19. Oktober 200520 J. Durch die vielen Diskussionen rund um den neuen großen Citroen C6 (Ist er des Doppelwinkels würdig? Wieviel Retro steckt in ihm? Bietet er genug Highlights?), wurde ich inspiriert mal seine Vorgänger zu betrachten. Ich habe zwar versucht die jeweiligen Modelle in ihrer Zeit zu betrachten (in erster Linie den Baubeginn und nicht die weiteren Entwicklungen) und objektiv zu sein, das ist manchmal gar nicht so einfach und irgendwie kommt die eigene Meinung doch immer wieder durch... Lest selbst: Ich laß die Heckantriebler mal außen vor du fange beim Traction Avant an. Im Erscheinungsjahr 1934 war er noch gar nicht der große Citroen, sondern es gab lediglich den 7CV in der kleinen Legere-Karosserie. Die heckangetriebene Rosalie war höher angesiedelt und wurde bis 1941 gebaut (der Traction Avant 22CV mit V8 war lediglich ein Prototyp). Der 7CV war für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlich mit Frontantrieb, Ganzstahlkarosserie und ohne Trittbretter. Mit den Versionen Normale (breiter und länger) und 15CV wurde der Traction dann doch noch zum “großen Citroenâ€. Zusammenfassung: als mittlerer Citroen gestartet und nach kurzer Zeit zu Recht der große Citroen seiner Zeit. 1955 wurde die DS vorgestellt. Was für ein Auto! Das Design war locker 20 Jahre der (meisten) Konkurrenten voraus (und erinnerte in keinster Weise der Traction), die Hydropneumatik setzte Maßstäbe im Federungskomfort. Weitere Besonderheiten: Scheibenbremsen vorne (als erster in Großserie), Motorhaube aus Alu, Dach und Armaturenbrett aus Kunststoff, hydraulische Schaltung, Hochdruckbremse. Der Traction wurde zwar noch bis 1957 weitergebaut, die DS kann aber dennoch über die ganze Bauzeit bis 1975 als “der große Citroen†gelten. Bei der DS folgten im Gegensatz zum Traction erst später die einfacheren Modelle (ID, DSpecial etc), andererseits wurde sie in den Varianten Pallas und Prestige auch noch ausstattungstechnisch verbessert. Manko der DS: der alte Motor der Traction. Dieser wurde zwar im Laufe der Jahre immer weiter verbessert und modernisiert (u.a. mit elektronische Einspritzanlage), kann aber nie als wirklich modern gelten. Zusammenfassung: Bester Start aller großen Citroens, ein Meilenstein der automobilen Geschichte trotz einiger Schwächen (Motor) und von Anfang an zurecht ein großer Citroen. Chronologisch käme jetzt der SM (1970 – 1975). Da es sich aber hierbei um ein Coupe handelt, kann ich ihn schlecht mit den großen Citroen Limousinen vergleichen. 1974 erschien der CX, der ab 1975 die DS ersetzte. Das Design war zwar sehr modern, erinnert aber an den vier Jahre vorher erschienen GS. Die Motoren (zuerst nur Vergaser) stammen aus der DS. Innovativ war die Gestaltung des Armaturenbrettes und der Bedienungselemente. Erst später kam die phantastische Lenkung DIRAVI (aus dem SM, überarbeitet) und Einspritzmotoren in den CX. Somit wurde der CX erst nach einiger Anlaufzeit zu einem der “großen Citroensâ€. Die Innovationen war auch nicht so extrem wie bei der DS oder SM. Die Dieselmotoren waren für ihre Zeit sehr modern und der Konkurrenz meist überlegen. In Sachen Hydropneumatik gab es keinen nennenswerten Unterschiede zur DS, den Federungskomfort empfinde ich im CX im Vergleich zur DS als schlechter. Zusammenfassung: relativ schwacher Start, aber dann zog der CX auch ohne Turbo in die Kategorie “großer Citroen†würdig ein. 1989 bis 2000 kam der XM. Im Gegensatz zur immer rundlich werdender Konkurrenz war der XM deutlich kantiger, keilförmiger gehalten. Der Hüftknick im Bereich der C-Säule erinnert an den SM. Er war der erste große Citroen mit Heckklappe (und wenn man den C5 nicht mitzählt auch der Einzigste). Die Gestaltung des Innenraums war nicht mehr so innovativ wie beim CX, aber auch nicht das, was man als Mainstream bezeichnen könnte. Die Hydropneumatik wurde weiterentwickelt in Form von Hydractive. Nach 32 Jahren gab es auch wieder einen Sechszylindermotor im großen Citroen. Was noch? 2. Heckscheibe gegen Durchzug u.