hervorgebracht, das nur ein Bruchteil versteckter und geretteter Juden den 6 Millionen Ermordeten gegenüber standen.
Und die nicht hörbaren und nicht sichtbaren, anständigen Menschen in diesen 12 Jahren? Diese Menschen gab es nur hier und sie ermöglichten dann den demokratischen Aufbau? Wohl kaum: sie wurden nach 1945 immer noch angegangen und sind kaum in führende Positionen gekommen - ein Fritz Bauer war da eine Ausnahme. Und wieso soll es diese Menschen im Gaza nicht auch geben?
Es gibt (gab) Menschen, die in Initiativen mit Israelis zusammen für Frieden gekämpft haben.
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Israel/friedensbewegung2.html#:~:text=chalom Achschav (Frieden Jetzt%2C ist,er nicht der Landesverteidigung diente.
Es gibt das west-east-divan Orchester https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/das-west-eastern-divan-orchestra-wird-20/
und wie immer und überall Menschen, die nicht wissen, wie sie die Stimme erheben sollen und was zu tun ist oder einfach nur zu faul sind - aber nicht einverstanden sind, mit dem, was die Hamas (oder, oder, oder) macht.
Warum wir sie nicht hören hat auch mit uns zu tun: es liest sich halt besser, wenn Hamas mal wieder Menschen ermordet oder unterdrückt hat - eine Meldung über Bauern, die über Grenzen zusammen arbeiten, wird man wohl kaum in irgendeiner Meldung finden.
Ich will hier überhaupt nichts schön reden und ich habe auch schon mehr als eindeutig Stellung zu den Ereignissen des letzten Monats abgegeben. Aber ich wehre mich gegen Verallgemeinerungen, Intoleranz und/oder Vorurteilen. Egal aus welcher Richtung sie kommen und gegen wen sie gerichtet sind. Nur so, und das ist meine feste Überzeugung, haben wir eine Chance diesen ganzen Wahnsinn irgendwann mal zu durchbrechen. Nenne es utopisch oder optimistisches; für mich ist es die einzige Form einer realistischen Sichtweise und hat mit Utopie, Träumerei oder Optimismus nichts zu tun.