Walter Lippmann (1889-1974), Journalist, u. a. Präsidentenberater und einer der meistgelesenen politischen Autoren der USA sah eine intakte Demokratie aus zwei Klassen bestehend: Die sehr kleine Klasse der Spezialisten, die analysieren und Entscheidungen auf politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Ebene fürs Allgemeinwohl treffen und die große Masse der „verwirrten Herde,“ die lediglich die Befugnis erhalten ihre Spezialisten zu wählen, um den Rest der „Zeit mit Grasen zu verbringen“. Möglich ist das, weil der Mensch eine Pseudoumwelt, eine eigene Realität braucht,
da er nicht alles erfassen und verarbeiten kann:
„Ein geordnetes, mehr oder minder beständiges Weltbild, dem sich unsere Gewohnheiten, unser Geschmack, unsere Fähigkeiten, unser Trost und unsere Hoffnungen angepasst haben.
Sie bietet vielleicht kein vollständiges Weltbild, aber sie sind das Bild einer möglichen Welt, auf das wir uns eingestellt haben.“ Und „Denn die reale Umgebung ist insgesamt zu groß, zu komplex und auch zu fließend, um direkt erfasst zu werden. …Obgleich wir in dieser Umwelt handeln müssen“
Diesen Umstand haben sich die „Führungen“ zu Nutzen gemacht und mit Beeinflussung reagiert, so dass die Menschen seiner Zeit immer mehr begannen, auf Bilder in ihren Köpfen zu reagieren, deren eigener Schöpfer sie nicht waren.
Edward Bernays wird das einige Jahre später in seinem Werk Propaganda nennen, (heute Public Relations):
»Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist.“.
„Damit geht nach Lippmann ein starker Verlust menschlicher Vorstellungskraft einher. Menschen scheinen in der Regel weder einzeln noch gemeinsam über die Fähigkeit zu verfügen, die sekundär erfahrene Wirklichkeit zu gestalten. Ja, sie merken zumeist noch nicht einmal, dass es überhaupt etwas zu gestalten gäbe, weil sie weder individuell noch kollektiv den substantiellen Unterschied zwischen Bild und Realität, sekundär und primär erfahrener Wirklichkeit, auch nur ansatzweise zu erkennen vermögen. Sie glauben schlicht an die »Wahrheit« der Bilder in ihren Köpfen.“
Lippmann, ursprünglich ein Freund sozialistischer Ideen, hat sich mehr und mehr den Eliten zugewandt, um Amerikas Vormachtstellung zu erhalten. Die Eliten selbst bezahlen eine Unzahl von Think Tanks, Politikberatungen, PR-Agenturen, spin doctors und besitzen und besetzen natürlich Medien, um in ihrem Sinn die Meinungen zu beeinflussen. An Hand einer Zeitung als Beispiel, die in erster Linie jemandem gehört, dessen Meinung vorherrscht, der die Redakteure aussucht, die wiederum selektieren, der die Anzeigenkunden braucht und deren Wünsche zu berücksichtigen hat, die ihre Wahl treffen und Rücksicht auf Verkaufszahlen nehmen; es bleibt von der tatsächlichen Nachricht kaum etwas übrig.
Ich kann mir vorstellen, dass die Eliten, die Spezialisten, sich von ihrer eigenen Manipulation, von den eigens für die Masse hergestellten „Frames“ beeinflussen lassen und gar nicht mehr in der Lage sind, diese ihre Welt, zum Wohle aller zu steuern, zu gestalten. Sie glauben ihren eigenen Unsinn – platt gesagt.
Meine Lösung für mich ist, meiner Wahrnehmung grundsätzlich zu vertrauen, den von außen an mich herangetragenen Botschaften um so mehr mit Skepsis zu begegnen: Ich sehe Pfandflaschensammler und weiß, dass es nicht allen gut geht.
Fazit, das neoliberale Denken greift auf uns über, klar. Wir können uns mit dem Glauben an unsere Kompetenz aber gut davor schützen.
Gruß
Wolfgang
Zwei Links:
https://www.rubikon.news/artikel/die-macht-der-symbole
https://www.rubikon.news/artikel/die-elitokratie