ä. bei geöffneter Heckklappe, Radiobedientasten im Lenkrad. DIRAVI zumindest bei den alten PRV-V6-Motoren. Zusammenfassung: außen und innen (zumindest Serie 1) recht ungewöhnlich, erste wesentliche Weiterentwicklung der Hydropneumatik überhaupt und ein paar nette Gimmicks (Radiobedienung im Lenkrad, zweite Heckscheibe) = eines großen Citroens durchaus würdig. Der C5 ist für mich trotz aller Werbung “nur†ein Xantia-Nachfolger, daher lasse ich ihn außen vor. Nach fünfjähriger Wartezeit kommt der C6 im Jahr 2005. Design erinnert von der Seite an den CX, ebenso die konkave Heckscheibe. Die DS sehe ich nicht, aber ich erkenne auch ein wenig vom aktuellen Audi-Design. Der C6 ist der erste große Citroen, der sich optisch an einen seiner Vorgänger orientiert! Finde ich nicht gut, auch wenn mir das Aussehen besser gefällt als z.B. der C5 II. Was bietet der C6 technisch? Überarbeitetes Hydractive, welches noch mehr Komfort bieten soll. Das erwarte ich auch von einem großen Citroen. Und der Innenraum? Armaturenbrett ist wie beim C5 II sehr schlicht gehalten. Hier enttäuscht mich der C6. AFIL und schwenkbares Xenon-Licht kennt man z.B. vom C4 und C5 II. Head-Up-Display ist zwar bei Citroen neu, gabs vorher schon bei anderen Marken. Ein Highlight wie die feststehende Lenkradnabe beim C4 fehlt völlig. Zusammenfassung: außen Retro, innen viel C5, technisch nur “Hydractive IV†(heißt das so?) als Neuerung = der am meisten 08/15-artige große Citroen, aber immerhin startet er von Anfang an als großer Citroen. Und die Zusammenfassung der Zusammenfassungen? Der große Citroen überhaupt ist wohl die göttliche DS. Und dann? Traction Avant und CX starteten beide nicht direkt als “der große Citroenâ€, wurden es aber nach kurzer Zeit. Ich würde den Traction Avant dennoch vor den CX stellen, da der CX (bezogen auf die jeweilige Zeit) weniger Besonderes und Innovatives bot als der Traction Avant Anfang der 1930er. Platz 4 gebührt dem XM. Immerhin wurde das erste mal die Hydropneumatik wesentlich überarbeitet. Nummer 5 ist dann der C6. Keine (oder zu wenige) Highlights und als einziger mit Retrodesign (zumindest ansatzweise) erlauben mir ihm keine bessere Plazierung zu geben. Soweit der objektiver Teil, jetzt der subjektive: Was hätte ich denn am liebsten wenn die Knete da wäre? 1. DS, möglichst 21 Pallas Halbautomat, gris palladium, schwarzes Dach, innen blaues Velours, letzte Front, altes Armaturenbrett 2. C6, als Ersatz für meinen Alltagsxantia, möglichst dunkelblau, innen hell, als HDi 3. CX, entweder Serie 1 Pallas oder Gti oder Serie 2 GTi Turbo (2) (nicht das ich mit meinem GTi unzufrieden wäre, aber ich könnte mich noch "verbessern") 4. Traction Avant, bevorzugt 15CV als Radmodell, alternativ 11CV Normale Radmodell 5. XM (der sagt mir von den Fünfen halt am wenigsten zu), möglichst "oller" V6 (wegen Diravi) und mit Automatik. Lieber Y3 als Y4 (wegen Einspeichenlenkrad). Dunkelrot oder -blau oder -grün mit grauem Alcantara. Kommentare, Meinungen und Diskussionen erwünscht! Legt los. Gruß
19. Oktober 200520 J. Hallo! Schon recht treffend. Aber ein XM mit Alcantara? Sowas gibt es meines Wissens nicht. Beim CX hätte ich noch darauf hingewiesen, dass es Varianten mit längerem Radstand gab. Ferner sollte man erwähnen, dass der 120-PS-Diesel seinerzeit zumindest etwa ein Jahr lang der weltweit stärkste Diesel seiner Hubraumklasse war. Beim XM hätte ich darauf hingewiesen, dass die Dieselmotoren die weltweit ersten Mehrventil-Diesel waren. (Die 3-Ventiltechnik hatte man ja später bei der ersten Generation der HDI-Motoren schon wieder ad acta gelegt.) Ferner sollte man darauf hinweisen, dass die Innenraumgestaltung beim XM nach dem Facelift ein echter stilbruch im Vergleich zum Außendesign war. Sowasblieb den andern Modellen erspart. MFG
19. Oktober 200520 J. Die CX-Diesel waren von Anfang an immer die schnellsten verfügbaren Diesel-PKW. Ja, auch der aus heutiger Sicht unendlich kreuzlahme 2200D. Sie waren selten die auf dem Papier stärksten, aber immer die schnellsten. Erst ein paar Jahre nach Erscheinen des TD2 gab's dann woanders Diesel, die tatsächlich besser gingen als dieser.
