Gernot, Du klingst ja wie ne Bürgerinitiative. Da ich mich mit solchen Argumenten auch regelmäßig auf der Arbeit herumschlagen muß, mal ein paar Fakten:
- Straßenbahnschienen in dicht bebauten Straßenzügen verlegt man heute nicht mehr als "Rillenschiene im Dreck" ohne jegliche Abschirmung. Da gibt es je nach Bedraf und Untergrund diverse Dämmstoffe aus Gummi oder Steinwolle, für schwierige Verhältnisse auch Masse-Feder-Systeme. Dann rumpelt bei Dir in der Stube nichts mehr, wenn draußen die Bim vorbeirollt.
- Der Zug überrollt statistisch gesehen pro Fahrzeug auch nicht mehr Flaneure als ein Bus, der mit ungefähr derselben Stirnfäche und Geschwindigkeit ankommt. Noch dazu kommt er im Notfall schneller zum Stillstand. Oder hast Du schonmal nen Bus mit Magnetschienenbremse gesehen?
- Batteriebusse sind definitiv eine Bereicherung gegenüber Bussen mit Verbrennungsmotor, aber immernoch nicht so effizient wie alles, was direkt aus dem Fahrdraht gespeist wird, also Bahnen und O-Busse.
- Außerdem: Wer muß, fährt Bus. Wer kann, fährt Bahn. Überall dort, wo in der Vergangenheit gut ausgelastete Straßenbahnlinien durch Busverkehr ersetzt wurden, weil irgendjemand meinte, das sei viel moderner (wahrscheinlich wollte der Busse verkaufen) oder meinte, damit Kosten sparen zu können, sind die Fahrgastzahlen eingebrochen. Immer. Gibt viel Literatur zu dem Thema, Stichwort "Schienenbonus", falls sich jemand einlesen möchte. Die Folgekosten durch gestiegenen Pkw-Verkehr sind fast immer höher, lassen sich aber nicht so einfach in einem kommunalen Haushaltsposten darstellen, so daß es meistens niemandem auffällt.
- Beinahe sämtliche innerstädtischen Straßen, aus denen man den Autoverkehr so weit wie möglich ausgeschlossen hat, und stattdessen Fußgängerzonen errichtet hat, in denen maximal Straßenbahnen oder Fahrräder fahren dürfen, haben einen deutlichen Zuwachs an Geschäften und Kunden bekommen, so daß sich nach dem Umbau keiner mehr daran erinnern wollte, vorher dagegen protestiert zu haben. Es geht ja nicht darum, die Autos komplett aus der Stadt zu werfen, das fordern nur ein paar Utopisten, sondern darum, möglichst viel Lebensraum ohne Verkehrsbelastung zu schaffen, und dabei trotzdem eine Basis-Erreichbarkeit mit dem Auto aufrecht zu erhalten. Beispiele, daß das funktioniert und auch die lokale Wirtschaft brummt, gibt es genügend: Freiburg, Strasbourg, Gent, und gefühlt fast jede Stadt in den Niederlanden.