Dazu möchte ich gerne einen Gegenbeitrag schreiben.
Ich kann die Abgrenzung zum Thema Politik nicht wirklich nachvollziehen. Was soll das sein? Jemand sagte mir mal vor Jahrzehnten, Politik ist die Wissenschaft des Lebens. Das fand ich Nachvollziehbar. Was sollen politische Themen sein? Die Diskussion, ob ich eine Schraube rechts oder links herum eindrehe, ist bestimmt recht wenig politisch. Ob ich allerdings eine Werkstatt XY weiterempfehle, weil dort gute Arbeit gemacht wird, schon. Wenn der Besitzer eine sehr ehrliche Haut ist, sogar etwas mehr. Ist er Schwul und wird öffentlich angefeindet, ist es ein klares Statemente und geht weit über eine Schraube rechts oder links richtig eingedreht hinaus. Gesellschaftliche und politische Themen sind aus einem Leben und einem Austausch untereinander nicht wegzudenken.
Citroen: wir haben einen Gründer, der durch seine Herkunft eindeutig geprägt war. Ohne diese Prägung hätte es unsere Autos wohl kaum gegeben. Die Offenheit, die Unruhe, der Wunsch Neues zu erdenken und nicht nur ausgewaschene, bekannte Wege zu gehen, haben sein Schaffen geprägt. Und teilweise sind seine Wege bis in die heutige Zeit modern, zukunftsweisend, visionär. Wie würden wir heute mit ihm umgehen? Was würden wir machen, wenn er nicht 1935 sondern 1944 im KZ gestorben wäre - darüber nicht reden? Hinwegsehen? Oder durch diesen direkten Bezug uns mit dem Thema Antisemitismus stärker beschäftigen? Wie soll Politik beim Thema Andre Citroen keine Rolle spielen?
Was ist mit dem Mythos 11Cv aus der Zeit der Resistance? Eine nette Anekdote oder etwas, was hoch politisch ist? Was ist mit der Rolle des Unternehmens Citroen in der Zeit der Besetzung? Und wie positionieren wir uns zur DS als Fahrzeug eines Statemente, eines gesellschaftlichen Aufrufes. Den 2CV als Gegenentwurf zu bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Es war ein Fahrzeug für die nicht Reichen, für "Jederman und Frau". Und damit auch ein Ausdruck urdemokratischen Denkens.
Es ist nicht die Politik oder die Religion, die ein Forum zum Ort des Grauens macht - es sind die Schreiber, die keine Verantwortung kennen und und die Freiheit des Schreibens mit Beliebigkeit und Zügellosigkeit verwechseln. Das gilt es zu ändern! Und nicht ein steriles, in einer Blase vor sich hindümpelndes Forum zu schaffen. Friedhofsruhe ist keine angenehme Stille. Es ist der Vorhof zur Hölle, zum Nichts.
Mir wird bei dieser Diskussion zusehr Ursache und Wirkung vertauscht. Nocheinmal und sehr deutlich: es ist ein Geschenk, dass in einem - in diesem - Forum über die eigene Blase hinaus mit Menschen diskutiert werden kann. Es ist ein hohes Gut auf Menschen zu treffen, die einem sagen, dass sie etwas anders sehen. Es nervt, es geht einem auf die Eier und so manches mal muss man die Tasten zügeln und die Faust in der Tasche langsam wieder lösen - aber was ist das Ziel? Selbstbestätigung? Friedhofsruhe? Ausblenden der Realität? Oder doch der Wunsch weiter zu kommen, Neues zu erfahren und zu lernen?
Freiheit ist ein hohes Gut und wird nicht verschenkt. Sie wird erkämpft. Und sie verpisst sich, wenn sich niemand mehr ihres Wertes bewusst ist. Sie lässt sich nicht einfach als Nutte kaufen und steht einem bei Bedarf zur Verfügung. Sie ist eine Diva, möchte gut behandelt werden, beschützt und umgarnt. Und deshalb, weil es ein so hohes Gut ist und einem so viel zu geben vermag; deshalb sollten wir für sie einstehen. Im Allgemeinen und eben auch in einem so scheinbar unbedeutedem Forum wie diesem.
Kurze Rede, langer Sinn: wir sollten uns um die Umsetzung Gedanken machen und nicht um die Abschaffung. Dazu gehört auch, dass ein Admin keine unnütze Arbeit hat, keine Nerven lässt, nichts zu nölen hat - und damit recht wenige Gründe, wie auch immer einzuschreiten.