Dein Beitrag zeigt, was das mit Arroganz zu tun hat. Du urteilst hier, ohne den Sachverhalt zu kennen. Und da gehts erstmal keineswegs um Wertungsfragen.
Woher willst Du denn wissen, ob ich die Strecke täglich penedle? - Und wenn Du das nicht weisst: Was bitte ist dann nicht arrogant an dem Urteil?
Dass ich mein Leben zu einem grossen Teil auf der Strasse verbringe, ja, das ist Fakt. Dass das Reibungsverlust ist, ist wieder eine Unterstellung von Dir. Woher diese Arroganz, dass Zeit beim Autofahren zu verbringen, per se Verlust sein muss?
Was hätt ich denn mehr davon, wenn ich mich während der Zeit stattdessen hinterm Bildschirm verkrümel und daddle, oder wenn ich mich stattdessen von Freundin oder Familie einspannen lasse? Was hätt ich mehr davon, die Zeit sinnlos am Fernseher zu verbringen? Ich könnt die auch verschlafen, und dann mangels Müdigkeit schlecht schlafen. Was hätt ich mehr davon, als von der Action, die ich auf den Autobahnen erlebe?
Nach der Diktion gäbs ganze Berufsgruppen, deren Leben quasi zu 100% in "Reibungsverlusten" aufgeht. Jeder Taxifahrer, jeder Kurrierfahrer, ja sogar der Pizzabote und der LKW-Fahrer reiben demnach ihr Leben sinnlos auf?
Darf ich fragen, wie Du und andere mit der Lebenseinstellung es schaffen, jeden Tag aufzustehen und sich für den Tag zu motivieren?
Ich für meinen Teil habe für die Pendelei das ideale Auto, und wenn ich körperlich dazu in der Lage wäre (was als Rollstuhlfahrer nunmal schwierig wird), dann würd ich vielleicht LKW fahren. Ganztägig, europaweit, wenns sein muss. - Nein, die Zeit auf der Strasse ist kein Reibungsverlust. Ich liebe es, zu fahren, und an Tagen, an denen mich das sonst angurken würde, zur Arbeit zu gehen, freue ich mich immerhin auf die Fahrt. Selbst an beschissenen Stautagen komme ich so gut gelaunt im Büro an. - Zumal langstrecken-Pendeln eh mehr mit ner Urlaubsfahrt zu tun hat, als mit dem üblichen Pendelstress. Die Fahrzeit ist in der Regel so bemessen, dass ich mir unterwegs ne Pause von zwischen 5 und 20min. leisten darf. Schon nur, weil ich beide Hände zum Fahren brauche und daher während der Fahrt nicht mal eben so nach der Wasserflasche greifen darf - können schon, aber dann wär ich nicht bremsbereit. Ich halte dafür also an. Und wenns denn sein muss, kann ich die Pause auch ausfallen lassen, und ganz gemütlich hinterm LKW zur Arbeit trotten, und über all die Hirnamputierten BMW-Fahrer im Zeitstress und ohne Geld für Blinkerfarbe lachen, oder mir ansehen, wie beschissen der durchschnittliche Citroën-Fahrer fährt. In der Regel nämlich ziehmlich konzeptlos, manchmal unsicher. etc. pp.
Dabei läuft meine lieblingsplaylist und ich habe den Verkehr um mich im Blick. Schon nur, um einigermassen mit Köpfchen voranzukommen.
Anders als die, die kilometerweit schleichen, während links Platz zum überholen ist, und erst dann auf die Idee fürn Wechsel nach links kommen, wenn dort 10m weiter hinten einer mit 20km/h Geschwindigkeitsüberschuss ankommt. Oder auch gern gesehen: Die, die solange mit 130 aufm Tacho links fahren können, bis sie neben nem LKW sind. ab dann geht auf keinen Fall mehr als 100km/h, besser noch einfach gleich schnell wie der LKW rechts. - Wie dumm, egoistisch und arrogant muss man für sowas sein?
Oder ist das schlicht die gleiche Sorte Mensch, die auch hier nicht merkt, wie arrogant und dumm-doof sie auftritt.? Ich frag ja nur.
Ich hab Zeit für Blinker. Ich hab Zeit, eine Lücke auf der Linken Spur abzuwarten, die gross genug ist, dass ich keinen ausbremsen muss. Und ich sehe mehrere hundert Meter voraus, wo sich der nächste LKW bewegt. Und mein Navi läuft immer mit, damit ich nicht zu denen gehöre, die 100m vor ihrer Abfahrt auf der linken Spur Lichthupen müssen, um noch vor der Abfahrt rechts rüber zu kommen, Zentimeter vorm LKW. Und ich hab Zeit für Reissverschlussverfahren. Auch dreimal hintereinander, in 20min. ...
Die Fahrt wird nicht Langweilig. Nie. Das ist kein Reibungsverlust. Nicht mit dem Auto, mit stufenlosem Automat, HUD und einem Verbrauch, der Kleinwagenfahrer vor Neid grün werden lässt. Ich geniesse auch nach gut anderthalb Jahren noch jede einzelne Fahrt in vollen Zügen.
Der Anstehende Umzug hingegen stresst mich. Wie ich den schaffen soll, weiss ich nämlich nicht. Auch nicht, wie ich ne passende Wohnung finden soll.