Grundsätzlich sollten wir auch hier mal darüber diskutieren, ab wann eine andere Sichtweise durch Propaganda, Desinformation oder schlicht Lügen abgelöst wird und welche Folgen das hat.
Wenn für Israel, Netanjahu, für Palästina oder sonst etwas argumentiert wird, ist das eine Sache. Ich halte es allerdings für höchst problematisch, wenn wieder besseren Wissens angedeutet, behauptet oder durch Relativierung offensichtliche Dinge verdeckt, verdreht und verbogen werden.
Es steht ja wohl absolut nicht zur Diskussion, dass das Massaker am 07. Oktober ein Verbrechen unglaublicher Dimmension war. Es steht allerdings auch nicht zur Debatte, dass der Gaza zum allergrößten Teil zerstört und dabei sehr viele Menschen umgebracht worden sind. Und auch sehr viele Kinder, ihre Familien, ihr Zuhause und ihr Leben verloren - genauso wenig steht es zur Debatte, das diese Kinder mit dem seit Jahrzehnten vorhandenen Konflikt nichts zu tun hatten; wie auch die Kinder, die am 07.10. ermordet wurden. Das gilt auch für fast alle Jugendlichen, fast alle dort mal lebenden Frauen und Männer. Und auch ein Anhänger von Netanjahu oder ein rechtsradikaler Siedler, der am 07.10. umkam, ist nicht umgekommen, sondern Opfer eines wahllosen Mordens geworden.
Und es steht auch überhaupt nicht zur Debatte, dass dieser Konflikt Kriegsgewinnler auf beiden Seiten hat. Und es steht auch überhaupt nicht zur Debatte, dass es Verantwortliche auf beiden Seiten gab und gibt. Die zu verantworten haben, dass es so ist wie es ist. Rabin/Arafat zeigen deutlich auf, dass es durchaus auch anders geht - der Mord Rabins zeigt aber auch auf, dass israelische Bürger, Juden, einen genauso großen Anteil an Arschlöchern haben, wie überall sonst auch auf der Welt. Oder war, frei nach Weidels Logik, Jigal Amir ja eigentlich ein Palästinenser?
Wir können uns gerne darüber austauschen, wie dieser Konflikt gelöst werden kann und vorallem, ob wir außer labern und blöd rumschwadronieren auch direkt etwas dazu beitragen können - die zunehmend wirklich komplett unmenschlichen Eingaben, das Polemisieren auf niedrigstem Niveau und das herabsteigen auf Trump und Bildzeitungsniveau mag einige lustig finden, Hormonspiegel regulierend sein und sonstige Frustrationen abbauen. Mich kotzt es an und ich habe dafür absolut kein Verständniss.
Ich finde, das ist kein Stück besser als das, was Trump, Weidel und andere Arschlöcher so machen - ihr vernichtet Stück für Stück Diskussionskultur und letztendlich tragt ihr an der Zerstörung freiheitlicher Gesellschaftsformen bei. Halt nicht wie Trump auf hohem Niveau, halt so, wie die individuellen Möglichkeiten es hergeben.
Freiheit wird nicht verschenkt. Freiheit ist nicht mal ebenso da. Freiheit ist etwas, das ich selbst erschaffe und behüten muss. Dafür muss man etwas tun. Und nicht wie Omas Enkel einfach das Erbe versaufen und sich dann blöd fragen, warum die Kohle weg ist.
Reicht das, was gerade überall passiert wirklich nicht aus? Das mal inne gehalten und nachgedacht wird? Ist diese destruktive Lust an der Zerstörung wirklich so groß, dass ihr euch nicht mehr daran erinnern könnt, was gut und was böse ist? Was richtig und was definitiv falsch ist? Ist die Freiheit, die wir noch (!) haben es nicht einmal mehr Wert, zu versuchen ein kleines bisschen der Verantwortung gerecht zu werden, die damit einhergeht?