I Commodo phare bzw. commutateur d'eclairage/avertisseur und II Tampon Galvanik
I) Lichtschalter "Forensik" : Einer wie der Andere ?
Lichtschalter, Version der 50 Jahre: Von oben leicht zu erkennen: Runde Gewindehülsen für die drei durchgehenden Gehäuseschrauben, schwarzes Bakelit-Gehäuse mit leichtem Braunstich. Breiter Schriftzug, Winkel im Oval weiter auseinander als bei folgenden Modellen.
Lichtschalter, ab November 56 lt. 2cvco.Canalblog : Eingelegte Muttern für die drei durchgehenden Gehäuseschrauben, Kunststoffgehäuse, kleinerer Schriftzug, engere Winkel im Oval, nach oben versetzt. Meinung: Eher unpassend für altes Wellblech.
Lichtschalter, "moderne" Version, hier ein Modell der späten 70er, welches heute i.V. mit Betätigungsknopf in alter Form gerne als originalgetreue Replik oder gar als NOS ?! verkauft wird. Kurze Gehäuseschrauben, welche direkt mit dem Gehäuse der Oberschale verschraubt werden. Dieses Modell gehört nicht in eine Wellblech Ente.
Leergehäuse: Deutliche Unterschiede von unten. Das Bakelit-Gehäuse links kommt mit ovalisierter Öffnung.
Kontaktfeder-Platten von unten: Einlagiges Hartpapier der Bakelit-Version links, später doppelt ausgeführt. Mechanisch aber zueinander kompatibel. Die letzte Version kommt mit Kreuzschlitzschrauben und i.d.R. fehlendem Kontakt für die zweite Hupe. Die Platte der Bakelit-Version und deren Schrauben sind schon mit Fertan behandelt.
Auch montiert offensichtlich : Die Achse der Bakelit Version ist ganze 14mm länger als die der folgenden Versionen. Deren Enden laufen zudem konisch aus. Sobald man das weiß, wirkt der falsche Lichtschalter im Wellblech nur noch wie ein kurzer Stummel . Übrigens: Die Achsen sind bereits beschliffen. Die Kontaktwalzen wurden mit Dremel und Messingbürste poliert. Es gibt auch noch andere, nicht offensichtliche Unterschiede, wie die Stahlstift Fixierung der Bakelit-Gehäuse, die Form des in der Achse eingelassenen Kunststoff-Stempels für den Hupkontakt und unterschiedliche Ausprägungen der Innenschalen. Selbst der Kopf-Durchmesser der Befestigungsschellen-Schraube ist bei jüngeren Versionen geschrumpft und die gegossene Flügelmutter eingespart worden.
Nachdem man diese Unterschiede kennt, wird es Zeit, den fürs Wellblech passenden Lichtschalter zu besorgen. Natürlich will ein echter Wellblech-Stalinist schnödes Plastik gegen Bakelit tauschen.
Dieses aber, ist oft nur in optisch schlechtem Zustand zu finden. Sieht aber schlimmer aus, als es ist. Denn:
Kontaktflächen mit dem Dremel polieren, Metallteile mit Fertan entrosten, die Klammerhälften mit Rundholz richten und mit Modellbaulack austupfen, kennt man. Kann man. Auch Farbreste zu entfernen und das Bakelit abschliessend mit Öl zu polieren, stellt keine Herausforderung dar. In der Summe leichtgängige Kleinteil-Aufbereitung, die man auch abends vorm TV erledigen kann. Tolerante Partnerin oder deren Abwesenheit vorausgesetzt ;-) Die Schalter-Achse kann man, wie üblich, beschleifen, klar lackieren oder mit Silberlack versehen. Die erste Variante macht aber nicht lange Spaß und die zweite sieht unnatürlich aus. Daher wird es Zeit, etwas Neues auszuprobieren::
II Tampon-Galvanik oder Stift-Galvanik
Auf Youtube, auch in deutscher Sprache, finden sich viele Videos, die diese unaufwändige und saubere Alternative zur Badgalvanik erklären. Ideal, um die Oberfläche von Kleinteilen, wie unsere Lichtschalterstange oder Schraubenköpfe zu veredeln.
