Ich gebe zu, nicht alle 82 Seiten gelesen zu haben, möchte in Ergänzung dieses Eintrags ...
... aber noch etwas hinzufügen. Meinetwegen steinigt mich danach, aber jetzt musste es einfach mal sein.
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Anfangs waren SUV (bzw. deren Vorläufer) noch Exoten: Recht selten sah man mal einen Range Rover oder einen Mercedes G. Damals hatte man noch den Eindruck, die Geländefähigkeit dieser Autos würde gelegentlich auch genutzt werden.
Als reine Straßenfahrzeuge sind SUV inzwischen zu einer Massenerscheinung geworden. 2017 stellten sie in Deutschland bereits 15 % aller Neuzulassungen; Tendenz mit +23 % rasant steigend (in der EU sind es knapp 30, in den USA 40 %). Das Handelsblatt schrieb im Mai 2018: „Erstmals dürften die ertragsstarken SUVs weltweit mehr als 50 Prozent der gesamten Fahrzeugverkäufe ausmachen.“
In Massen auftretend, wurden SUV nicht nur zum Ärgernis…
… z.B. wenn sie sich auf Parkplätzen in viel zu enge Lücken quetschen, manchmal den Platz für zwei Autos blockieren oder anderen die Sicht versperren. … sondern auch zur Gefahr
Wer ein kleineres Auto fährt, muss fürchten, bei einem Zusammenstoß mit einem SUV zerquetscht zu werden. Das liegt nicht nur am Gewichtsunterschied: Während die Knautschzonen von Oberklasselimousinen auch kleineren Unfallgegnern beim Abbau der Aufprallenergie helfen, sind SUV und Kleinwagen in dieser Hinsicht wegen unterschiedlicher Fahrzeughöhen inkompatibel. Für die Insassen kleiner Autos bedeutet das eine tödliche Gefahr.
Auch für Motorradfahrer sind Kollisionen mit SUV besonders gefährlich: Über einen Kompaktwagen werden sie bei einem Crash mit etwas Glück noch hinweggeschleudert; kollidieren sie hingegen mit einem großen SUV, so schlagen sie quasi auf eine fahrende Wand auf.
Die Rückkehr der Oldtimer
Vorkriegs-Oldtimer (bis ca. 1935) weisen typische Gemeinsamkeiten auf:
große Bodenfreiheit
hohes Dach (daher große Seitenwindempfindlichkeit)
großer Luftwiderstand
hoher Schwerpunkt (daher verglichen mit neueren Autos größere Neigung zum Fahrzeugüberschlag)
hohes Fahrzeuggewicht
Generationen von Ingenieuren hatten über Jahrzehnte an Verbesserungen getüftelt. Autos wurden sicherer, komfortabler und wirtschaftlicher u.a. dank
kleinerer Bodenfreiheit
niedrigerem Dach
kleinerem Luftwiderstand
niedrigerem Schwerpunkt
geringerem Gewicht
Und was sind nun die Besonderheiten von SUV?
große Bodenfreiheit
hohes Dach
großer Luftwiderstand
hoher Schwerpunkt
hohes Fahrzeuggewicht
Trotz aktueller Technik (Motor, Fahrwerk und Elektronik) bringen diese Fahrzeuge viele konzeptbedingte Nachteile aus der Frühzeit des Automobils zurück. SUV sind Oldtimer in modernem Gewand!
Wer kauft eigentlich SUV? Und warum?
Fragt man SUV-Fahrern nach den Gründen für ihre Entscheidung, erhält man meist Antworten wie diese:
Die Limousine meiner Lieblingsmarke gefällt mir sehr gut vom Interieur und Platz ist auch mehr als ausreichend… Meine Frau möchte aber unbedingt einen SUV fahren, aus diesem Grund tendiere ich jetzt auch dazu.
Die Limousine war mir eher ein "Alte-Leute-Fahrzeug". Ich bin 33 Jahre alt - als Info - Mit einem SUV habe ich schon lange geliebäugelt. Daher fiel die Entscheidung dann am Ende auch auf den SUV.
