Es ist natürlich falsch, dass Billig-Image von Citroën nur an den Chronowochen festzumachen.
Der ganze Kurs wurde schon viel früher und eher unfreiwillig eingeschlagen, und zwar mit der Ente. Der zweite Frühling Ende der 60er des 2 CV als günstiges und auf ein Minimum reduziertes Fahrzeug der Jugendbewegung setzte dem Billig-Image seinen ersten prägnanten Stempel auf, wobei die Ente für den Gegenwert eigentlich nicht wirklich billig war. In den 70ern versaute sich Citroën den Ruf mit rostanfälligen Fahrzeugen durch die gesamte Modellpalette, welche zudem permanent in den hintersten Rängen der Pannenstatistiken zusammen mit Fiat und Alfa zu finden waren, was sich wiederum direkt auf den Wiederverkaufswert auswirkte. So erhielt man bereits junge GSe und Oberklasse CXe zu Billigpreisen, womit das Image nun nachhaltig versaut war, was auch AX und BX in den 80ern nicht mehr retten konnten. Die waren zwar überdurchschnittlich Rost resistent, aber auch grauenhafte Klapperkisten mit laissez-faire Spaltmassen. Dann kam der XM - endlich mal gut verarbeitet - und war zu Beginn auch sehr erfolgreich. Das Dumme war nur, dass gerade die erfolgreichen Baujahre ihre Besitzer mit der Elektronik nervten, was dem XM Zeit seiner Produktion anlastete. Die Modelle wurden nun zwar zuverlässiger und Qualitativ hochwertiger, verloren aber gleichzeitig auch an Charisma und der Rest erledigten die Chronowochen und andere Rabatt Aktionen. Citroen galt von nun an als günstig und praktisch, was auch ein C5 nicht ändern konnte. Citroën sorgte 2002 mit dem Pluriel endlich wiedermal für Aufmerksamkeit und verbockten es schon wieder mit undichten Dächer, zickenden Sensodrive und Billigkunststoffen. Die Kulanz war dabei zum Teil unterirdisch...wie immer. Unter diesen Umständen konnte ein C6 ab 2005 schon gar keinen Erfolg haben, denn selbst die ehemalige treue Stammkundschaft war veraltet oder hatte man mit zu langer Abwesenheit in der Oberklasse vergrault und einen Premiumanspruch für Neukunden konnte Citroën schlicht nicht mehr beanspruchen. Man bedenke nur mal schon die unmotivierten Verkäufer und die zweifelhaften Werkstätten...
Also was tun, um nicht gänzlich den Anschluss zu verlieren?
Man entschied sich scheinbar dort anzuknüpfen, wo Citroën noch den Anspruch besonderer und luxuriöser Fahrzeuge hatte...also zu Zeiten der DS. Und da man besonders originell war, übernahm man auch gleich den Namen und die History dieser Fahrzeuge. Das Problem für uns Eingefleischten ist, dass die Fahrzeuge von DS Automobiles so rein gar nichts mit den Meilensteinen von Einst gemein haben...ausser einen gewissen Anspruch an Exklusivität. Das ist allerdings unser Problem, was den Neukunden wohl kaum tangiert.
Insofern ist der Entscheid von PSA zur Lancierung einer gehobenen Konzernmarke namens DS sogar nachvollziehbar.
Aber ihnen muss eines bewusst sein: Fehler in Qualität, Service und Kundenbetreuung können sie sich definitiv nicht mehr erlauben. Mal schauen ob den Franzosen das gelingt...