II A Materialien
Diese Materialien werden benötigt. D.h. Nickelelektrolyt wurde bei dem hier vorgestellten Versuch nicht eingesetzt. Die rosa wirkende Flüssigkeit in unbeschrifteter Flasche soll laut Anbieter Goldelektrolyt sein. Es wurde bei allen Elektrolyten der günstigste, deutsche Anbieter ausgesucht. Ob dies auch in qualitativer Hinsicht eine gute Idee war, ist auch nach dem Experiment nicht klar. Übrigens: Man kann auch mit sehr viel kleinere Mengen anfangen, denn der Verbrauch ist geringer als erwartet. Desweiteren wird Aqua Dest (destilliertes Wasser) benötigt, welches man in eine Sprühflasche einführen sollte. Achtung : Obwohl diese Elektrolyte auch im Einsatz, weder spritzen, dampfen, noch auffällig stark riechen, oder das Tischtuch zersetzen, sollte man im Umgang stets Handschuhe und Schutzbrille tragen.
Die Graphit-Elektrode kommt oft mit dem Galvanisier Stift zusammen, die Nickel-Elektrode (8mm Rundstab) muß man extra kaufen. Die Tampons, von denen pro Elektrolyt einer benötigt wird, werden mit Aqua Dest stark angefeuchtet und über die jeweilige Elektrode gezogen. Als Stromversorgung funktionierte in diesem Experiment ein 0-15V /2A Netzteil, wie es billig und oft auf den Auktionsplattformen angeboten wird. Präzision oder perfekte Regelung sind nicht erforderlich. Weiterhin wird pro Elektrolyt ein Becher zum Eintauchen des Tampons benötigt und zwei Mikrofasertücher zum Reinigen der Elektrode bei Elektrolyt-Wechsel und zur Feinpolitur des Werkstücks. Hilfreich ist eine Einwegspritze mit der dem Chrom-Elektrolyt etwas Salzsäure zur Aufhellung zugeführt wird.
II B Versuch
1. Werkstück beschleifen. Der perfekte Beschliff der (bereits entrosteten) Achse ist wichtig, da die Oberfläche durch das Galvanisieren nicht verbessert wird, bzw.Fehlstellen nicht ausgeglichen werden. Sind vor dem Behandeln noch Rosteinschlüsse zu sehen, bleiben diese als schwarze Punkte sichtbar. Das ist kein Farbauftrag.
2. Werkstück entfetten. Hier mit Isopropanol (reiner Alkohol) geschehen. Im Internet werden zusätzlich oft sog. Aktivatoren empfohlen, worauf hier verzichtet wurde. Anschliessend wurde die Achse mit Aqua Dest abgewischt und nicht getrocknet.
3. Werkstück an die Kathode (Minuspol) anschliessen. Die Kroko-Klemme wird am Ende angeschlossen, im Bereich der Aufnahme des Betätigigungsknopfs.
4. Gold-Elektrolyt mit Graphit-Elektrode : Netzteil Einstellung 6V, keine Strombegrenzung. Der mit Aqua Dest bereits befeuchtete Tampon-Stab wird in das Gold Elektrolyt (rosa) getaucht und langsam und mehrfach über die Achse gestrichen. Ist alles korrekt gelaufen, sieht man am Netzgerät oder Amperemeter, das jetzt ein Strom von 50-300mA fliesst und die Achse eine Art Messing Farbton annimmt. Übrigens: Der Galvanisierstab wurde im Versuch nicht am Stab angefasst, sondern direkt mit der Tampon Spitze mit sanftem Druck geführt. Da das teure Gold Elektrolyt nur als Trägerschicht dient, wurde hier nicht versucht, eine schmuckähnliche Beschichtung zu erzielen. Ein heller, gleichmäßiger Überzug genügte. Anschliessend wurde sorgfältig mit Aqua Dest spülen, um eine Vermischung mit dem folgenden Chrom-Elektrolyt zu vermeiden.
