Da hat meine Antwort ja eine ganz schöne Lawine losgetreten. Nach einer besuchsbedingten Auszeit im Forum möchte ich wenigstens auf eine der Meldungen eingehen. Auch als Anerkennung an den Beitragserstellenden für seine konstruktive Beteiligung an der Diskussion. Ich meine, hier eine ganze Menge Spekulatius aus deinem Beitrag zu erlesen. Einige Forenmitglieder waren schonmal bei mir auf dem Hof und wissen, wie ich lebe. Bei fünf Euro Kaltmiete kommst du nicht weit. Zumal die Wohnungen vorher komplett von Kopf bis Fuß saniert werden mussten. Sechs bis sieben Euro wären aktuell wohl drin. Bis jetzt (also seit 9,5 Jahren) habe ich allerdings davon abgesehen, die Miete zu erhöhen. Meine Mietenden habens eben auch nicht dicke und mussten in der Zeit hier schon einige schwierige Phasen durchmachen. Da will ich nicht der Nächste sein der einen Knüppel zwischen die beine wirft, solange ich nicht selbst verhungern muss. Wenn ich mir allein den Nebenkostenanstieg seitdem anschau, wirds einem fast schwindlig. Und da leg ich schon nicht alles um, zB keine Grundsteuern und Gebäudeversicherung - die haben sich ja auch mehr als verdoppelt. Einzig bei den Heizkosten hat sich nicht viel bewegt, was auch nicht verwundert. Geheizt wird mit Scheitholz im Holzgaser. Das Holz dafür mache ich bei mir im Wald. So ist der finanzschwache Mietende zumindest in dieser Hinsicht von größeren Preissprüngen verschont. In der Landwirtschaft bin ich großteils "in Rente gegangen". Lohnt nicht, bei der Betriebsgröße. Langfristig nicht finanziell tragfähig. Besonders nicht, wenn man auf Umwelt und Natur Rücksicht geben möchte, worum ich mich ein wenig bemüht habe. Reparaturen - damit verdiene ich mir sicher keine goldene Nase. Den Stundenlohn schätze ich grob auf 2 Euro 37. Höchstens. Ich repariere nur Fahrzeuge die mir gefallen, von Fahrzeugbesitzenden bei denen ich das Gefühl habe, dass sie das "verdient" haben. Damit meine ich beispielsweise Leute, die nicht viel Geld haben. Oder Leute, deren Fahrzeuge von verschiedenen Werkstätten für teils fünfstellige Beträge konsequent immer weiter kaputtrepariert worden sind. Und ich mache das zum gleichen Standard wie bei meinen Fahrzeugen. Da vergehen gern mal Monate mit bergeweise Kleinkram, was man unmöglich nach Zeit abrechnen kann, ich aber zum zuverlässigen Betrieb eines 25+ Jahre alten Gefährts als unverzichtbar halte. Du hast dir ja selbst mal vor Jahren die Finger an einem XM verbrannt, der immer wieder Ärger machte, bis du es nicht mehr ausgehalten hast. Ich schraub an solchen Schrotthaufen, teils bis frühs um vier. So gut ich kann. Ich mach das nicht, um damit Geld zu verdienen. Das könnte man nicht bezahlen. Ich sags mal so: ich besitze mehr Klamotten mit Löchern, als Klamotten ohne Löcher. Soll heißen, ich habe gelernt mit wenig auszukommen. Schöne, neue Dinge verlieren schnell ihren Glanz. Das, was wirklich wichtig ist im Leben, das glänzt ohnehin nicht. Mich hat das hier immer richtig versauert, wenn sich zB über andere Forenmitglieder lustig gemacht wurde, bei denen der Gürtel noch enger geschnallt war. Natürlich nur von denen, welchen die Umstände nicht persönlich bekannt waren. Gute Leute, die aus fast nichts noch was zu machen wussten. Denn es existierten keine Alternativen. Haben trotzdem noch anderen geholfen, wo sie konnten. Eine solche geringschätzende Behandlung unverdient. Bei keinem der "Bescheid" wusste, musste ich sowas mitlesen. Da gab es allenfalls Unterstützung. Genauso versauert es mich, wenn ich "mitansehen" muss, wie mein hartverdientes Geld zumindest in Teilen für irgendwelchen unerklärbaren Blödsinn leichtfertig "verschwendet" wird. Und von den Leuten, die sich keine Sorgen machen müssen, bekommt man gleichzeitig zu hören Deutschland wäre ein "reiches Land". Dabei geht es uns (Deutschland insgesamt) heute genauso wie unserer Bauernschaft. Ich wohne in einer riesigen Hütte. Die wurde vor 150 Jahren gebaut. Als das Business brummte. Heute sehen die Zeiten komplett anders aus. Die Erzeugnisse lassen sich günstiger aus dem Ausland ranschippern. Ist schließlich "deren Umwelt, die sie sich versauen" (O-Ton unserer damaligen Ministerin). Keiner braucht mehr sone riesige Hütte. Es gibt keine 5-10 Kinder und 20 Angestellte mehr. Diese riesige Hütte ist nicht mehr tragbar. Analog sehe ich, als jemand dem das Denken in Generationen anerzogen wurde, die Entwicklung hier in unserem Land, angetrieben von demographischem Wandel und Verlagerung ganzer Wertschöpfungsketten ins Ausland doch eher mit einem etwas getrübten Ausblick. Ich frage mich, wie hier die langfristige Strategie aussehen soll. Woher die Kohlen für eine Sanierung der Hütte kommen sollen, wenn noch nichtmal die Instandhaltung finanzierbar zu sein scheint. Abschließend, bevor hier jemand bezüglich der politischen Links-Rechts-Frage auf die falsche Fährte gelockt werden sollte, ich persönlich möchte hier niemandemnicht eine "Schuld" für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen oder individuelle Zipperlein ankreiden. Den meiner Ansicht nach "Verantwortlichen" habe ich hier in der Vergangenheit mindestens dreimal postuliert. Was passiert, wenn man "Rechts" wählt, kann bzw konnte man ja zB in Ungarn oder den USA bequem vom Fernsehsessel aus beobachten. Ich möchtete lediglich die Fragestellung eines Fragenden beantworten, "warum ein wirtschaftlich benachteiligter Mensch häufiger die AfD wählt als "Die Linke"". Das ist zwar nicht die "richtige" Frage. Aber immerhin schonmal ein Anfang, um die Wurzel des Übels zu erkunden. Apropos "Wurzel des Übels": Hat sich hier schon jemand die viereinhalb Stunden {ungeskripted} mit Ben reingezogen? Muss man sich da die nicht vorhandene Zeit irgendwie freischaufeln? Ich bin nur im www über folgenden Schnipsel gestoßen: "[...] für uns gibt es nur noch eine strategische Zielsetzung, das ist die absolute Mehrheit." Soviel fehlt ja auch nicht mehr (11.04. INSA 39%). Könnte also durchaus "interessant" sein?