"Die Vorteile sind eben das alle Fahrzeuge sauberer werden" - ja, unter der Voraussetzung, dass die Energie vollständig aus erneuerbaren Quellen kommt. Und das ist einfach mein Hauptkritikpunkt, warum das aus meiner Sicht im Fahrzeug keinen Sinn macht (für andere Anwendungen sehe ich durchaus Potenzial für Power-to-X). Der direkte Energieeinsatz ist um ein Vielfaches höher, als beim Batterieauto. Alle jene, die dem Elektroauto vorhalten, dass nicht ausreichend erneuerbare Energie zur Verfügung stünde, sind in der Regel dieselben, die Wasserstoff und Power-to-X als Patentlösung für die Emissionsproblematik sehen. Dabei ist bei all diesen Verfahren der Energiebedarf wesentlich höher.
Und was ich dabei außerdem problematisch sehe: Der Anreiz rasch auf ein erneuerbares Gesamtsystem umzusteigen, tendiert mit diesem Verfahren gegen Null. Da wird man sich die nächsten Jahrzehnte damit begnügen halt ein paar Prozent E-Fuel beizumengen und der Rest bleibt gleich dreckig wie bisher. Der E-Antrieb ist hier wesentlich konsequenter, umfassender und nachhaltiger - vor allem da er sich auch besser in die Energiewende integrieren lässt (Netzstabilisierung, Mikronetze, eigene Energieerzeugung zuhause etc.) und die vorhandenen erneuerbaren Energiequellen effizienter und unmittelbarer nutzen kann.
Bezüglich Rohstoffe vermischst du aber die notwendigen Rohstoffe für die Fahrzeugproduktion und jene für die Antriebsenergie. Strom wird selten aus Afrika, Asien oder Amerika importiert, sondern steuert ebenfalls zur heimischen/europäischen Wertschöpfung bei. Dass für die Fahrzeugproduktion auch Rohstoffe auch aus anderen Ländern benötigt werden, ist beim Elektroauto unwesentlich anders als beim Verbrenner - aber einmal abgebaut können diese Rohstoffe dann auch hier in Europa wiederverwertet werden.
Auch bezüglich Technologie und Arbeitsplätze stimmt es nicht - in Kärnten investiert der Halbleiterhersteller Infineon 1,6 Mrd. Euro - vorrangig für die Steuerung von Elektromotoren. Also erstmal werden neue hochqualifizierte Arbeitsplätze bei uns geschaffen. Der E-Antrieb ist in der Tat "primitiv" - aber im Sinne von simpel und zuverlässig.
Alles in allem sind E-Fuels für mich zum jetzigen Wissensstand keine Lösung, sondern schieben das Emissionsproblem um weitere Jahrzehnte hinaus und dienen als bequeme Möglichkeit weiter Energieeinsparung und Klimaschutz nur auf Sparflamme zu fahren. Das ist für mich kein akzeptables Zukunftsszenario - bereits die bloße Umstellung auf E-Mobilität bei gleichbleibendem KFZ-Bestand ist nur ein Teilerfolg, weil es vorrangig um Mobilitätsreduktion und verändertes Mobilitätsverhalten gehen muss. Aber zumindest werden bei der E-Mobilität die Energiequellen optimaler genutzt und man erspart sich einen Teil der gesundheitsschädigenden Schadstoffkonzentrationen in Städten.
Wer einmal ein E-Auto in seiner Garage geladen hat und dann vielleicht sogar noch die eigene PV-Anlage am Dach hat, dem erschließt sich das angebliche Komforterlebnis an der Tanke nicht mehr. Der ist für dieses System des Tankens von Flüssigkeiten und lokales Rauspulvern von Abgasen auf alle Zeiten verloren. Jetzt les ich schon das Argument von den armen Städtern, aber selbst in Deutschland liegt die Hauseigentumsquote immerhin bei rund 45-50 Prozent aller Haushalte. Die wohl überwiegende Anzahl davon mit eigener Garage. Wenn wir mal diese Quote erreicht haben, können wir uns gerne um das angebliche Problem der Städter annehmen - aber ich verspreche dir, dieser Umstieg wird wesentlicher unaufgeregter vonstatten gehen, als die Horrorszenarien uns das ausmalen.