Das macht eben genau keinen wesentlichen Unterschied. Alles wesentlich oberhalb von 50km/h endet potentiell tödlich. Da ist es egal, ob ich sterbe, weil ich mit 120km/h aufschlage, mit 200km/h, oder ob ein LKW das Stauende oder eine Bremsung übersieht und mich mit 80km/h plattmacht. Wenn der LKW kommt, macht es übrigens auch kaum einen Unterschied, ob er vorher noch versucht zu bremsen, und meinen Wagen dann nur noch mit 50km/h oder auch mit 40km/h überrollt oder gleich zu ner hübschen Scheibe plättet.
Zudem sind die tödlichen Unfälle die billigsten von den schweren Unfällen und es sind auch die, welche massiv weniger Leiden verursachen, als wenn die Geschichte im Wachkoma oder nach Monatelanger Reha im Elektrorollstuhl endet. Es ist also wirklich egal, ob man mit 120 oder 200km/h verunfallt. Beides setzt Kräfte frei, die in aller Regel weit über dem liegen, worauf das Crashverhalten eines KFZ ausgelegt ist.
EURONCAP testet je nach Szenario bei gut 40km/h oder um die 60km/h, und da, und nicht darüber, sind die Chancen zu überleben und glimpflich davonzukommen, einigermassen intakt. Drüber ists einfach nur Glückssache. Ganz genau so, wie man auch in einem 2 CV mal einen schwereren Unfall überleben kann... obschon da konstruktiv nicht sehr viel für den Fall ausgelegt wurde und so gut wie alles andere, was Räder hat, wesentlich mehr Masse hat.
Ginge es um die Unfallfolgen, dürfte man auf keiner Autobahn schneller als 80km/h erlauben. So könnte man in vielen Fällen davon ausgehen, dass die tatsächliche Kollisionsgeschwindigkeit niedrig genug läge, dass man das einigermassen gut überstehen könnte. LKW wären aber auch dann noch eine ganz andere Liga, schlicht und einfach aufgrund ihrer Bauweise und der viel grösseren Masse als bei PKW.
Via Sicura, ein Programm, das die Zahl der Verkehrstoten in Richtung null drücken wollte (was, egal was man tut, nie gelingen wird) hatte solche Krämpfe vor. Unter anderem wollte man sämtliche Motorräder, so wie schon die LKW, auf 80km/h limitieren, mit technischen Mitteln.
Dahin geht die Reise, bei denen, für die Sicherheit das einzige akzeptable Argument ist.
Das alleine wäre noch kein Grund zur Opposition. Aber es steht ein Menschenbild und eine Rechtsauffassung dahinter, die ich nicht teilen kann. Nur, weil etwas unsicher ist, heisst das noch lange nicht, dass man es unbedingt verbieten muss. Und nur weil nicht alle Vernünftig sind, muss man nicht unbedingt mit einer neuen, strengeren Vorschrift dagegen angehen.
Da gehört eine Güterabwägung gemacht, in der auch anderes als nur die Sicherheit einen Stellenwert hat. Etwa individuelle Verantwortung, Spass, schlicht und einfach sowas wie Entscheidungsfreiheit und, und und...
Das nicht einfach nur aus purem Liberalismus (der eben nicht Neo- oder Wirtschaftsliberalismus ist), sondern um menschlichen Grundeigenheiten Rechnung zu tragen. Wenn nämlich am menschlichen Wesen und Charakter vorbei reglementiert wird, geht das nicht lange gut, und man wird das gesetzte Ziel, egal um welches Thema es geht, nicht erreichen können, sondern Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall Gewalt und Unrecht heraufbeschwören.
Nach dem Gesagten finde ich, die Autobahn ist so ein Feld, wo eben niemand hin muss, wenn er nicht will, wo man also auch noch ein Stück Freiheit zulassen kann, und das umso mehr, als es sowieso sowas wie ein faktisches Geschwindigkeitslimit gibt. Man würde deshalb sowieso nur wenig gewinnen, wenn man da nun ein rechtliches Limit setzen würde.