Ich finde den Artikel ausgesprochen polemisch und inhaltlich nicht in Ordnung. Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich und kann diese Verallgemeinerungen einfach nicht mehr ertragen.
Es gibt nicht "die" Szene. Es gibt keine einheitliche Position zu Israel oder Palestina. Es gibt eine Menge Menschen, die eine durchaus differenzierte Meinung haben und (auch durch solche Artikel) keine sichtbare Position mehr einnehmen wollen oder können. Es gibt hier Parolen an Wänden für die Hamas oder auch gegen den Genozit im Gaza oder gegen die unerträglichen Zustände im Gaza oder gegen das Sterben im Gaza. Ich persönlich mag den Begriff Genozit in diesem Zusammenhang nicht, positioniere mich allerdings ganz klar und eindeutig gegen das Sterben, nein gegen das Töten durch die israelischen Armee im Gaza. Und ich kenne einige "selbsternannte Linke", die durchaus Positionen in diesem Rahmen haben.
Sollen wir schweigen, nur weil wir in einen Topf mit einem miesen Transparent in Friedrichshain geworfen werden?
Vielleicht liegt mein Unwillen diesen Artikel positiv zu sehen, auch ganz woanders: Ein Teil dieser in sich komplett inhomogenen Szene hat nie im klassischen Sinn humanitäre, im Kern eigentlich ja linke Positionen vertreten. Antiimperialisten, Stalinisten, Maoisten etc. hatten immer schon eine laute Stimme, egal ob sie in der Minderheit waren oder noch weniger auf die Beine gestellt haben - die Unterstützung der z.B. PLO oder der PKK gehört in diesen Kreisen recht häufig zum gutem Ton. Allerdings gab es auch schon vor 40 Jahren diese Kritik: wer diktatorische Systeme, Idiologien und Bewegungen unterstützt, geht nicht in eine bessere Welt - er/sie will letztendlich ein Unrecht nur durch ein noch nicht existierende Unrecht ersetzen. Toll!
Ich frage mich, warum es dem Autor so schwer fällt zu beschreiben, dass ein Teil dieser Szene schon immer scheiße war. Pol Pot und Stalin-Anhänger fand man damals wie heute - das ist genauso wenig neu, wie es einen nicht überraschen kann, heute Hamasunterstützer auf der Straße gröllen zu sehen, die sich dem linken Spektrum zuordnen. Mir kommt eher der Verdacht, dass das eigene Entsetzen langsam dem Autor in die Feder rutscht. Und anstatt aus der bedingungslosen Unterstützung zu lernen und die zu stärken, die damals, gestern und heute durchaus eine differenzierte Sichtweise hatten und im Kern traditionelle linke Positionen vertreten, kommt der Klassiker: gestern Maoist und gnadenlos, heute war alles nur eine Reaktion gegen Papa und alle Linken sind blöd.
Aber vielleicht ist es auch nur meine Empfindlichkeit: für Rechte sowieso versifft, für die Konservativen immer noch ein Spinner und für die Marx, Mao und Stalin-Fetischisten nach Jahren der Irrwege, der selbsternannte Linke und "anarchistisch" mit möglichst vielen """
Man geht ihr mir auf die Eier.