Aber was verärgert sie? Dass das Pachtland mittlerweile kaum noch zu bezahlen ist und überwiegend Großunternehmen gehört?
https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/holdings-breiten-landwirtschaft-nur-osten-559286
https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/wem-gehoert-landwirtschaft-kampf-bauern-um-boden-583534
Wer hat dieses Problem zu verantworten?
Beide Artikel sind von vor der Ampelregierung - Habeck ist alles zuzutrauen, aber das er schon vor seiner Amtseinführung in einem anderen Ressort böses verbreitete, wage ich mal zu bezweifeln. Bleiben die vorherigen Regierungen und/oder die Vertretung der Bauern selbst. Das Landwirtschaftsministerium ist von 2005-2021 CDU/CSU davor für 7 Jahre Grüne bzw. SPF geführt, davor 1983-1998 CDU/CSU.
Hier ein netter Artikel zur Vertretung der Bauern:
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/landwirtschaft/agrarpolitik/26321.html
Es fällt mir schwer hier von einer Vertretung zu schreiben. Für mich ist es ein von den Bauern legitimierter Interessensverband, der nicht die Interessen der Bauern vertritt. Abhängigkeiten werden weiter verschärft, die Tendenz zu immer größeren Unternehmen gefördert und die Abhängigkeit von schlecht zahlender Lebensindustrie gestärkt. Zusätzlich wird dem Einfluss der Chemischen Industrie zumindest nichts entgegengesetzt.
Fazit: weder das Landwirtschaftsministerium noch die Bauernvertretung hat die Probleme der Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte angefasst. Im Gegenteil, diese Entwicklung des Sterbens der kleinen und mittleren Höfe wurde bewusst gefördert. Da wurde wohl der Metzger vom Schaf selbst gewählt
Was stört sie noch? Das sie zu wenig Subventionen bekommen?
https://de.statista.com/infografik/31520/laender-mit-hoechsten-eu-agrarsubventionen/#:~:text=In Deutschland erhielten im Wirtschaftsjahr,und 14.000 Euro pro Unternehmen.
Fällt mir schwer hier ein Argument für das Bedürfnis der Bauern zu finden. Ich hätte gerne einfach nur eine fairere Steuerbelastung. Ansonsten halte ich es mal mit Lindner: wofür Subventionen? Das ist nur Geld, was dem Einen genommen und dem Anderen geschenkt wird.
Ich bin dafür, dass die Bauern das Verdienen, was sie verdienen: Kaum ein Job hat so wenig freie Zeit, kaum ein Job verlangt 7 Tage-Woche und zur Nor auch mal Tage mit mehr als 12 Stunden Arbeit. Doch diese Arbeit sollte durch das Produkt bezahlt werden. Dann kostet das Schnitzel halt nicht mehr € 1,50 ....
Was stört sie noch? Umweltauflagen?
Ja, wo kommen wir da hin, dass niemand mehr die Umwelt einfach so vergiften darf? Und dafür bitte schön mosern und Ausgleichszahlungen erwarten - werde ich auch demnächst so machen: Ölwechsel im Garten und Ausgleichszahlung verlangen, wenn ich das Öl fachgerecht entsorge. Allerdings bin ich mir sicher, dass die wenigsten Bauern mit mehr Ökologie und Tierwohl ein Problem hätten - wenn ihre Arbeit vernünftig bezahlt werden würde. Womit wir wieder bei CDU/CSU, dem Bauernverband und der Gier von uns wären.
Es liegen Vorschläge in den Schubladen. Z.B. Bauern für aktiven Umweltschutz zu bezahlen (werden sie teilweise ja auch schon), Ausgleichzahlungen für die hunderttausende gerissener Kälber durch Wölfe gibt es (ach, sind "nur" 4350 Tiere - 200 Millionen Nutztiere gibt es - 4,2 Millionen Tiere sterben in Versuchslaboren - wie viele durch Tierquälerei?), kleine und mittlere Höfe zu unterstützen.
Und wie war das mit den Genossenschaften z.B. Molkereien? Lange her, Bauern schlossen sich zusammen und hatten in der Nähe Molkereien. Dort bekamen sie für ihre Milch einen fairen Preis. Dann kamen die großen Anbieter und versprachen mehr Geld. Die genossenschaftlichen Molkereien wurden geschlossen, die großen Molkereien konnten den Preis diktieren und nach unten drücken. Alles Habecks schuld....
Was fällt mir noch ein? 80% der Trecker heute Morgen auf der B5 in Friedrichshain sind nicht älter als fünf Jahre. Kein kleines Gerät, alles die riesigen Trecker, mit denen hervorragend der Boden verdichtet werden kann. Alle 10 Meter fuhren € 150-200.000,--, dazwischen die armen Handwerker (Herr B., für eine Steckdose alleine fahren wir nicht mehr zu ihrem Kunden - da berechnen wir ab jetzt den ganzen Tag) und LKWs (gut, dass die Ware nicht auf die Schiene geht hat andere Gründe - auch ein über Jahrzehnte CDU/CSU geführtes Ministerium). Ein paar Dodge-RAM (20 Liter subventionierter Diesel auf hundert Kilometer - was bin ich wieder mal bösartig, die werden natürlich nicht subventioniert) mit lustigen Fahnen, Galgen und "die Ampel muss weg" Plakate.
Und zum Schluss noch die antiimperialistischen Freunde aus der Nachbarschaft mit revolutionären Grüßen an die revolutionäre Bauern - spätestens da bin ich mir sicher, dass das Ganze nicht mein Ding ist.
Baut die tollen Windparks und Solarfelder schön weiter auf eure Felder, schimpft darüber und streicht die Kohle ein. Und wenn es mal knapp wird, kann ja wieder mal etwas von dem Restacker als Bauland verhökert werden - fährt man halt wieder weiter zum nächsten Acker. Aber dafür subventionieren wir ja auch den Sprit (zum Thema der Trecker fährt ja nur auf dem Acker).
Ja, die Situation vieler Bauern ist ungewiss und ich möchte nicht mit ihnen tauschen. Vieles würde ich unterstützen, einiges wurde schon lange gefordert. Aber mir auf diese Art und Weise eine reaktionäre Revolution verkaufen, dass könnt ihr knicken. Schmeißt die scheiß AFD und andere Nazis aus euren Demos raus, fordert endlich mal Unterstützung von euren Verbänden. Besser, wählt endlich mal eine Vertretung, die euch vertritt , wählt nicht die Schwarzen und gebt die Schuld für diese Politik den Anderen. Dann stehe ich gerne an eurer Seite.
Aber so bekommt ihr meine Solidarität nicht.