Auch wenn der Thread „mein“ und nicht „unser“ Cactusblog heißt, interpretiere ich ihn mal als Sammelstelle für Alltagserfahrungen aller Cactusfahrer.
Mit knapp 68.000 km nach 2 Jahren/5 Monaten gehöre ich nicht zu den Wenigfahrern. Das liegt daran, dass ich ihn zu 80 % beruflich fahre. Meine Rechnung ist diesbezüglich voll aufgegangen. Außer einem Versagen der Heizungssteuerung, welches durch ein Softwareupdate behoben wurde, gab es bislang keine Defekte. Allein das „Singen“ des Antriebs bei ca. 60 km/h ist auffällig, wurde aber schon von anderen beschrieben. Es besteht von Beginn an und verändert sich nicht. Noch befinde ich mich in der Garantieverlängerung… Der Verbrauch liegt bei genau 5 l/100 km. Mehr als 50 % sind Autobahnkilometer mit Vmax 130 km/h mit allenfalls kurzen Überschreitungen. Wie andere bei Spritmonitor auf Verbräuche von um die 4 Litern kommen ist mir ein Rätsel. Aber nennt mir ein Auto, dass bei vergleichbarer Größe, Komfort und Fahrleistung weniger verbraucht! Die vorderen Bremsklötze hatten Beim Radwechsel im November noch jede Menge Belag. Innen und außen wirkt das Auto noch weitgehend neuwertig. An Verkleidungen und Polstern erkenne ich keinen wesentlichen Verschleiß. Mein C4 sah in dem Alter bereits anders aus.
Anlass für den Eintrag ist unser Trip zum Jahreswechsel, bei dem der Cactus, da der C6 im Winterschlaf liegt, mal auf die große Tour durfte. 1.400 km nach Rumänien und dasselbe wieder zurück. Fazit: Der Cactus ist uneingeschränkt langstreckentauglich. Die Sitze taugen für viele Stunden. Das Geräuschniveau zwischen 120 und 140 ist gering (ja, der Wind rauscht leicht, im C6 herrscht dagegen Stille). Die Leistung ist auch für rumänische Landstraßenhatz, also Beschleunigungen zwischen 60 und 120 km/h, konkurrenzfähig. Auch auf Autobahnetappen, zusammen mit jeder Menge Rumänen, Ungarn und anderer Osteuropäer, die nach den Feiertagen zurück an ihre Beschäftigungsorte in Westeuropa fahren und dabei wenig Geduld und noch weniger Disziplin zeigen (auf allen Spuren der Autobahn wird überholt, wo sich gerade eine kleine Lücke auftut), hält der Cactus mit seinem Motörchen tapfer mit. Das liegt zum einen wohl am geringen Gewicht. Zum anderen kann man das viel kritisierte ETG mittels der Schaltpaddels hervorragend und blitzschnell schalten und bei Bergabfahrt auch die Motorbremswirkung gezielt einsetzen. Klar, eine Wandlerautomatik ist komfortabler aber auch weniger effizient, schwerer und teurer. Das Fahrwerk kommt mit den teilweise robusten Straßenverhältnissen gut klar. Mit Sechzehnzöllern hätte man etwas mehr Gummi zwischen Betonkante und Felge aber es hat auch so gereicht. Ernüchternde Erkenntnis eines C6-Freundes: Mehr Auto braucht man eigentlich nicht. Und der Verbrauch, der aufgrund widriger Witterung bei skandalösen 5,3 Litern im Durschnitt lag, führ zu so geringen Treibstoffkosten, dass die Gebühren, die jeder dieser osteuropäischen Zwergstaaten für die Benutzung seiner EU-finanzierten Straßen erhebt, in der Summe beinahe darüber liegen (Tschechien, Slovakei, Ungarn, Rumänien und, weil auf der Hinfahrt mit Wienaufenthalt, Österreich).
Was würde ich mir wünschen? Noch immer eine axiale Verstellung des Lenkrades, das mir einfach ein paar cm zu weit entfernt steht. Ein etwas schneller und sensibler reagierender Bildschirm wäre auch Klasse, aber hey, dafür ist der groß, ideal platziert und super abzulesen. Auch 5 Jahre nach Erscheinen sehen wirken die Bedienkonzepte anderer Autos auf mich im Vergleich wie aus der Steinzeit. Na ja, und dieser peinliche Fauxpas mit dem nicht korrekt abblenden Innenspiegel, aber das ist ja schon hinreichend diskutiert worden. Hat man das beim Zweier Cactus eigentlich korrigiert?
Darf er nach Ablauf der vier Jahre bleiben? Ich denke schon. Ein Elektroauto, dass von der Reichweite her meinen Anforderungen entspricht und sich finanziell rechnet, ist bislang nicht auf dem Markt. Und beim gegenwärtigen Strommix in Deutschland wohl auch von der CO²-Bilanz nicht im Vorteil.