Ab Juli 62 sind die 4 Reibungsdämpfer (Typ 3) der Enten untereinander gleich, zerlegbar und einstellbar. Diese Einstellung über die Spannmutter muss für vorn und hinten verschieden sein. Hinten straffer als vorn.
Im Werkstatthandbuch 447 von Citroën wird ab Einführung der verstellbaren Dämpfer beschrieben, wie diese Einstellung mit Spezialwerkzeug und zeitaufwändigen Gleitversuchen mit Drehmomentschlüssel durchzuführen ist..
Es ist aber kaum anzunehmen, dass im Werk die Tarierung für jeden Dämpfer einzeln so ausprobiert wurde.
Das musste damals ruckzuck gehen:
Klack! Bördelung-fertig! bei den alten Typen.
Ratsch! Mutter eindrehen-fertig! beim neuen Typ.
Die Vorstellung der fabrikmäßigen Fertigung hat mich auf die Idee gebracht, diese Werkseinstellung zu imitieren- ohne Gleitversuche.
Zu diesem Zweck lese ich die korrekte Einstellung indirekt (Vermessung plus Formel) an einem Dämpfer ab, der noch nie verstellt wurde, weil gebördelt.
Und zwar an einem Typ1 hinten und übertrage das Ergebnis auf die neueren Dämpfer Typ 3.
Los geht’s:
a) Berechnung der Federkraft bei Dämpfer hinten Typ1.
Aus den Maßen einer Schraubenfeder lässt sich über eine schöne Formel ihre Federkonstante D voraussagen: Diese hier
D= G d1^4/( 8N d2^3).
Mit den vermessenen Werten für Drahtstärke d1=5,5mm, freie Windungszahl N=4, mittlerer Federdurchmesser d2=29,5mm und Schubmodul Federstahl G=81,5kN/mm^2
errechne ich ( Ergebnisse sinnvoll gerundet) die Federkonstante zu D1=90N/mm.
Die Feder war durch die Bördelung auf 39mm Höhe gedrückt und sprang nach Auffeilen der Bördelung auf ihre entspannte Höhe von 57mm, Also war ihre Kompression x=18mm.
Daraus ergibt sich nach dem Hookeschen Federgesetz die Kraft F=D x =1600N.
Das heißt, die Feder drückte mit 1600Newton auf die Reibflächen. Bei Werkseinstellung Typ1 hinten.
b) Gleiche Federkraft erzeugen mit Dämpfer Typ3.
Analog vermesse ich die Feder im Dämpfer Typ3 mit
Drahtstärke d1=7,6mm, mittlerem Durchmesser d2=40mm und freier Windungszahl nur noch N=2.
Die gleiche Formel für D liefert deren Federkonstante zu D3= 270N/mm.
Diese soliden Typ3 Federn sind also 3-mal so „kräftig“ wie die alte Feder in Typ1 hinten.
Und jetzt die Verbindung: Weil die alte Feder um 18mm komprimiert war, muss ich die neue 3 mal kräftigere Feder nur um 1/3 davon- gleich 6mm- komprimieren für die gleiche Federkraft.
Das Gewinde der Achsschraube habe ich vermessen als M14x 1,5. Die Mutter macht also pro Umdrehung 1,5mm Hub. Die erforderlichen 6mm Kompression erreiche ich folglich mit 4 Umdrehungen der Spannschraube.
Heißt: Die Feder Typ3 um 4 Umdrehungen der Mutter spannen hat die gleiche Dämpfung zur Folge wie die werksmäßig eingestellte hintere Feder Typ1.
So weiß man, wie ein hinterer Dämpfer einzustellen ist.
c) Und der vordere Dämpfer?
Citroën empfahl (variabel, je nach Quelle), die vorderen Dämpfer auf ca 2/3 bis 3/4 Stärke der hinteren Dämpfer einzustellen. Das heißt die Mutter etwa 3 Umdrehungen spannen.
Dies gilt für die originalen Ferodo Beläge, die in allen alten Reibungsdämpfern verwendet wurden.
Neue asbestfreie Ersatzbeläge werden nicht wirklich andere Reibeigenschaften haben. Reibkoeffizient zirka 0,3.
Zusammengefasst mein Ergebnis als Empfehlung:
Drehe die Spannmutter für Montage an der Hinterachse um 4 Umdrehungen und für die Vorderachse um 3 Umdrehungen fest. Fertig.
Die Umdrehungen gezählt ab dem Zustand, wo die Spannmutter spielfrei auf der Feder des zusammengesetzten Dämpfers aufliegt.
Dann sollte die Wirkung optimal für eine 12PS Wellblechente sein..
Gern kann jeder dies für seine Ente variieren je nach eigener Vorstellung von optimaler Dämpfung.
Uli