Irgendwie finde ich es schade, das interessante Überschrifts-Thema auf die Zuverlässigkeit zu reduzieren. Das Auto als Gesamtkunstwerk hatte seinen Höhepunkt, wie ich finde, Mitte der 2000er. Da hatte man die ganzen Schmerzpunkte gelöst, die man 10, 20 oder 30 Jahre vorher noch hatte. Keine Vergaser mehr, Servolenkung, ABS vorhanden, OBD2, NVH im Griff, Crashsicherheit auf akzeptablem Niveau, relativ zuverlässig, verzinkte Bleche, leistungsfähige Klimaanlagen, gescheites Licht, gute Scheibenwischer etc. pp.
Gleichzeitig waren Emissionen damals noch nicht so ein großes Thema, weshalb Motor/ Getriebesteuerung und Abgasstrang verhältnismäßig simpel und nicht bloß auf Testzyklen abgestimmt waren, kein rev-hang, sinnvolle Übersetzungen, kaum down-sizing etc. Die Elektronik war noch offen genug, dass jede Werkstatt daran basteln konnte, man konnte alle wichtigen Funktionen blind bedienen, Funktions-Abos waren noch kein Thema, die Servolenkung war noch nicht elektrisch...
Außerdem haben diese Jahre für mich einige der schönsten nach-Chrome-Ära-Autos hervorgebracht. Z. B. die Aston Martin Vantage und DB9 oder den BMW E39 LCI Touring.
Ich denke aber auch, dass dieser "Peak" nur ein Zwischenhoch war. Es wird ein neuer, höherer Peak mit Elektroautos folgen. Es ist absehbar, dass sich 1000 km (Schönwetter-)Reichweite bei großen Autos zum neuen Standard entwickeln, sodass Reichweitenangst auch für weit-Fahrer kein Thema mehr sein wird. Die zentralisierte Elektronik a la Tesla ist der richtige Weg (auch wenn Tesla ihn mit seiner Knebelei und Totalüberwachung falsch geht). Die mitgeführte Batterie erlaubt schon heute Innovationen, die ohne diese kaum möglich gewesen wären und die Chinesen beleben den Markt, wie es schon lange nicht mehr passiert ist.
Ich denke man kann da als Auto-Fan (nicht notwendigerweise als Marken-Fan) ganz optimistisch nach vorne gucken.