Karfreitag, 30. März 2018, werden 18 Menschen getötet, ca. 1500 verletzt, 773 oder mehr durch Schussverletzung.
15000 bis 30000 unbewaffnete Demonstranten hatten sich aus Gaza Richtung Israel auf den Weg gemacht und dem Zaun, der Mauer, die Israel um Gaza gezogen hat, genähert, als sie von 100 Scharfschützen der israelischen Armee, hinter einem Erdwall in Sicherheit postiert, zusammengeschossen werden.
https://www.rubikon.news/artikel/schluss-mit-kafighaltung
https://www.rubikon.news/artikel/875-kolonialismus-2-0
https://www.rubikon.news/artikel/israels-botschafter-ausweisen
Ergänzend,:
Jude, Zionist und Israeli sind klar zu differenzieren. Als am 15. Mai 1948 Israel gegründet wurde, waren die Grenzen durchs Völkerbundsmandat 1922 und den UN Teilungsplan für Palästina 1947 legitimiert, 20900 qkm, etwa die Größe von Hessen. Durch die Annexion der Golanhöhen 1981 und weitere besetzte Gebiete sind‘s knapp 30000 qkm heute. Von den ehemaligen europäischen Kolonialmächten, die den Juden einen eigenen Staat zubilligten, hauptsächlich England (britisches Mandatsgebiet – wie schön), waren vorher auch Uganda und Madagaskar in Erwähnung gezogen worden. "Man" brauchte aber auch einen westlich europäischen Puffer zwischen den reichen Erdölanrainern - noch viel schöner.
1948 wurden dann 800.000 der palästinensischen Einwohner aus ihren Häusern, Dörfern, Städten vertrieben, meist gewaltsam. In ihren Häusern blieben Möbel, Geschirr, Wäsche zurück, da sie oft nur das, was sie tragen konnten, mitnehmen durften. Die Besatzer gingen rücksichtslos und brutal vor, so wurde z. B. Menachem Begin, ehemaliger Ministerpräsi und Außenminister, von den Briten steckbrieflich als Terrorist gesucht: Wegen Sprengstoffanschlägen und dem Massaker von Deir Yasin vom 9. April 1948; die „Umsiedlung“ verlief somit alles andere als friedlich.
1948 lebten anschließend 806.000 Menschen in Israel und inzwischen hat es 8,3 Millionen Einwohner, davon 6,1 Juden und 1,7 Millionen Araber. In den besetzten Gebieten lebten ursprünglich 2810 Menschen, heute 484.000.
Zum klaren Verständnis: Kolonialismus heißt, ein Gebiet zu besetzen und auszubeuten; wir kennen das gut, denn der weiße europäische Mann beherrscht(e) das prächtig. Wesentlich übler ist darüber hinaus der Siedlungskolonialismus; das heißt, ein Land zu besetzen und die Menschen gewaltsam zu vertreiben. Das ist in Israel der Zionismus. Während der Nazizeit gab es ein Abkommen zwischen Nazis und Zionisten, das es den Juden ermöglichte, über eine Bank, Art Treuhand, ihren Besitz zu verkaufen (das Geld zu behalten), um dann auszureisen (Ha’avara Abkommen, galt bis etwa 1942). Etliche machten Gebrauch davon, doch viele wollten nicht aus Deutschland weg, um in die „Wüste“ zu ziehen.
Nichtjuden in Israel sind Menschen zweiter Klasse. Selbst die Juden aus (Nord)Afrika waren nicht erwünscht (so Ben Gurion, dem es auch u. a. wichtiger war, „Israel zu gründen, als alle deutschen Juden zu retten“).
Im Januar 2017 wurde der 18 jährige israelische Soldat Elor Azaria für die Liquidation per Kopfschuss an einem verletzt auf dem Boden liegenden palästinensischen Attentäter zu 18 Monaten Haft verurteilt. Sehr fair, diese Lynchjustiz. Und nur, weil die Tat überhaupt erst per Handy publik gemacht wurde, ansonsten wäre sie wahrscheinlich verschwiegen worden. Ein Palästinenser ist (was die Stimmung im Land angeht) nicht viel wert, soll damit ausgedrückt werden.
Gaza ist ein riesiges, viel zu enges Flüchtlingslager, in dem inzwischen die vierte Generation perspektivloser junger Palästinenser heranwächst. Ohne Arbeit, ohne Anerkennung, ständiger Kontrolle und Überwachung ausgesetzt, in ärmlichsten wirtschaftlichen Verhältnissen. Der arabisch israelische Konflikt fußt auf diesen Tatsachen und die rassistische, fast schon faschistisch zu nennende Eilte, ist nicht bereit, die Gleichberechtigung der palästinensischen Bevölkerung anzuerkennen, was jeglichen Konfliktstoff beseitigen würde und das dumme Gefasel einer Zweistaatenlösung ad absurdum führte.
Die ethnische Säuberung Palästinas hat „Nakba“ (arabisch für Katastrophe oder Unglück) als Bezeichnung für dieses erlittene Unrecht zum Begriff werden lassen. Ausstellungen dazu wurden in Deutschland mehrfach abgelehnt, denn die Israellobby hat mächtige Befürworter, die z. B. über den Zentralrat der Juden, Meinungsbildung betreiben. Deutsche Politiker akzeptieren andauerndes Unrecht aufgrund dieser Meinungsmache. Viele Israelis und noch mehr nichtisraelische Juden sind hingegen über diese menschenverachtende Politik (illegale Siedlungen, antidemokratische Unterdrückung) empört. Es wandern inzwischen mehr Israelis aus, als Neubürger hinzukommen. In Deutschland gibt es keinen (schon gar nicht: besonderen) Antisemitismus, auch wenn das immer wieder gerne behauptet wird; die in Deutschland lebenden Juden fühlen sich hier sehr wohl.
Es wird, da der 70. Geburtstag der Nakba ansteht, wahrscheinlich zu weiteren häßlichen Ausschreitungen kommen.
Eigentlich unnötig, aber mir wichtig, auf das Versagen der deutschen Medien hinsichtlich einseitig israelfreundlicher Berichterstattung hinzuweisen. Wer mehr Interesse hat, mag
Abraham Melzer „Die Antisemitenmacher“ lesen, 2017 erschienen.
Gruß
Wolfgang