zeit.de/feuilleton/2026-10/uwe-steimle-kabarett-ddr-hymne-zdf-sachsen-anhalt/komplettansicht "Und dann entfesselt Uwe Steimle die Wut DDR-Hymne und Gewaltfantasien gegen eine ZDF-Moderatorin: Nach 36 Jahren kann die deutsche Einheit auch aussehen wie in Uwe Steimles Kabarett in Sachsen-Anhalt." - "Uwe Steimle ist längst nicht mehr der kauzige Honecker-Imitator mit Hang zur Halloren-Kugel und FDJ-Romantik. Uwe Steimle ist das Sprachrohr einer grollenden Wut, gespeist aus Rachegelüsten und Altersdepression. Der Klassensprecher einer sich vergessen fühlenden Generation in freudloser Landschaft. Steimle lässt einfach alles raus, zusammen mit dem Publikum. Er ist ein Entfesselungskünstler des Ressentiments. Der Abend beginnt pünktlich. Kurz vor halb acht schließen sich die Türen des großen Saals, dessen sechshundert Plätze restlos belegt sind. Dann erklingt die Titelmusik der DDR-Nachrichtensendung Aktuelle Kamera, die nahtlos in den Arbeitermarsch Dem Morgenrot entgegen übergeht. Das Publikum klatscht freudig mit, und als Steimles Adlatus, der Solotubist der Dresdner Philharmoniker, Jörg Wachsmuth, in der Uniform eines DDR-Volkspolizisten auf die Bühne kommt und ruft: »Ich grüße Sie mit dem Schlachtruf für Frieden und Einigkeit, seid bereit!«, da antwortet der Saal unisono: »Immer bereit!« Die Rituale der Jungpioniere haben alle Anwesenden noch im Blut." - "Wer lacht, gehört dazu Das ist die kulturelle Vorfeldarbeit, die Steimle für die AfD leistet: Die behauptet, dass die Demokratie die Herrschaft der Mehrheit sei und jede Minderheit von der Gnade dieser Mehrheit abhänge, sich gefälligst dankbar zeigen solle und anzupassen habe. Steimle gibt dieser Behauptung mit seinen Provokationen einen emotionalen Anker. Wer mitlacht, gehört dazu. " »Es gab Zeiten, Landsleute, da wollte Deutschland die halbe Welt vergasen. Jetzt reicht’s nicht mal für uns selbst.« »Ich bin dafür, Sachsen-Anhalt, wenn wir sofort das blaue Wunder erleben: Wir eröffnen wieder in Schwedt die Leitung. Über die Druschba-Freundschaftsleitung kriegen wir das Erdöl geliefert. (…) Scheißegal, Hauptsache, das Zeug kommt hier an. Dann geht’s uns gut. (…) Und in der BRD könnt ihr frieren für die Freiheit.« »Wir sind doch alle erzogen worden – Heimat, Familie, Volk, Vaterland. Und über allem stand der Frieden. Das waren die Grundfeste der DDR. Heute ist das alles rechts. (…) Wenn der Russe kommt, ich laufe über!« »Apropos Ostfront. (…) Hitler hatte nur einen Hoden! (…) Der hatte nur einen Hoden, aber damit kam der Mann bis Stalingrad. Andere in unserem Land haben gar keine Eier und sind heute Bundeskanzler.«