Die Fans der Marke Saab und die großer Citroen schauen vergleichsweise wohlwollend ins andere Lager, beide verbindet wohl eine ähnliche Haltung zum Automobil. Neben den vielen Citroen steht auch hier nicht zum ersten Mal ein Saab, was mich zu einem Vergleich angeregt hat, ein subjektiver Vergleich zweier Limousinen. Kandidat 1: Saab 9-5 2,3 T Vector. Groß „T“ steht für die zweitpotenteste Leistungsstufe, 220 Benzin-Turbo-PS aus 4 Zylindern – gleichwohl die stärkste Motorvariante, die mit Komfortfahrwerk lieferbar war. Baujahr 2006, 211000 km gelaufen. Vector war die mittlere Ausstattung. Mit 5-Stufen-Automatik, Parkpaket, Navi, Leder, Xenon, CD-Wechsler und Metalliclack standen damals knapp 48000 Euro in der Preisliste. Kandidat 2: Citroen C6 2,2 HDi, 170 Turbodiesel-PS, 6-Gang Schaltgetriebe – motorisch der Einstieg in die C6-Welt, hier kombiniert mit der mittleren Ausstattungslinie Pallas. Baujahr 2007, 190000 km gelaufen. Ergänzt um Teilleder, Metalliclack und eine abnehmbare Anhängerkupplung war die Verhandlungsbasis nach Preisliste ebenfalls bei rund 48000 Euro. Damals klar Gutverdienerautos mit der Außenwirkung, bewusst keinen Audi-BMW-Mercedes gekauft zu haben. Beide Autos basieren auf verlängerten Plattformen mehr oder minder schnöder Großkonzernbrüder, dem Citroen C5 und dem Opel Vectra. Für beide hat man sich auch sehr viel Mühe gegeben, das nicht so zu zeigen, sondern die Limousinen deutlich oberhalb zu positionieren. Das ist meines Erachtens vollständig geglückt. Allenfalls die Citroen-Schalter um das Lenkrad und in der Mittelkonsole zeigen die Abstammung. Bei Saab durfte man hier noch völlig selbstständig agieren, im Innenraum gibt es keine sichtbaren Opel-Gleichteile. Im Motorraum setzt sich das im Saab noch fort. Der Motor ist die alte Saab-Eigenentwicklung aus den frühen 1980er Jahren, immer wieder einigermaßen auf dem Stand der Technik gehalten. Rund um den Motor findet sich dann oft der Aufdruck „GM“. Im C6 4-Zylinder herrscht mehr oder minder der C5 im Motorraum mit damals aktuellem und zeitgemäßem Dieselmotor. Das ist nicht exklusiv, aber sorgt verglichen mit den C6 V6 HDi für weniger Sorgenfalten bei der Teilesuche. Trotz dessen kennen wir alle die C6-Ersatzteilsorgen. Beim Saab gibt es hingegen keine Engpässe. Der freie Teilemarkt liefert alles. Immerhin liefen zwischen 1997 und 2010 etwa 483000 Saab 9-5 vom Band in Trollhättan, ca. 20000 wurden in Deutschland verkauft. Vom C6 sind bekanntlich nur gut 23000 zwischen 2005 und 2012 produziert worden, davon gingen neu etwa 3700 nach Deutschland. Als der C6 auf den Markt kam, als völlige Neuentwicklung, hatte Saab gerade den 9-5 dem zweiten Facelift unterzogen, um die betagte Konstruktion konkurrenzfähig zu halten – die sogenannte Chrombrille. Damit hatte Saab maximal polarisiert und das Fanlager gespalten. Ich bekenne mich hier zum Liebhaber der Chrombrille und hatte noch zu Produktionszeiten des Modells erstmals einen Jungwagen als SportCombi Aero erstanden. Bei aller Citroen-Verstrahlung war der C6 damals kein Modell, für das ich nennenswert Geld gezahlt hätte, was aber erstmal praktische Gründe hatte. Kaum sind fast zwanzig Jahre um, stehen beide nebeneinander in der Scheune. Der Saab hat in meiner Hand nun schon 10000 km hinter sich, der C6 ist nahezu frisch hier eingetroffen, fast 1000 km bin ich aber schon gefahren. Motorisch Benzin gegen Diesel, aber jeweils vier Zylinder, gut zwei Liter Hubraum, Turbolader, Frontantrieb. Im Saab ist ein klassischer, großer Turbolader verbaut. Unter 1800/min passiert nichts, danach bricht er los, was aber nur der erlebt, der aus unerfindlichen