So wie sich das liest, bist Du Flachlandfahrer, oder nur auf Autobahnen unterwegs oder beides.
Ich habe am vergangenen Wochenende insgesammt gut 700km in bergiger Topografie zurueckgelegt. Die, die mir dabei auf den Keks gingen, waren die, die nicht heruntergeschaltet haben. Vor allem das Kolonnenfahren, etwa zu beiden Seiten des Autoverlads Kandersteg - Goppenstein, oder umgekehrt, wird im Gefaelle wesentlich entspannter, wenn man die Motorbremse nutzt, und noch entspannter, wenns zumindest alle in etwa gleich machen. Mit Automatik oder nicht hat das in dem Fall wenig zu tun, sondern vielmehr damit, dass so gleichmaessiger gefahren wird.
Bei den Gefaellen, von denen ich rede, kommt man nicht mehr auf die Idee zu segeln, sondern man ist froh, wenn man weniger bremsen muss.
Da ist es eben von Vorteil, wenn alle ungefaehr im gleichen Gang unterwegs sind. Und die Tatsache, dass im zweiten oder dritten Gang dann haeufig nicht mehr die Geschwindigkeitslimite ausgenutzt wird, ist nicht so wichtig, wenn man ohnehin spaetestens alle 200m auf die Bremse steigt, weil die Spitzkehren ohnehin nicht wesentlich schneller als mit 40 oder 50km/h zu machen sind, und gerade in der Kolonne immer auch einer dabei ist, der noch langsamer macht.
Lustigerweise sind die Getriebeabstufungen bei PKW naemlich recht aehnlich. Vom VW-Kaefer bis hin zum 400PS-BMW liegt der erste Gang bei etwa 4 zu 1, der zweite etwa bei 3 zu 1, bis man im 4. Gang bei etwa 1 zu 1 ist, und der Fuenfte dann irgendwo in der Groessenordnung von 1 zu 0.8.
Das kann man im Gefaelle im Dichten Verkehr nutzen, um entspannter unterwegs zu sein.
Dass es keinen Sinn macht, bei einer Automatik unter normalen Bedingungen herunterzuschalten hab ich schon eher geschrieben. Eben, weil Bremsen im Vergleich zu Getriebeschaeden nichts kosten.
Wenn man aber eben in den Bergen unterwegs ist, gilt es, der thermischen Erschoepfung vorzubeugen.
Reibungsbremsen, und Scheiben- oder Trommelbremsen sind solche, basieren auf dem Prinzip, kinetische Energie mittels Reibung in Waerme umzusetzen. Frueher oder spaeter kommt fuer jede derartige Bremse der Punkt, wo sie so heiss ist, dass die Bremswirkung nachlaesst, weil die entstandene Waerme nicht mehr schnell genug an die Umgebung abgegeben werden kann.
Solange dadurch die Bremse selber nicht besch'digt wird, wird die Bremse wieder normal funktionieren, sobald sie wieder genuegend abgekuehlt ist. Nur hat man am Gefaelle im Zweifel nicht die Zeit, abzuwarten, bis die Bremse sich wieder erholt hat.
Daher verwendet man in langen Gefaellen grundsaetzlich die Motorbremse, damit man eben gar nicht erst in die Lage kommt, dass sich die Reibungsbremsen thermisch erschoepfen koennen.
Man muss dennoch alle paar hundert Meter erhebliche Energiemengen ueber die Reibungsbremsen abfuehren, weil Kurven eben nur langsam durchfahren werden koennen. Es ist deshalb ratsam, soviel vom Gefaelle an sich wies eben geht, ueber die Motorbremse abzufangen. Dann haben die Reibungsbremsen immer wieder Pausen, und koennen abkuehlen.
Die praktische Erfahrung zeigt mir, dass gerade die, welche sich ausschliesslich mit der Fussbremse behelfen, diejenigen sind, die den anderen, die zwar vielleicht langsamer als erlaubt, aber konstant mit Motorbremse fahren, im Weg sind. Die bremsen naehmlich nicht gleichmaessig, und werden ausserdem mit zunehmendem Bremsfading, was nichts anderes als die beginnende thermische Erschoepfung der Bremse ist, aengstlicher und fahren dann langsamer und bremsen vor den Kurven frueher als notwendig an, weil sie eben merken, dass die Bremswirkung nicht mehr die gewohnte ist.