5. Chrom-Elektrolyt mit Nickel-Elektrode : Netzteil Einstellung, zunächst 3.3 V, keine Strombegrenzung. Der mit Aqua Dest bereits befeuchtete Tampon-Stab wird in das mit Chrom Elektrolyt (dunkelgrau) getaucht und langsam und mehrfach über die Achse gestrichen. Ist alles korrekt gelaufen, sieht man am Netzgerät oder Amperemeter, das jetzt ein Strom von ca. 400mA-1300mA fliesst und die leicht messingfarbene Achse einen silbernen Farbton annimmt. Im Versuch wurde dem Chrom Elektrolyt 4% der oben abgebildeten Salzsäure hinzugefügt, was für eine Aufhellung sorgen soll. Achtung: Selbst wenn hier angegebene Spannungs- und Stromwerte nicht absolut zu betrachten sind, da diese abhängig vom Elektrolyt, Anodenmaterial und Werkstück variieren können : Wählt man eine zu hohe Spannung, wird der Chromauftrag sehr dunkel, daher sollte man mit kleiner Spannung anfangen. Die gute Nachricht: Man kann das Ergebnis durch erneutes, geduldiges Bestreichen wieder korrigieren. Das Verfahren kann man mit 2-Cent Münze und Chrom-Elektrolyt vorher testen, oder aber auch mit Achsen "moderner" Lichtschalter.
Hier ein mißglückter Erstversuch:
Mit Fertan entrostet, beschliffen und anschliessend mit Gold Elektrolyt versehen. Der Beschliff ist unzureichend, hier braucht man nicht mit Chrom-Elektrolyt weiter zu machen oder weiter Gold-Elektrolyt zu verschwenden. Überhaupt war es keine gute Idee, die Achse nicht aus der Kontakt Trommel zu entfernen. Dabei ist das so einfach: Splint rückwärtig entfernen, Kunststoffstift ziehen und darauf achten, dass die in der Achse geführte Feder nicht verloren geht. Anschliessend erneut entfetten und dieses Mal ordentlich beschleifen, bis zu 1000er Nass, lunkerfrei.
II C Ergebnis:
Weit entfernt von Perfektion: Auch wenn man von Erstversuchen keine Wunder erwarten darf, gleicht der erzielte Chrom Glanz mit dem verwendetem Chrom III Elektrolyt mit Tampon Galvanik keineswegs den Resultaten, die ein professioneller Betrieb mit Chrom VI Elektrolyten, Bad-Galvanik und aufwändiger Vorbereitung erzielt. Neuware entsteht so nicht. Allerdings: Selbst wenn begabte Bastler bessere Resultate erzielen werden und der hier vorgestellte Versuch mit Sicherheit nicht perfekte Arbeitsabläufe und Materialien aufzeigt, so ist der Vorher / Nachher Erfolg angesichts laienhafter Durchführung dennoch beachtlich.
Passt jetzt insgesamt zur 55er AZ des Autors: Angejahrt, aber nicht moribund ;-)
Vorsorglich: Vorstehender Text und dessen Bebilderung versteht sich ausdrücklich nicht als Anleitung, sondern als Beschreibung eines Experiments, welches durch einen Laien ohne Sachkenntnis durchgeführt wurde. Der Autor übernimmt keine Haftung für gesundheitliche und materielle Schäden, die durch Nachstellen dieses Versuches entstehen können.
Die Abbildung der Elektrolyte und anderer Materialien ist ausdrücklich nicht als Kaufempfehlung bestimmter Produkte zu verstehen, denn der Kauf erfolgte eher zufällig. Gute Informationen zum Thema Stift- oder Tampongalvanik finden sich auf Youtube.
PS: Bitte in diesem Thread keine weiteren Kommentare zum Thema Ausdruck und Rechtschreibung. Sollte es in dieser Hinsicht Probleme geben, bitte ich stattdessen um eine Private Nachricht.