Jetzt lenkst du ab. Du stellst eine gruppenbezogene abwertende Behauptung auf, die du nun aber nicht belegst. Die Verwechslung von Ursache und Wirkung als "Zeichen für westliche Überheblichkeit" darzustellen ist in meinen Augen gelinde gesagt Blödsinn. Diese Verwechslung gehört einfach zum Menschen dazu, dürfte multifaktoriell bedingt sein und liegt z. B. an mangelnder Durchdringung einer Sachlage, an dem Wunsch sein eigenes Weltbild bestätigt zu sehen, an fehlenden Informationen, an anderen Denkfehlern oder an einer Gemengelage solcher überaus menschlicher Charakterzüge. Ich störe mich an deiner pauschalen Zuschreibung! Pauschale Zuschreibungen kannst du Rechtsaußen überlassen.
Zum Inhalt deiner Antwort: Deinem ersten Satz kann ich folgen und ich teile deine Meinung, nicht jedoch deine Begründung. Sie unterschlägt komplett die Komplexität dieses Themas. Ich bin zu dem Thema Geburtenrate vor etlichen Jahren auf eine Untersuchung gestoßen, in der die Geburtenrate mit dem Fernsehkonsum einer Bevölkerung verglichen wurde. Die Studie hatte einige interessante Korrelationen entdeckt. Allgemein korrelierte die Dauer des Fernsehkonsums umgekehrt mit der Geburtenrate. Die höchste Korrelation lag in Ländern vor, in denen Telenovelas mit der Mutter als Hauptfigur und höchsten ein bis zwei Kindern ausgestrahlt wurden. Da die Geburtenrate zeitlich dem Fernseh- speziell Telenovelakonsum folgte, wurde der (jetzt von mir verkürzt) Kausalschluss "Je mehr Telenovela, desto weniger Geburten" gezogen.
https://www.welt.de/fernsehen/article1910828/Seifenopern-Schuld-an-Geburtenrueckgang.html
https://www.zeit.de/kultur/film/2013-06/telenovelas-brasilien/seite-2
https://www.zeit.de/2009/14/Telenovela
Einen Link zur Studie selbst habe ich leider nicht. Hier könnte tatsächlich etwas entdeckt worden sein, was helfen könnte. Über Ursachen sagt es allerdings nicht aus.
Zu deinem Lesehinweis: Mir ist klar, dass es viele Formen von verstecktem und offenem Rassismus gibt. Dein angeführter Artikel ist hierzu aber wenig hilfreich. Die Unterstellung, das Bedürfnis, die Dreadlocks anzufassen, sei rassistisch, ist unsinnig und zeugt ihrerseits von (gruppenbezogener?) Voreingenommenheit. Bei Museumsbesuchen habe ich ständig das Bedürfnis, etwas, was mir fremd ist, anzufassen oder auch daran zu riechen, um es zu erkunden. Es ist ein urmenschliches Bedürfnis und nennt sich Neugier (Daher die vielen Schilder: "Bitte nicht anfassen!"). Ich käme nie auf die Idee, in die Haare einer anderen Person zu fassen, um die Struktur zu ergründen, am Regalfach angehängten Dreadlocks könnte ich womöglich nicht widerstehen, da ich sie schon oft gesehen habe, aber trotzdem nicht weiß, wie sie sich anfühlen. Für mich wäre das Fühlen eine kulturelle Annäherung.
Der Begriff "Migrationshintergrund" stammt übrigens aus linksintellektuellen Kreisen. Ich mag ihn nicht, so wie ich Antirassismus-, Antigewalt- und Genderkonzepte an Schulen nicht mag. Mit solchen Begriffen werden, das wird im Artikel richtig erkannt, erst Trennungen hervorgehoben und damit womöglich erst herbeigeführt. Für mich gibt es nur Schüler, die Probleme haben, Streit haben oder was auch immer, und damit zu mir kommen. Dann ist es mir egal, welche Hautfarbe, Religion oder Geschlecht diese Kinder haben. Es liegt ein Problem vor und ich versuche, eine Lösung zu finden. Das ist für mich immer eine individuelle Problemlage und keine gruppenbezogene. So zu arbeiten, kostet mich viel Zeit und Energie, hat aber wirklichen Erfolg.
Zu der im Artikel angeführten Befragung: Ich kenne die Befragung nicht; ihr Design, Stichprobe und ihre Auswahl, die Fragestellungen liegen für mich im Dunkel und ich wage die Behauptung, die DLF-Reporter wissen auch nicht mehr. Daher ist sie für mich wertlos. Ich kenne aus dem pädagogischen Rahmen viele Untersuchungen, von denen ich weiß, dass sie Blödsinn sind. Noch Anfang Dezember wurden auf einer Fortbildung zwei Studien zur Inklusion vorgestellt, deren eine auf einer Stichprobe von 16 (sechzehn) befragten Lehrern und deren zweite auf einer Stichprobe aus 6 Befragten aus drei Bundesländern basierten. Das ist keine Wissenschaft! In Soziologie und Pädagogik sind solche Junk-Studien aber beileibe keine Ausnahme.
Zum Erkenntniswert der Soziologie allgemein: Mitte der 80er habe ich meine 1. Staatsarbeit, die dazu dient, das Vermögen, wissenschaftlich arbeiten zu können, nachzuweisen, bewusst im Fach Soziologie geschrieben. Es war an der Uni bekannt, dass dort das Erzählen einer schönen Geschichte mit etwas Zahlenwerk garniert, für eine gute Note ausreichte. Heute paart sich hier viel zu oft ideologische Voreingenommenheit mit der Unkenntnis wissenschaftlicher Werkzeuge und ihrer sachgerechten Anwendung. Das ist sehr schade und verhindert wirklichen Erkenntnisgewinn.