Die Bahn hat auch auf Gefaellen keine andere Wahl, als einen grossen Teil der Gefaelleenergie mit mechanischen Bremsen abzufangen. Heute sind die Rekuperationsbremsen auf den Loks so stark, wie es auch der Antriebsleistung entspricht. Die Rekuperation wird aber durch die erlaubten Laengskraefte begrenzt, so dass immer noch viel mechanisch gebremst werden muss.
Dort hat man die sogenannte Saegezahnmethode entwickelt, um eben nicht nach ein paar km aufgrund thermischer Erschoepfung der Bremsen ohne Bremswirkung dazustehen.
Man bremst ab, bis wesentlich unter die erlaubte Streckengeschwindigkeit, loest dann die Bremsen, und legt sie etwas spaeter wieder an, wenn man sich dem Geschwindigkeitslimit annaehert. Die Pausen ermoeglichen es, dass sich die Bremsen wieder abkuehlen, und ausserdem kann dann ueber die Hauptleitung wieder Druckluft in die Vorratstanks auf den Wagen gelangen, welche im naechsten Zyklus wieder die Bremskloetze andrueckt.
Saegezahn nennt man das, weil das Geschwindigkeits-/Zeit-Diagramm dann so aussieht, wie die Zahnung eines Saegeblatts.
Nochmals eine Anmerkung zum Begriff der Motorbremse.
Normale PKW mit herkoemmlichem Verbrennungsmotor besitzen keine Motorbremse. Es wird lediglich oberhalb einer Grenzdrehzahl die Treibstoffzufuhr vollstaendig eingestellt.
Eine Motorbremse waere etwa eine Auspuffklappe, die den Abgasgegendruck erhoeht und so den Motor zur Bremse umfunktioniert, oder es waere die Rekuperation bei Elektro- oder Hybridantrieben.
Erst bei Fahrzeugen ab 7.5t zulaessigen Gesamtgewichts ist eine ermuedungsfreie Betriebsbremse vorgeschrieben. Klassischerweise eine Auspuffklappe oder ein Retarder, oder beides.
Die Einstellung der Treibstoffzufuhr bei PKW ist korrekterweise eine Schubabschaltung, und keine eigentliche Motorbremse. Insbesondere werden die Ventile nicht anders geoeffnet und geschlossen, als im Arbeitsbetrieb auch. Es wird auch nicht etwa entgegen der Motordrehzahl gezuendet. Dies wuerde den Motor zerstoeren.
Bei Kolbendampfmaschinen hingegen ist eine echte Motorbremsung moeglch. Dort kann man die Steuerung, also die Mechanik, die mittels Ansteuerung der Schieber, welche das Funktionsaequivalent zu den Ventilen eines Verbrennungsmotors sind, die Fahrtrichtung und die Zylinderfuellung von Hand regeln. Man kann die Steuerung entgegen der Fahrtrichtung auslegen und dann mit geringer Zylinderfuellung Dampf entgegen der Fahrtrichtung in die Zylinder leiten, was zur Bremsung fuehrt.
Je nach Auslegung kann man auch mit mehr Dampf staerker bremsen, was aber nur bei Bergbahnen gemacht wurde.
Auch hier aus dem gleichen Grund, aus dem man mit PKW niedrige Gaenge im Gefaelle nutzt. Um die thermische Erschoepfung der Reibungsbremse, die in der Regel nur als Anhaltebremse gedacht ist, zu vermeiden.
Bei der Wandlerautomatik stellt sich zusaetzlich die Frage, ob es im Schiebebetrieb ueberhaupt eine feste Verbindung zwischen Raedern und Motor gibt. Wenn nicht, etwa weil im zweiten Gang der Wandler nicht ueberbrueckt wird, kann es tatsaechlich sein, dass man besser die Radbremsen verwendet... Das haengt aber vom Getriebe ab, und nicht zuletzt auch davon, wie die Radbremsen dimensioniert sind.
Bei Kleinwagen ist es nicht immer so, dass die Automatikversion groessere, leistungsfaehigere Bremsen hat, als die version mit manuellem Getriebe. Der C1 I hat als Automat die gleichen Bremsen wie sonst auch, und auch der Daihatsu Cuore hat keine anderen Bremsen, wenn Automat.
Bei groesseren PKW ist es dagegen zumindest bei Wandlerautomaten ueblich, den Automatikversionen leistungsfaehigere Bremsen zu spendieren, als der entsprechenden Version mit manuellem Getriebe.