Sagt wer zu wem? Die Sicht der Israelis ist das meiner Beobachtung nach nicht. Lies dir mal den Telegramkanal der IDF....
Ich habe nicht geschrieben, dass es die Sichtweise "der" Israelis oder des IDF sei - ich habe eine sehr differenzierte Sichtweise auf Israel und auch auf die israelische Armee. Ich denke, dass ich insgesamt sehr differenziert auf Gruppen schaue und bei mir das Individuum im Vordergrund steht - das war auch die Intention meines Beitrages: mir wird hier in einigen Beiträgen zu sehr verallgemeinert. Dafür muss auch nicht explizit "...sondern das alle im Gaza Mörder sind und auch die Kinder dazu gehören" geschrieben stehen: die permanente Wiederholung, das "die Leute im Gaza (bei jedem Verbrechen) der Hamas tanzend auf der Straße sind, dass die Palästinenser keinen Frieden wollen etc. pp. ist in meinen Augen nicht nur rassistisch, sondern unterstützt und befeuert nur das weiter so. In so einer Sichtweise, die auch einfach nicht stimmt, ist keine Lösung enthalten.
Wenn ein von mir darauf aufmerksam machen dazu führt, dass meine Beiträge oder Teile davon verdreht und sinnentstellt verstanden, zitiert und benutzt werden, dann muss ich davon ausgehen, dass absolut kein Interesse an einem gemeinsamen weitergehen und verstehen besteht. Man kann sich Feinde auch basteln - was das bringen soll, ist mir allerdings ein Rätzel.
In aller Deutlichkeit: meine Sympathie gehört eindeutig den Menschen in Israel, genauer, den Juden in Israel. Auch wenn ich mit Religion nichts anfangen kann und diese sogar für eines der Grundübel unserer Zeit halte, werde ich mich immer für das Recht jedes Menschen einsetzen, das zu Glauben, was er will. Meine Grenze ist da, wo es das Recht des Anderen eingeschränkt. Aufgrund der Geschichte Israels verstehe ich die Reaktionen und verurteile sie nicht. Ich halte sie aber in Teilen für falsch. Warum? Weil sie den Interessen der Menschen Israels nicht nützen sondern schaden und weil ich (ganz subjektiv) davon überzeugt bin, das Netanjahu aus persönlichen Gründen einen Teil der Verantwortung für die vielen Toten trägt.
Abgesehen davon gibt es kein Verbrechen, das jede Reaktion rechtfertigt. Das kann man anders sehen, ich sehe es aber so. Auch ist mir Rache fremd - eine Aktion, wie die jetzige Reaktion der israelischen Armee muss einen Sinn haben. Z.B. die Geiseln zu befreien oder für die Zukunft eine Grundlage für Frieden schaffen etc.pp. Dieses Ziel sehe ich nicht - ich verstehe die Zerstörung des Gaza mit vielen Toten auf Seiten der Zivilbevölkerung nicht als Chance auf Frieden, ich sehe darin zunehmend eine Reaktion eines Teils der israelischen Regierung, die für mich andere Ziele verfolgt und kein Interesse an Frieden hat, wenn es auch nur einen Hauch ihrer persönlicher Interessen tangiert.
Jedes Opfer, jeder Tote und jede Verletzte ist zu viel! Das gilt natürlich auch für das Beduinenmädchen. Erstaunlich ist nur, dass in diesem Moment der Rassismus mal kurz Pause hat. Oder ist es nicht so, dass Beduinen in Israel über Jahrzehnte massive Benachteiligung erfahren mussten und erst in den letzten Jahren dieser Rassismus durchbrochen und aufgeweicht wurde?
Meine Sichtweise auf den Angriff des Irans ist einfach: er hatte eine direkte Vorgeschichte, nämlich den Angriff Israels auf iranischen Territorium mit einem dutzend getöteter Menschen. Da waren Verbrecher bei und Menschen, die sich weniger und vielleicht auch gar nichts zu schulden haben lassen. Ich will diesen Angriff überhaupt nicht bewerten oder verurteilen - aber so zu tun, als ob der Iran einfach so einen Angriff gestartet hätte, ist falsch. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Entscheidung der israelischen Verantwortlichen falsch finde, ich verstehe die Logik, die dahinter steht. Aber ich sehe auch, dass Aktion eine Reaktion hervor bringt und frage mich, ob es nicht an der Zeit ist, andere Wege einzuschlagen. Denn, dieser Angriff auf die Botschaft hatte auch eine Vorgeschichte und diese auch usw.
Wie lange soll das so weiter gehen?
Ich sehe Diskussionen z.B. hier im Forum als Versuch, sehr komplexe Sachverhalte besser verstehen zu können. Dazu gehört allerdings auch, andere Meinungen verstehen zu wollen. Das scheint mir ab und an verloren zu gehen. Aber ohne die andere Sichtweise bin ich in meinem Denken gefangen und werde kaum dieses durchbrechen können. Auch scheint mir das Ziel ab und an verloren zu gehen. Was wollen wir? Einen zerstörten Gaza? Möglichst viele von den Anderen tot? Oder ganz alleine als Herrscher der Welt übrig bleiben?
Mein Ziel ist ausschließlich Frieden, einen gerechten Frieden mit Chancen für alle Seiten. Der letzte Teil des Satzes ist obsolet: ohne Gerechtigkeit und Freiheit mag es Totenruhe geben - Frieden bedingt beides. Und Frieden ist immer universell, nie partiell.