Mit dem, was unsere §57a - Prüfer an meinem 12er schon alles zu bemängeln wussten, könnte beinahe ein ganzer Kabarettabend gefüllt werden: Fehlende Silentgummis an jeder der 4 Federstangen-Bolzenaugen(!), die "Gartensitze", die Position der hinteren Blinker (an der C- Säule), die beiden hinteren 400er- Felgen haben 3mm Seitenschlag, Abgasanlage: Abgasführung nach hinten direkt hinter dem Quertopf abgebrochen(!!!), leichtes Spiel des Achsschenkels sowieso usw. . Jedes ein schwerer Mangel, der ein positives Gutachten verunmöglicht. Ich habe dann den ganzen Schwachsinn unter Beiziehung von Typenschein (Einzeichnungen), Teilekatalog, Fotos etc. peu a peu entkräften müssen, zuletzt hielt er noch telefonische Rückfrage in Wien, bis zu welcher Höhe Blinker lt. StVO montiert sein dürfen und wie weit die vorderen Blinker vom äußeren Kotflügelrand nach innen gerückt sein dürfen. Dann wirbelte er mit dem Zollstock ums Auto und der letzte Verweigerungsgrund, an den er sich bis zuletzt noch klammern konnte, zerrann ihm unter den Fingern wie Schnee in der Frühlingssonne.
Mein 12er war ihm offenbar bereits schon ganz am Anfang zum Feindbild geworden, als er sich zum ersten Mal hineinsetzte und starten wollte. Er hätte mir den Zündschlüssel auch glatt abgedreht, wenn ich nicht laut "Stopp!" geschrien und ihm den Startvorgang mit dem Zugstarter erklärt hätte. Klar, der Junge hatte ja auf VW gelernt und war dort auf "ordentliche deutsche Wertarbeit" geeicht worden.
Nach erfolgreicher Abnahme durch die Landesregierung hat mein 12er den Oldtimerstatus zuerkannt bekommen. Selbst wenn die Trommelbremse 100 Dezibel quietschen sollte, der Auspuff ölgeschwängert qualmen, der Achsschenkel wie ein Lämmerschwanz wackeln oder die Bremsen schräg ziehen sollten: Mit der Eintragung "historisch wertvolles Fahrzeug" erhält er nun beinahe automatisch Dispens und Absolution und erfüllt damit die Bedingung für eine erneute Auszeichnung mit der §57a- Plakette.
lg ...hannes