Gepostet von Charlotte Wiedemann auf FB:
Dieser Brief kommt von den palästinesischen Hirtengemeinschaften des Nördlichen Jordantals. Bitte teilen! (P.S. Ich habe den Brief in Übersetzung von Amos Goldberg bekommen, Prof Hebrew University, der sich in Nachtschichten an protective presence für die Hirten beteiligt.)
An die Regierung Israels,
An die geehrten Mitglieder der Knesset,
An alle Sicherheitsbehörden und -organe in Israel,
An alle internationalen Behörden und Einrichtungen, die ihre Augen nicht vor Unrecht schliessen wollen:
Wir schreiben Ihnen nicht mit der Absicht, Sie zu konfrontieren, sondern aus echter Sorge um unsere Kinder und um unser grundlegendes Recht, als Menschen leben zu dürfen. Wir sind Bewohner der palästinensischen Gemeinden im nördlichen Jordantal – der Region al-Maleh und der sie umgebenden Hirten¬gemeinschaften. Wir wurden auf diesem Land geboren, so wie unsere Väter und Vorväter vor uns. Dieses Gebiet war für uns niemals eine Konfliktzone, sondern unser Zuhause, Weideland, Lebensgrundlage und ein über Generationen gewachsenes Erbe. Unsere Häuser bestehen aus Blech und Plastikplanen. Unser Leben ist einfach. Wir halten Vieh, hüten unsere Herden und bestreiten unseren Lebensunterhalt durch unsere körperliche Arbeit. Wir gehören keiner politischen Partei an, befinden uns in keinem politischen Konflikt und verfolgen keine Agenda. Wir sind einfache Familien, die lediglich in Sicherheit leben möchten.
Doch unser Leben ist zu einem andauernden Albtraum geworden.
Bewohner der Außenposten, radikale Siedler, greifen uns bei Tag und bei Nacht an. Sie dringen in unsere Häuser ein, versetzen unsere Kinder und Frauen in Angst und Schrecken und hindern uns daran, die Weideflächen zu erreichen, von denen wir leben. Unser Vieh ist in den Gehegen eingesperrt und verendet vor unseren Augen, weil uns der Zugang zu unserem Land verweigert wird. Jede Nacht fragen uns unsere Kinder:
„Werden sie heute kommen? Müssen wir morgen gehen?“
Welcher Vater kann auf eine solche Frage antworten?
Wir schreiben nicht, um jemanden zu beschuldigen, sondern um an eine klare Verantwortung zu erinnern:
Der Schutz von Zivilisten und die gleichberechtigte Durchsetzung des Gesetzes sind keine Wahl — sie sind eine Pflicht.
Wenn ein Kind in seinem eigenen Zuhause Angst und Schrecken empfindet, ist das ein Versagen, das behoben werden muss, nicht etwas, das gerechtfertigt werden darf.
Wenn einem Menschen ohne Schutz oder Gerechtigkeit die Lebensgrundlage entzogen wird, ist das ein Unrecht, das beendet werden muss.
Wir bitten Sie, als diejenigen, die Autorität und Verantwortung tragen:
• Gewähren Sie den palästinensischen Hirten¬gemeinschaften im nördlichen Jordantal echten und sofortigen Schutz.
• Gewährleisten Sie sicheren Zugang zu unserem Land, unseren Feldern und zu unseren Weideflächen.
• Bestehende Gesetze sollten bei jeder Schädigung von Zivilisten und deren Eigentum ohne Diskriminierung gegen Palästinenser durchgesetzt werden.
Wir bitten nicht um Privilegien und fordern nichts über die grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse hinaus:
Ohne Angst zu leben,
unsere Kinder zu schützen,
unsere Würde zu bewahren.
Die Stärke eines Staates misst sich an seiner Gerechtigkeit, und seine Sicherheit misst sich an seiner Fähigkeit, die Schwachen, die in ihm leben, zu schützen.
Wir hoffen, dass diese Worte Sie erreichen und berühren und nicht zu einem weiteren Brief werden, der im Archiv verschwindet.
Im Namen unserer Kinder, die wie all die anderen Kinder auf der anderen Seite der Grenzen und Mauern, die ums umgeben, ohne Angst aufwachsen sollen,
im Namen unserer Mütter, die jede Nacht in Sorge wach liegen,
und im Namen unserer Ältesten, die nicht in den letzten Jahren ihres Lebens vertrieben werden möchten,
erwarten wir von Ihnen ein Handeln, das unser Leben und unsere grundlegende Würde schützt.
In Hoffnung auf eine bessere Zukunft,
Die Bewohner der palästinensischen Hirten¬gemeinschaften
Nördliches Jordantal