19. Oktober 200520 J. Ersteller Die ersten V6 24V XMs in Vegagrün gabs wahlweise auch mit grauem Alcantara. Ob es Aufpreis gekostet hat oder nicht (im Vergleich zu Leder), das weiß ich nicht. War schon mal Thema: http://forum.acc-intern.de/showtopic.php?threadid=17505&time= Langer Radstand kam später, deswegen ging ich nicht im Detail drauf ein. Dann würden auch u.a. die schwenkbaren Fernscheinwerfer bei der DS ab 67 fehlen oder der Wechseln von LHS auf LHM und und und... Wer soll denn das alles lesen? ;-) Gruß
19. Oktober 200520 J. Der SM hat eine Heckklappe, UND eine feststehende Bank. Das ist lustig. Der CX hat mindestens hinten nicht sooo viel mehr Platz als der SM, glaube mir. Carsten
19. Oktober 200520 J. Hallo! Hast mich überzeugt: es gibt XM mit Alcantara bzw. besser gesagt mit einer Alcantara/Leder-Kombination. MFG
20. Oktober 200520 J. Alcantara und Leder in Kombination war Y4. Alcantara pur gab es auf jeden Fall im Y3 V6.24 Pallas ohne Aufpreis als Alternative zum aufpreisfreien Leder.
21. Oktober 200520 J. ACCM Oliver Weiß postete C6....Zusammenfassung: außen Retro, innen viel C5, technisch nur “Hydractive IV†(heißt das so?) als Neuerung = der am meisten 08/15-artige große Citroen, aber immerhin startet er von Anfang an als großer Citroen. Ein Blender, zu dem es noch nichtmal zum Blender reicht. Dürfte maximal 15% über den Preisen eines vergleichbaren C5 liegen.
21. Oktober 200520 J. Betr. 006: Y3s mit Vollalcantara gabs schon, Ich hab eins gehabt! Vert Triton/Alcantara Grau. Schöön! Betr. Zusammenfassung: Der C6 ist noch lange kein "Grande Berline" wie damals... Die nach innen gewölbte Heckscheibe + diversen anderen CX-änlichen Designfeatures kann nicht tarnen, dass C6 eigentlich nur ein etwas aufgequollener C5 ist. DS, CX und SM war mal, und die Zeiten kommen wohl (leider!) nie wieder. Ich bin noch seeeehr gespannt wie der sich fährt. Übrigens: Zur Zeit fahre Ich oft einen nagelneuen C5 HDi Exclusiv Kombi mit 6Gang, 135 PS, Voll ausser Leder und Navi. Warum das nu, wenn Ich einen CX habe? Einfach: Der C5 gehört Henriksen Senior - der bei jeder Gelegenheit Juniors 1er Prestige klaut. Die alten Citroholiker wollen also auch die guten, alten Citröne wieder! :-) Und watndathiernu: "...den Federungskomfort empfinde ich im CX im Vergleich zur DS als schlechter [...] aber dann zog der CX auch ohne Turbo in die Kategorie “großer Citroen” würdig ein." Also da bin ich nicht einig! Als ehemaliger DS21 Pallas-Fahrer wage Ich zu behaupten, das einen gut gepflegten CX besser fährt/federt. Aber der DS ist eleganter/extravaganter/arroganter...
