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Wenn Wahlergebnisse Urlauber vertreiben
Rügen und der neue Osten: Wenn Wahlergebnisse Urlauber vertreiben
Vorab in eigener Sache: Wir haben persönlich nichts gegen Mecklenburg-Vorpommern oder den Osten insgesamt zu sagen. Dumme Menschen gibt es hier genauso wie im Westen, im Süden und ja, auch im Norden. Doch das Wahlergebnis spricht für sich und lässt sich nicht einfach ignorieren. Es ist das Ergebnis eines gesamten Einheitsprozesses, den man in seiner Gesamtheit betrachten muss. Die Situation ist, wie sie ist – und wir dokumentieren sie, auch mit Blick auf die damalige Nordkreuz-Affäre und weitere Entwicklungen.
Wenn wir selbst etwas dazu sagen müssten, dann nur eines: Wir haben immer freundliche und herzliche Menschen getroffen. Wir kennen Menschen, die in der Region Ferienunterkünfte betreiben, und sie stehen nun vor einer Welle von Stornierungen. Das kann es nicht sein. Die Konsequenzen dieser Entwicklung treffen nicht nur die Politik, sondern auch viele Unbeteiligte, die auf den Tourismus angewiesen sind.
„Rügen, das war es mit uns“ – Urlauber kehren der Insel den Rücken
Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen keinen Zweifel: Viele Menschen sind enttäuscht. Besonders die Entscheidung der Rüganer, die AfD mit überwältigender Mehrheit zu wählen, sorgt für Empörung. "Ich mache jetzt woanders Urlaub", schreibt eine langjährige Ostsee-Urlauberin. Und sie ist nicht allein. Hunderte Stimmen in den sozialen Medien kündigen an, dass sie ihr Geld nicht länger in eine Region bringen wollen, in der eine Partei der extremen Rechten den Ton angibt.
Besonders drastisch formulierte es der Verlag "Ankerherz", der die Wahlergebnisse als "Schande" bezeichnete. "Wer will dort noch Urlaub machen? Wir sicher nicht!", hieß es in einem viel beachteten Posting. Diese Einstellung teilen offenbar viele ehemalige Gäste der Region.
Die Wähler haben entschieden – jetzt entscheiden auch die Urlauber
Dass politische Entscheidungen Konsequenzen haben, wird hier besonders deutlich. Die Tourismusbranche ist ein wesentlicher Wirtschaftszweig in Mecklenburg-Vorpommern. Die Region hat sich über Jahre hinweg auf Gäste aus Westdeutschland, Skandinavien und den Benelux-Ländern verlassen – Besucher, die nun mit Boykott reagieren. Sie wollen ihr Geld nicht in eine Region tragen, die offen fremdenfeindliche und nationalistische Politik unterstützt.
Nicht nur Urlauber ziehen Konsequenzen. Auch Einheimische denken über einen Abschied nach. Ein Bewohner von Mecklenburg-Vorpommern erklärte in einem Interview, dass er sich nun sicher sei: Er muss weg. "Ich habe schon länger darüber nachgedacht, aber nach diesen Ergebnissen kann ich hier nicht bleiben", so seine Worte. Der "blaue Osten", wie er ihn nennt, ist für ihn kein Ort mehr, an dem er leben möchte.
Tourismusbranche in Sorge: Ein Exodus der Gäste?
Die ersten wirtschaftlichen Konsequenzen zeigen sich bereits. Betreiber eines Ferienparks an der Mecklenburgischen Seenplatte berichten von Stornierungswellen. Ein Unternehmer mit 150 Gästeplätzen erklärte resigniert: "Wir hoffen jetzt auf mehr Besucher aus Sachsen und Thüringen." Ein Satz, der Bände spricht. Dass die touristischen Einnahmen zu großen Teilen aus westdeutschen und internationalen Gästen kamen, war bislang ein offenes Geheimnis – jetzt droht vielen Betrieben eine schwierige Zukunft. Denn das Geld der "Fremden" hat man gern genommen, doch wie es aussieht, waren sie nie wirklich willkommen.
Das neue Image von Rügen: Eine Urlaubsregion für wen?
Rügen und viele Teile Mecklenburg-Vorpommerns stehen vor einer Zäsur. Die Wahlergebnisse haben gezeigt, wie tief die Spaltung in Deutschland ist. Doch während die Einheimischen vielleicht glauben, mit ihrer Entscheidung ein Zeichen gesetzt zu haben, wird ihnen die wirtschaftliche Realität bald deutlich machen, dass solche Wahlergebnisse nicht ohne Folgen bleiben. Die Urlauber ziehen weiter – und mit ihnen das Geld.
Ob die Region den Kurs noch einmal korrigieren kann? Oder ob sie sich auf eine neue, deutlich kleinere Zielgruppe einstellen muss? Das dürfte die nächsten Jahre zeigen.