Gründen den manuellen Schaltmodus nutzt. Die Aisin 5-Stufen-Automatik macht die Arbeit nahezu perfekt und überspielt das Turboloch durch geschickte Schaltpunkte und Ansteuerung der Wandlerkupplung, ohne unnötig Drehzahlorgien zu produzieren. Bei meiner Frau kostet das dann auf Strecke 8,5 Liter Ottokraftstoff, bei mir 10, der Alltag liegt dazwischen. Dazu gibt es das Komfortfahrwerk – was aber leider, mit der Citroen-Brille geschaut, den Namen nicht verdient. Ich kenne aus dem Aero das Sportfahrwerk und hatte gehofft, dieses hier wäre deutlich komfortabler. Ist es nicht. Bei hohen Geschwindigkeiten in Ordnung, ist es mir auf schlechten Landstraßen schlicht nahe an unerträglich. Eine der von mir ab und an befahrenen Autobahnen besteht aus Betonplatten, es gilt 120 km/h. Beim Aero traf das eine Eigenfrequenz des Fahrwerks, wo es einem speiübel werden konnte. Der Vector macht das besser, aber ein sehr unangenehmes Stuckern bleibt. Nerviges Details in der Bedienung: die ausgeschaltete Klimaanlage merkt sich der Wagen nicht, bei jedem Neustart ist sie wieder an. Workaround: Zündung an – AC off – Motor starten. Immerhin befindet sich das Zündschloss direkt neben dem Klimaschalter, in der Mittelkonsole. Auch gibt es keine Momentanverbrauchsanzeige. Dafür ein Klimatisierungssystem, das feinfühlig und zugfrei arbeitet, was ich im C6 leider anders erlebe, obwohl die Heizungsklappen funktionsfähig sind. Für meinen Durchschnittskörperbau bieten beide Limousinen hervorragenden Sitzkomfort. Bei der Federung ist der C6 über fast alle Zweifel erhaben. Selbst der berühmte Kanaldeckel wird besser erledigt als mit dem beschriebenen „Komfortfahrwerk“ der Konkurrenz. Der Biturbodiesel hat nahezu kein Turboloch, wird aber in niedrigen Drehzahlen noch brummiger als der Saab. Klar, hier vielleicht prinzipbedingt, aber eben deutlich. Die Gänge muss man in meinem C6 selbst sortieren. Das ist in meinen Augen im C6 eine ziemlich unwürdige Tätigkeit (gilt für mich aber auch im Saxo…). Zumal, da ich das Aisin-6-Gang-Getriebe im C6-Benziner-V6 als hervorragend empfand, ich davon ausgehe, es wäre es auch am 2,2 HDi. 7,5 Liter Diesel als bisherigen Verbrauch empfinde ich auch nicht als so niedrig, als dass ich mir das Schalten damit schönreden könnte. Der C6 ist eben auch 250 kg schwerer als der Saab, merkt man hier wohl. Nur mit Schaltgetriebe aber fühlt sich der C6 HDi so authentisch wie möglich nach CX TD2 an – das empfinde ich tatsächlich so, kann man mich für verrückt halten…. Im C6 befindet sich das RD4, was im Vergleich zum aufpreispflichtigen Saab-Touchscreen-Navi ziemlich altmodisch und pixelig wirkt. Wäre beim Saab serienmäßig aber auch nicht anders. Worauf ich völlig verzichten könnte, wären die rahmenlosen Scheiben am C6. Hier wirkt auf mich auch keine Empfindung, die mich an die DS erinnert. Sondern es wirken auf mich Ängste vor berstenden Scheiben, versagenden Mikroschaltern und Fensterhebermotoren. Und es wirken auf meine Ohren Windgeräusche bei Autobahngeschwindigkeit, die möglicherweise besser sein könnten mit einer Einstellung, aber immer schlechter bleiben als bei einem „richtigen“ Fensterrahmen. Mich ärgern diese vorteilslosen Scheiben eher als dass ich mich daran erfreuen könnte. So richtig den technischen Fortschritt finde ich auch in der elektrischen Handbremse des C6 nicht, die beim Saab ein rein mechanisches System darstellt. Das Head-up-Display hingegen ist ein schönes Detail, wie auch der sich wunderbar ins Cockpit einpassende Digitaltacho. Die Schalterorgie in der Mittelkonsole sähe ich aus haptischen Gründen gerne positiv, aber die damalige Kritik, dass