Beides hat seine Zeit: Gott machen lassen hat seine Zeit, und selber machen hat seine Zeit. Was im Einzelfall gerade "dran" ist, ist individuell.
Gerade Abraham hatte ja die Verheissung, dass seine Nachkommen zum grossen Volk werden. Das sah durchaus schwierig aus, da er bis dato noch gar keine Nachkommen hatte... Er wird ja nicht einfach au die Nachkommen gewartet haben sondern "selber" seinen "Beitrag" geleistet haben... Sarah wurde aber nicht schwanger; 1. Mose 16.1 sagt: "Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind."
Also was jetzt: Selber machen oder Gott machen lassen? Abraham und Sarah entschieden sich, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Nachzulesen in der ersten Leihmuttergeschichte der Bibel, siehe Link (es hat noch ein paar weitere Leihmuttergeschichten). Daraus entstand Abrahams erster Sohn: Ismael. Aber es ging schief. Sarah verstiess Ismael mitsamt der Leihmutter. – Meine Bibellehrer sagen: Es ging schief, weil Abraham hier nicht auf Gott wartete.
Absolut. Und die Bibellehrer sagen: Diese Geschichte dokumentiert die Abschaffung der Menschenopfer – Ein Unding, das bis dahin üblich und weit verbreitet war (und in anderen Kulturen noch viel länger verbreitet war): Menschenopfer im allgemeinen und/oder (hier im Besonderen) die Opferung des Erstgeborenen.
Menschenopfer wurden also abgeschafft von Gott (oder, wenn ihr lieber wollt, von den Tora-Autoren). Was das bedeutet, muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das war eine grossartige Kulturleistung, und hier war das Judentum einmal mehr der Zeit voraus.
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Überhaupt, die Abrahams-Geschichte. Die ist so voller liebenswürdiger Schrulligkeiten... Einmal hat Abraham seine Frau als "seine Schwester" ausgegeben, weil sie schön war und die beiden deswegen um ihr Leben fürchteten... Es war gerade mal wieder Hungersnot in Kanaan (oder war es Gaza?), und Abraham und Sarah zogen deswegen nach Ägypten; Abraham und Sarah hatten Angst, der ägyptische König würde Abraham töten und Sarah zur Frau nehmen, denn sie war schön. In dieser Geschichte musste Gott selber im Traum zum Pharao reden, damit dieser Sarah nicht anrühre.
Abraham, der grosse Glaubensvater, dessen Geschichte durchzogen ist von vielen kleinen und grossen Zweifeln. Und dennoch gilt er als einer der ganz grossen Glaubensväter. Das gefällt mir an der Geschichte: Dass Gott mit ganz gewöhnlichen Menschen seinen Plan umsetzt, auch gerade und obwohl sie hier und da Zweifel haben. 😊
Die Bibel beschreibt die Menschen nicht wie sie gerne wären, sondern wie sie sind.
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Und mein eigenes Leben? – Wenn es keinen Sinn mehr machte, hier im Forum weiter zu debattieren, betete ich auch schon: "Gott, jetzt musst du für mich streiten. Weil ich weiss nicht mehr weiter." Und dann hat sich der Faden in eine positive Richtung entwickelt, ohne dass ich noch was dazugetan hätte.