Wie wärs denn, zu akzeptieren, dass wir in einer Marktwirtschaft leben und CO2-Ausstoss viel zu billig ist.
Ich bin so bisher niemals in die Lage gekommen, SUV-Fahrer so sehr beneiden, und in der Folge verteufeln zu müssen, dass ich mich drüber aufregen hätte müssen.
Mit der Devise: "Du zahlst deine Rechnungen, ich meine." Konnte ich mich bis jetzt immer glücklich schätzen.
-20% Anschaffungskosten, -20% oder mehr Spritkosten, billigerer Unterhalt und wegen weniger Hubraum, Gewicht oder PS (das kommt in CH auf den Kanton an, was bei der Steuer den Ton angibt) auch billigere Fixkosten, was sich dann auch in den Versicherungsprämien zeigt.
Warum soll ich da noch mit dem SUV-Fahrer streiten? Er muss wissen, wo er im Leben mehr als nötig ausgeben kann und will. Ich muss all das ja nicht zahlen.
Und seit wann ist denn einer, der andere Prioritäten setzt als ich, automatisch dumm oder assi?
Zumal es bei SUV ja nicht aufhört. Amis sind nicht weniger durstig, auch nicht, wenn es ein Dodge Challenger oder eine Shelby Cobra oder ein Ford Mustang ist. Das sind keine SUV, und die sind auch nicht ganz so schwer. Sind die nun bessere Menschen, obschon sie auch nicht weniger Sprit verblasen, als SUV-Fahrer?
Das lässt sich übrigens auch umdrehen: Warum ist der VW-Golf-Automat-Fahrer, der 8.5l auf 100km verbraucht, weil er sich das neueste Modell nicht leistet, automatisch kein Assi, aber der, der im Mustang Ecoboost gleichviel verbrennt dann schon, einfach nur, weil das Auto optisch mehr hermacht, und mehr Leistung hat? Und was macht den Dacia Duster Fahrer, der genauso bedacht wie der Mustang-Fahrer fährt, und dann mit 8l oder weniger auskommt, zum Assi und doofen, wo doch der Golf-Fahrer, der für den 12jährigen Golf auch nicht weniger ausgegeben hat, als der Duster-Fahrer, aber dennoch mehr verbraucht, zum besseren Menschen? Zumal der Golf-Fahrer auf der Bahn gern mal Gas gibt, und dann mit 8.5l vielleicht nicht mehr ganz hinkommt, während der sparsamer denkende Duster-Fahrer eher auf der rechten Spur bleibt?
Und was bringt das, wenn der Berlingo auf dem Bordcomputer zwar mit 4.5l (Diesel natürlich, der pro Liter wesentlich mehr Kohlendioxyd macht) durchkommt, aber Real sowieso 0.7l mehr nimmt, und dann mit einem Verbrauch nach Zapfsäule verglichen wird, weil einer ein sparsames Auto gekauft hat, weil er WIRKLICH sparen will. Im Zweifel gilt der dann als Heizer, weil er den üblichen Messbeschiss nicht mitmacht...
Kann man nicht den Neid weglassen, und sich einfach freuen, nicht die Spritrechnung und teuren Reifen derer zahlen zu müssen, die sich ihr Wunschdenken schönrechnen? Muss man da ums Verrecken streiten, nur weil man sich selber nicht eingesteht, anderen nur zu neiden, was die sich gönnen, weil sie können und wollen, während man sich selber seinen Willen aus Vernunftgründen nicht gelassen hat?
Letzten Herbst beim Reifenwechsel, der Nachbar, seines Zeichens Mercedes-Fahrer, ich vermute aus soziokulturellen Gründen: Er trägt seine neuen im Internet bestellten Reifen zum Wagen, um die dann montieren zu lassen. Ich werkele mit dem 12V-Schlagschrauber und dem Wagenheber, und tausche eine 15-Zoll-Felge gegen die andere, mit den frisch montierten Winterreifen, aus Kostengründen, und weil ich weder Chinesen noch Russen beschäftigen mag, runderneuert. Er im Vorbeigehen zu seinem Bruder:
"Die vorderen beiden haben 400.-- gekostet, die hinteren 290.-- Fr." - "Nicht viel. Guter Kauf."
Ich rufe lächelnd dazu, "Bei mir haben alle vier inklusive Montage keine 500.-- gekostet."
Dem guten Einkäufer fehlten dann die Worte. Er war halt sichtlich überrascht, wie viel er sich seinen Benz kosten lassen muss. Und sah nicht mehr restlos glücklich aus.
Nicht mein Problem... Was den seine Reifen kosten, dafür kann ich schon zusätzlich drei Monate tanken. Neid kommt da nicht bei mir auf. Sichtlich.