Ich sag jetzt einfach mal, wie das zitierte auf mich wirkt. Das wird sehr subjektiv sein, und muss meinetwegen von niemandem geteilt werden. Die Nacht war sowieso schlaflos, und wenn ich mit diesem Text fertig sein werde, wird davon weniger als eine Stunde übrig geblieben sein, ehe ich wieder raus muss.
Ich bekams aber einfach nicht ausm Kopf raus...
Ich sehe in dem oben vor allem eine Kritik an denen, die eh schon nichts zuviel haben und sowieso nicht anders können, als zu sparen, wos eben geht. Auf die Idee, dass man billig einkauft, weil man selber Geringverdiener ist, kommst wohl nicht?
Und weiter unten: Wer seiner Lebtag es zu nichts weiter als LKW-Fahrer, Friseur, Bäckereifachverkäufer oder bis zur Kasse im Supermarkt gebracht hat, der wird ja wohl selber schuld sein, wenn er dann mit Grundischerung und entsprechend bescheidener Pflege und Fürsorge im Alter vorlieb nehmen muss.
An allem ist der Umgang mit dem eigenen Nachwuchs schuld?
Mal ehrlich: Steile These, und ein Schlag ins Gesicht all derer, die nicht das Glück hatten, einen gut bezahlten Job zu ergattern und bis zur Rente zu halten, oder die schlicht und ergreifend nicht mit so guter Gesundheit gesegnet sind, um auch nur bis zur Rente fit zu bleiben, so dass sie überhaupt in die Lage kommen können, für ihre alten Eltern zu sorgen.
Klar will keiner am Existenzminimum leben, weil seine Eltern zu alt sind, um für sich selber zu sorgen. Klar auch, dass man, wenn es denn geht, und man überhaupt das Glück hat, einen Job zu haben, diesen nicht aufgibt, um die Eltern oder Schwiegereltern zu pflegen.
Nein, letztlich hat das nichts damit zu tun, wie die Eltern mit einem umgegangen sind. Wenn es wirklich das ist, was es ausmacht, dann hat eben der Nachwuchs einen Charakterfehler, oder ist zu Kirchenfern oder zu schwach gebildet, um die Masstäbe für ein richtiges Leben und einen guten Umgang mit den Mitmenschen jemals erlernt haben zu können. Steht doch schon in der Bibel, dass man Vergeben soll. Als heiliges Prinzip, wenn man so will, und in dem Sinne letztlich als Grundlage friedlichen Zusammenlebens. Wer es nun nicht mit der Religion machen will, der halte sich eben an den Kant'schen Kategorischen Imperativ. Kommt im Grossen ganzen aufs selbe hinaus, aber eben ohne, dass es einen Gott bräuchte.
Todsaufen, irgendwo wos warm ist? Nicht schlecht, das Konzept. Nur dass man das auch einfacher haben kann: Indem man eben nicht um jeden Preis jeden lebensmüden rettet, egal, was der will oder was das für den betroffenen heisst.
Manch einer will nicht Pflegebedürftig werden. Beschliesst er aber, nicht weiterleben zu wollen, weil er fürchtet, zur Last zu fallen, dann ist er ja geistig-seelisch aus dem Leim und man muss ihn behandeln. Suizidaler Neigung wegen selbstverständlich in der geschlossenen Abteilung, und wenns nicht anders geht, ruhig gestellt. Nur, damit er seinen Willen nicht kriegt.
Da fragt dann wieder keiner nach den Kosten...!
Was mich angeht: Ich hab Angst davor, Pflegebedürftig zu werden. Nein, nicht weil ich so bös und rücksichtslos bin meinen eigenen Eltern gegenüber, sondern weil ich so nicht leben will. Egal, ob nun bezahlbar oder nicht.
Nur ist es eben auch keine Option, mir eine Sucht oder sonst was selbstzerstörerisches zuzulegen: Ich will nämlich das Gesundheitssystem nicht mehr als nötig belasten. Ich will also nicht als Lebertransplantations-Kandidat in Krankenhausbetten liegen, weil die Sache mit dem todsaufen nicht klappte.
Ich begnüge mich damit, nicht immer alles bis zum letzten absichern zu müssen, und so dem Gevatter Tod auch noch eine mindestens kleine Chance zu lassen.
Die Herausforderung dabei ist, es so anzustellen, dass es mich im zweifel gleich killt. Davon, einfach nur um Jahrzehnte eher als Pflegefall zu enden, hätt ich ja eben gerade auch wieder nichts. Das wäre der sprichwörtliche Schuss ins Knie.
Aber selbst diesen kleinen Rest an wortwörtlich Risikofreude toleriert die Gesellschaft ja nicht. Ich erinnere an die heftigsten Diskussionen darum, den automatischen Notruf im Auto deaktivieren zu wollen, oder etwa das, was an Entrüstung losgeht, wenn einem ein Airbag keinen Aufpreis wert ist oder man ESP nicht zahlen will, weil man es schlicht nicht braucht...
Das Problem ist nicht die billige Mettwurst oder Tropenfrüchte für zu billig. Das Problem ist, dass unsere Gesellschaft es mit erheblichen Nachteilen verknüpft, wenn man Angehörige eben nicht abschiebt.
Das Problem ist aber auch, dass das Konzept, dass ein langes Leben über alles andere geht, schlicht nicht haltbar ist. Wenigstens soweit muss man fairerweise gehen, dass nicht jeder einen Dachschaden haben muss, der für sich entscheidet, dgenug gelebt zu haben. So weit sind wir noch lange nicht. Solange das so ist, darf sich keiner über Pflege- oder Gesundheitskosten beschweren.