(Diese Antworten wurden einem Autoforum entnommen und neutralisiert.)
Natürlich haben die Käufer Probefahrten gemacht. Dabei gefielen besonders die hohe Sitzposition und die gute Übersicht; über dem Verkehr thronend, fühlt der Fahrer sich sicher.
Und dann – setzt das Denken aus!
Auch zweifellos hochintelligente Menschen versäumen es, Werbeaussagen kritisch zu hinterfragen. So trifft man häufig auf Leichtgläubigkeit: „Der Verkäufer hat mir versichert, dass der SUV dank des technischen Fortschritts kaum mehr verbraucht als der entsprechende Kombi desselben Herstellers.“
Technische Daten und objektive Fakten (wie Verbrauch, CO2-Ausstoß oder Überschlagsrisiko) spielen bei der Kaufentscheidung keinerlei Rolle.
Selbst unmittelbar einleuchtende Einwände bleiben aus: Denn so wie ein Hochrad sich kippeliger als ein modernes Fahrrad fährt, so kann auch der hohe Schwerpunkt eines SUV nicht ohne Auswirkungen auf die Straßenlage bleiben.
Manche SUV-Fahrer räumen zwar konzeptbedingte Nachteile ein, begründen ihre Entscheidung aber mit offensichtlichen Ausflüchten. Sehr beliebt:
„Ich habe Rücken!“
Doch wem der Einstieg in ein herkömmliches Auto schwerfällt, der hat körperliche Probleme, die dringender wirksamer Behandlung bedürfen und mit dem Kauf eines SUV gewiss nicht zu beheben sind.
„Ich muss ein schweres Boot über die Autobahn zum Liegeplatz ziehen.“
Womit haben die Yachtbesitzer dies bloß in den vergangenen Jahrzehnten gemacht? Tatsächlich taugt ein hinreichend großes, herkömmliches Auto (seit einiger Zeit häufig auch mit Vierradantrieb erhältlich) als Zugfahrzeug wegen des niedrigeren Schwerpunkts meist sogar besser.
Auch nach dem Kauf sind die meisten SUV-Fahrer mit ihren Fahrzeugen sehr zufrieden und würden wieder so entscheiden. Von Nachteilen wissen sie nichts oder leugnen diese.
SUV-Fahrer, die ihre Entscheidung mit rationalen Gründen nachvollziehbar erklären können, scheint es nicht zu geben. Das Problem ist wohl ein anderes: Zwischen der Idee, einen SUV zu erwerben, und dem tatsächlichen Kauf fehlt ein Anreiz, auf den Entscheidungsvorgang Intelligenz anzuwenden. Der Interessent muss seine Wahl ja gar nicht begründen; es steht ihm frei, einfach seinem Kaufimpuls zu folgen, und dabei entscheidet er allein „nach Gefühl“. Die meisten objektiven Nachteile werden für ihn nie spürbar werden (z.B. die Sprit- oder Reifenkosten, wenn es sich um einen Dienstwagen handelt) oder würden sich nur bei einem Verkehrsunfall auswirken (wenn dieser mit einem herkömmlichen Fahrzeug aufgrund des geringeren Überschlagsrisikos glimpflicher verlaufen wäre).
Wären SUV in der Summe aller Kosten viel teurer (etwa durch eine Strafsteuer) oder würde es rechtliche Beschränkungen geben (könnte sich also nicht mehr jeder Stadtbewohner ohne stichhaltige Begründung ein geländegängiges Auto kaufen), dann wäre ein Anlass da, in sich zu gehen und die Sinnhaftigkeit einer solchen Entscheidung zu hinterfragen. Gleiches gälte, wenn SUV-Fahren nicht chic wäre (was auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen hindeutet), sondern wenn es den meisten Menschen zutiefst peinlich wäre, in einem SUV gesehen zu werden - weil sie dann als unmündige Konsumenten gelten würden, die sich halt nicht informiert haben.