21. Oktober 200520 J. Das wundert mich nicht! Bloß bei der Parkplatzsuche in der Hamburger Innenstadt ist ein Prestige etwas unpraktisch - egal ob Serie I oder II. Gruß Jörg ____ CX GTi 2400 1982 BX 16 Top 1992
21. Oktober 200520 J. "...dass C6 eigentlich nur ein etwas aufgequollener C5 ist..." Genau, und der CX ein aufgequollener GS ;-)) So ist das halt, deswegen ist der einzige und auch würdige wahre Nachfolger der DS und einzige letzte große Citroen der XM! ;-)) Denn der ist kein aufgequollenes Etwas.... ;-) lg tom Achtung: ;-)
21. Oktober 200520 J. Der XM IST ein dicker BX. Ich sag nur, Mengenteiler, Vorderachse, Hinterachse, Interieur, eckiges Design...Plasteteile, Klappern + Knarren überall. Ist auch logisch. Der BX war ein Millionseller, der XM .... hätte werden sollen aber es ging daneben. carsten
21. Oktober 200520 J. Hi Carsten, kennst Du Buzzword-Bingo? Ich werde jetzt Serien-Sieger :-)) >>Grüße, Jürgen Edith: ? Käthe: Direktlink für IT-ler: http://www.heise.de/bin/bbingo.pl
21. Oktober 200520 J. Carsten Bussmann posteteDer XM IST ein dicker BX. Ich sag nur, Mengenteiler, Vorderachse, Hinterachse, Interieur, eckiges Design...Plasteteile, Klappern + Knarren überall. Ist auch logisch. Der BX war ein Millionseller, der XM .... hätte werden sollen aber es ging daneben. carsten Die Vorderachse hat nur das McPherson Prinzip und den Schwimmsattel gemeinsam, die Hinterachse des XM ist aus dem CX.
22. Oktober 200520 J. Peter M. posteteDie CX-Diesel waren von Anfang an immer die schnellsten verfügbaren Diesel-PKW. Ja, auch der aus heutiger Sicht unendlich kreuzlahme 2200D. Sie waren selten die auf dem Papier stärksten, aber immer die schnellsten. Erst ein paar Jahre nach Erscheinen des TD2 gab's dann woanders Diesel, die tatsächlich besser gingen als dieser. Der CX 2200 D war 1976 nur der zweitschnellste Diesel. Seine 66 PS ließen die Landschaft mit 140 km/h am CX vorbeifliegen, von 0 auf 100 gings in 22,3 Sekunden. Aber der schwäbische 240D 3.0 war stärker. 80 PS ermöglichten wahnwitzige 150 km/h und 17,7 Sekunden von 0 auf 100. Ich finde, der AX war ein großer Citroen (Meine ich das jetzt ernst?) Gruß Markus
22. Oktober 200520 J. Carsten Bussmann postete...Plasteteile, Klappern + Knarren überall. Mist. Mein XM muss kaputt sein. Kann mir bitte jemand helfen? Mein XM klappert und knarrt nicht. (
22. Oktober 200520 J. Daten des Peugeot 504 GL Diesel: 65 PS Höchstgeschwindigkeit 135,4 km/h 0 auf 100 27,5 Sekunden
22. Oktober 200520 J. Hallo! Den Peugeot 504 gab es mit 3 verschiedene Dieselmotoren: 1,9 (54 PS); 2,1 (59 PS) und 2,3 (65/70 PS). Den 2,3l gab es aber 1976 noch nicht. 1976 hatte der stärkste 504 D 59 PS. Der 2,1l-Diesel wurde übrigens auch an Opel für den Einsatz im Record geliefert. Komisch: wenn es um die stärksten schnellsten Diesel Mitte der 70er geht, schaut man sich nur in Europa um.... Ab 1977 gab es z.B. den Oldsmobile 88 als 5,7 diesel mit 125 PS. MFG
22. Oktober 200520 J. Hier habe ich etwas Schönes für Euch gelesen (FRankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). Der C6 im Lichte der DS blickt nicht mehr nach vorn, so die Hauptaussage, hoffentlich klappt der Link: http://www.faz.net/s/Rub2F5E2A09D56442239A843519D55ABE3B/Doc~E5C53251A4BB54B6D89BA74BD7B25472E~ATpl~Ecommon~Scontent.html Gut geschrieben, finde ich, und gar nicht mal falsch.
22. Oktober 200520 J. "Die Zeichen haben sich gewendet. Die DS war Zukunftseuphorie auf Rädern, der C6 ist ein eleganter Kokon für die alternde Gesellschaft. Statt Weltraumästhetik gibt es Wohnzimmeratmosphäre...." ... aber mit geradezu rebellisch unpraktischen CX-Gimmicks wie den kleinen Designer-Türfächern. Immerhin versöhnt die Teak-Anmutung mit der Gesamterscheinung des Innenraums. hs
22. Oktober 200520 J. Ja, sehr treffend. Besonders hübsch böse finde ich mit Bezug zum AFIL-System im C6 und im Vergleich zur DS den Satz: "Statt Freude am Aufbruch Angst vor dem Einschlafen!" J.
22. Oktober 200520 J. Der FAZ-Artikel ist klasse; das beste, was ich seit langem zu einem Auto gelesen habe. Er ersetzt für mich grandios den langen C6-Thread hier im Technologie-Forum. (Das sage ich allerdings mit der Einschränkung, dass ich den C6 nur von Fotos kenne.) Gruß, Fluxus
Erstelle ein Konto, um zu kommentieren