Wer glaubt, Wasserstoff ist die Zukunft bei der PKW-Mobilität, dem empfehle ich dringend eine Probefahrt.
Heute hab ich den Wagen wieder zurück gebracht. Insgesamt war ich etwas über 800km am Wochenende damit unterwegs.
Ein paar Erfahrungen:
- Die Fahrdynamik ist eher mau. Man merkt, dass die Leistung nicht schnell genug abgerufen werden kann - ob das nur bei diesem Hyundai der Fall ist, oder generell mit der Brennstoffzelle zusammenhängt, kann ich nicht sagen. Aber von der Leistungsentfaltung her definitiv nicht mit einem Akkuauto zu vergleichen, eher mit einem unterdimensionierten Benziner - oder eben mit einem Gasauto. Entsprechend enttäuscht waren auch alle, die ich Probe fahren lassen habe. Es hätte sich jeder mehr davon erwartet.
- Tritt man das Gaspedal durch, dampft hinten eine regelrechte Nieselwolke heraus. Einmal sogar so stark, dass der hinter mir Fahrende den Scheibenwischer aktivieren musste. Ich halte das für ein Thema, das für einen Massenbetrieb noch nicht durchgedacht wurde. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, was das womöglich für Auswirkungen im Winter haben könnte, wenn viele Wasserstoffautos unterwegs sind, habe ich Bedenken - verstärkte Blitzeis- und Nebelbildung etc.
- Tanken geht, aber die Tankstellen fehlen. Im Umkreis gibt es eine in Innsbruck, eine (oder zwei) in München und eine in Linz. Hieß für mich bei der Hin- und Rückfahrt jeweils rund 50km Umweg zu machen, um zur Tankstelle zu kommen. Das ist natürlich für den Alltag völlig inakzeptabel. Dementsprechend sind die 1-Million-Euro-Tankstellen derzeit noch ein hochsubventioniertes Exotenthema. Die Tankstelle muss jeweils zuvor an der Kassa freigeschalten und aktiviert werden, mit ranfahren und tanken ist nix.
- Der Tankvorgang dauert für die Vollbetankung rund 10-15 Minuten für 400 Kilometer Reichweite - für den Ersten an der Tankstelle, der Zweite muss schon länger auf den vollen Druck warten. Mit Aktivierung des Tankvorgangs startet die enorm aufwändige Hochdruckanlage, die sich jeweils in einem großen mit Betonmauern umschlossenen separaten Bereich der Tankstelle befindet. Das Tanken ist extrem laut und langwierig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine Anlage an der Tanke im Wohngebiet genehmigt wird, geschweige denn dass dort Platz dafür ist.
- Beim ersten Mal Tanken hab ich mir die Finger vereist. Ja, klingt lächerlich, war aber in der Tat etwas schmerzhaft. Der Tankstutzen ist nach einer Vollbetankung vereist und greift man danach sollte man besser Handschuhe anhaben. Bei der Nachbetankung, die ich bei rund 3/4-vollem Tank durchgeführt habe, gab es dieses Problem nicht.
- Die Reichweite ist ziemlich exakt 400 Kilometer bei Autobahntempo zwischen 100 und 130km/h. Trotzdem hatte ich mehr "Reichweitenangst" als bei einem E-Auto, weil es einfach keine Alternative zu einer funktionierenden Tankstelle gibt. Da kommt man schon etwas ins Schwitzen, wenn es bis zur nächsten H2-Tankstelle 300 Kilometer sind und bei 3 Tankversuchen hintereinander jeweils "Error" am Display aufscheint.
- Derzeit werden 9 Euro pro kg H2 verrechnet. An der Tankstelle waren zwar ca. 11 Euro angeschrieben, aber der Preis ist derzeit fixiert (vermutlich auch subventioniert). Auf 310 Kilometer zahlt man 40 Euro - also in etwa 4,4kg H2 für 300 Kilometer, bzw. 1,5kg H2/100km (13,5 Euro auf 100km).
- Unten ein Video von der Betankung - wenn man den Sound am Computer auf volle Lautstärke stellt, hat man in etwa den Lärm, den das Ganze vor Ort macht.