hier eine Überfrachtung „gelungen“ ist, kann ich durchaus nachvollziehen. Das macht der Saab besser. Womit wir beim Innenraumdesign sind. Der C6 ist konsequent anders gestaltet mit dem flachen Armaturenbrett, den Türfächer und deren Abdeckung und einigen weiteren liebevollen Details. Mit den Holzapplikationen des Exclusives, die mein Modell nicht hat, wäre es noch besser – hier ist es mir etwas trist. Zumal auch die schwarze Teillederausstattung keine optischen Akzente setzt. Dennoch mag ich sie gerne, da ich Stoff und Velours prinzipiell für die Sitzfläche vorziehe. Was dem C6 sehr gut zu Gesicht stünde, wäre die feste Lenkradnabe wie im C4 I / C5 III. Der Innenraum des Saabs ist farblich so, wie ich ihn mir wünsche. Helle Sitze, Holz im Cockpit. Erstere Vollleder mit den üblichen Nachteilen bei Kälte und Hitze, letzteres so dunkel, dass man sich etwas Mühe geben muss, es nicht für schwarzen Kunststoff zu halten. Prinzipiell aber ist das Innenraumdesign nicht mehr als hübsch aufbereiteter Standard. Ja und dann außen: Ich bin kein Designer, aber dass auch das Außendesign des Saabs schön aufbereitete Hausmannskost ist, das erkenne ich schon. Gleichmäßige Überhänge vorne und hinten bei normalem Radstand, Designakzente setzt nur die Chrombrille und vielleicht ein wenig die seitliche, scharfe Blechkante vor dem hinteren Stoßfänger. Da kann der C6 natürlich mehr, wobei es mir vor allem die Heckpartie mit konkaver Scheibe und den aufgesetzten Leuchteneinheiten angetan hat. Diejenigen, die im kleinen „4-Zylinder-Spoiler“ eine Störung der Linie sehen, kann ich inzwischen verstehen, bevorzuge aber die Abwesenheit der wasserempfindlichen Spoilermimik. Der lange Überhang vorne, der kurze hinten, der lange Radstand (20 cm mehr als beim Saab) lassen weitere Erinnerungen an den CX aufkommen. Sehr schön. Wie das Schwarzkirsch-metallic, eine wunderbare Farbe, die Ähnlichkeiten mit perlmutt-cassis hat, das man für den CX kaufen konnte. Leider ist sie wenig kompatibel mit meinen Autowaschzyklen. Da lobe ich mir das Saab-silber. Beide Autos sind in ordentlichem Zustand rund um 5000 Euro wert. Derzeit bietet der Diesel bei meiner Fahrleistung keinen Kostenvorteil gegen den in Steuer und Versicherungseinstufung vergleichsweise billigen Saab (Haftpflicht-Typklasse 12). Da kann der problemlos zwei Liter mehr trinken. Es kann außerdem bei beiden Autos jederzeit alles kaputtgehen, 20 Jahre und 200000 km sind mindestens am Rand der projektierten Lebensdauer. Die Qualität des Bleches ist beim C6 besser. Mein Exemplar ist zwar gut, dennoch gibt es beim Saab 9-5 prinzipiell einige Karosserieschwachstellen, die man sehr genau im Auto behalten muss. Ein wenig ist es wie beim BX – wenn man sie sieht, ist es zu spät. Motor und Getriebe sind dafür so trocken, wie es bei Citroen schon nach der halben Zeit nie der Fall ist. Jede Werkstatt könnte außerdem fast alles reparieren, ohne dass man Zettel ins Auto legen muss wie „nur anheben, wenn Deckel des Hydraulikbehälters geöffnet“. Der C6 zeigt aktuell nichts, was auf mangelnde Zuverlässigkeit hindeuten würde. Alles funktioniert. Dennoch bin ich lange genug im Citroen-Universum unterwegs, dass das Grundvertrauen nicht übermächtig wird. Ich bin sicher, der C6 wird sich eher etwas einfallen lassen, um mich zu ärgern, als der Saab es wohl tut. Aber der C6 ist ein Auto, was verwöhnt (bis auf den Schaltknüppel und das dritte Pedal), mich aber vermutlich auch zur Weißglut treiben kann mit Zipperlein und Zicken – genau wie mein einstiger CX TD2. Ein Fazit? Ich suche derzeit einen Käufer für den Saab, denn: Nichts bewegt Sie wie ein Citroen.