Weil hier das Thema Erfahrungsberichte aufgekommen ist: Mittlerweile ist es (für mich) einfach schon zu banal-alltäglich geworden, mit einem E-Auto unterwegs zu sein, dass es mir etwas schwerfällt "Erfahrungsberichte" zu verfassen, weil sie eigentlich keinen Neuigkeits- oder Besonderheitswert mehr haben.
Eine besondere Erfahrung möchte ich aber jedenfalls mit euch teilen: Ich war im Juli eine Woche in Sizilien mit einem Renault Zoe unterwegs - 1.200 Kilometer in 7 Tagen. Einmal rund um die ganze Insel und rauf auf den Ätna - sehr tolles Erlebnis.
Der Mietwagen war wesentlich günstiger als vergleichbare Kleinwagen in Palermo - ich habe 150 Euro für eine 8-tägige Miete gezahlt. Üblicherweise zahlt man gut das Doppelte zu dieser Zeit und muss dann auch noch den Sprit teuer zahlen (auf Sizilien derzeit rund 1,6 Euro/l Benzin).
Ein Problem war allerdings, dass Sizilien im Gegensatz zu unseren Gefilden tatsächlich noch den Ausdruck "Ladewüste" verdient - die spärlichen öffentlichen Schnellladestationen kann man an einer Hand abzählen und man ist mit einem Elektroauto hier wirklich noch ein Exot. Dementsprechend unerfahren ist auch die Mietwagenfirma mit dem Zoe und man hat weder ein Notladekabel, noch eine Ladekarte für den einzigen Ladestationsanbieter auf der Insel mit an Bord. Damit wird die Sache tatsächlich etwas abenteuerlich, da man so auch nicht über Nacht an der Steckdose im Hotel laden kann, sondern immer auf eine Typ2-Ladestation angewiesen ist.
Das Glück war der zuverlässige Renault Zoe - mit dem großen 40kWh-Akku kommt man bei sizilianischen Straßenbedingungen ziemlich exakt 300 Kilometer weit, auch wenn man längere Autobahnstrecken dabei hat. Das günstige Klima und die niedrigeren Durchschnittsgeschwindigkeiten vor Ort haben zur Folge, dass der Zoe hier im Mittel unter 14kWh/100km braucht, bei uns daheim aber 17kWh/100km.
Immer wieder ein Erlebnis sind Bergfahrten mit einem E-Auto. Auf Meereshöhe mit 180km Restreichweite los, dann 20 Kilometer rauf auf 1.900m zur Ätna Talstation, oben nur noch 90km Restreichweite und nach weiteren 20km Abwärtsrekuperation hat man unten wieder 180km Restreichweite. Dabei hat man aufwärts immer genug Power, um auch die sich mühenden Stinker, die sich mit ihren Gangschaltungen durch die engen Kurven kämpfen, flott überholen zu können.
Wie gesagt, am meisten gestört hat mich das mangelnde Interesse der Mietwagenfirma (war auch auf Mallorca schon so) sich mit dem Thema Elektromobilität auch nur in den Grundlagen auseinanderzusetzen. Die Zoe, die sie haben, basieren auf einem geförderten Projekt, dementsprechend war kein Eigeninteresse seitens des Vermieters zu spüren. Ich bekam den Wagen mit 3.000km am Tacho - mit Zulassung Mai 2017. Sprich in eineinhalb Jahren wurde der Wagen positiv gerechnet 10x vermietet (je eine Vollladung), negativ gerechnet waren aber vielleicht alle Mieter so wie ich unterwegs, und damit waren es vermutlich eher nur 3x Mietvorgänge seit Beginn. Das spürte ich auch bei der Abholung, da der Wagen irgendwo verräumt in einer hinteren Parkbucht stand und die (vermutlich ebenfalls Länge mal Breite geförderten) prominent platzierten Ladestationen direkt beim Mietwagenschalter natürlich mit anderen Fahrzeugen zugeparkt waren. Die nette Dame am Schalter hakte extra noch zweimal nach, ob ich denn eh wisse, dass es sich hier um ein Elektroauto mit begrenzter "Autonomie" handle und ich musste auch ein entsprechendes Dokument unterschreiben, wo der Vermieter sich freisprechen ließ, sollte ich irgendwo auf der Insel ohne Strom liegenbleiben.
Fazit: Ich würde einem "Rookie", der noch nichts mit E-Autos im Alltag zu tun hatte, nicht empfehlen mal schnell im Urlaub auf Sizilien zum Spaß so ein Elektroauto zu mieten. Dafür sind vor Ort die Gegebenheiten leider erst ungefähr dort, wo bei uns E-Mobilität vor ca. 5 Jahren war. Man würde definitiv nicht glücklich werden. Als jemand, der allerdings weiß, welche Lademöglichkeiten es gibt, wie man dort lädt und was man dazu braucht, ist das E-Auto auch hier die angenehmste (und nebenbei günstigste) Variante mit einem Auto diese schöne Insel zu erkunden.
Elektromobilität funktioniert definitiv dort am besten, wo es Leute gibt, die sich mehr damit beschäftigen wollen, als nur zu sagen "Was drückt man uns da jetzt wieder aufs Aug'?"