Der/die ZOE ist wirklich ein feines, zumeist unkompliziertes Auto (mit manchen Ladestationen älterer Bauart verträgt sie sich nicht so gut). Wir haben davon fünf im Carsharing-Betrieb und werden vermutlich demnächst den sechsten kaufen, weil das Preis-/Leistungsverhältnis passt.
Aber dafür hatte ich jetzt mit unserem i3 den ersten Experten, der es geschafft hat, stromlos unterwegs liegenzubleiben. Ein älterer LKW-Fahrer, der seinen privaten A8 mit unbezahlbaren Motorschaden aufgeben musste und sich nun mit dem Carsharing über die Runden hilft - Marke "In Bus oder Bahn steig ich nicht ein, ich bin Autofahrer". Seine erste Fahrt mit dem E-Auto ging rund 150km von Ober- nach Niederösterreich. Dort blieb er über Nacht und wollte am nächsten Tag wieder zurückfahren. Er kam mit ca. 30km Restreichweite am Vorabend am Zielort an, steckte vor Ort das Auto an eine öffentliche Ladestation und ließ den BMW dort stehen. Am nächsten Morgen kam dann der Anruf, er steht rund 20km von seinem Ausgangspunkt entfernt, weil er in der Früh einfach losgefahren ist, ohne auf den Ladestand zu achten.
Was war geschehen? Er hat beim Einstecken nicht abgewartet, ob das Auto zum Laden beginnt und hat auch am nächsten Morgen sich darauf verlassen, dass das Auto "ja eh" vollgeladen sein müsste. Irrtum. Die Ladestation war kostenpflichtig und hat natürlich nicht ohne Bezahlung geladen. Somit musste er in eisiger Kälte mitten auf der Bundesstraße drei Stunden auf die BMW Pannenhilfe warten und wurde dann in die entgegengesetzte Fahrtrichtung zum nächsten BMW-Händler gebracht, wo er im Schneckentempo aufladen durfte, weil man auch bei BMW keine Ahnung hatte, dass 2 Kilometer weiter ein CCS-Schnellader gewesen wäre. Da ihm das irgendwann zu mühsam war, fuhr er nach halber Ladung los und musste unterwegs dann nochmals Halt machen. Hier das nächste Problem: Er kannte sich mit den unterschiedlichen Ladeleistungen nicht aus, steckte am 11kW-Lader an, obwohl auch hier unmittelbar daneben die CCS-Schnelladesäule stand.
Ergebnis: Er brauchte für 150 Kilometer geschlagene 13 Stunden, hat fürs Erste von der E-Mobilität die Schnauze voll und genug Munition für die Diskussion am Stammtisch gesammelt.
Ich hab mich ziemlich geärgert. Nicht nur, weil er mich damit den ganzen Freitag beschäftigt hat, sondern vor allem, weil er mit so unglaublicher Ignoranz an das Thema herangegangen ist. Wenn man ein fremdes Auto zum ersten Mal fährt, sollte man sich zumindest etwas damit vertraut machen. Umso mehr, wenn es noch dazu ein neuartiger Antrieb ist, mit dem man noch nie zu tun hatte.
Jetzt kann man natürlich sagen, das zeigt, dass das System für die Masse noch nicht funktioniert, aber es ist schon ein ziemliches Kunststück das zustandezubringen. Ich verstehe, dass E-Autos besonders für Ältere möglicherweise eine gewisse Hürde darstellen. Viele kennen sich mit Apps und Co. nicht aus und das ist für ein bequemes Nutzen eines E-Autos im Alltag einfach Voraussetzung. Was ich nicht verstehe ist, wenn man mit absoluter Sturheit einem solchen Thema begegnet, nur um sich dann bestätigt zu fühlen, wenn es tatsächlich nicht klappt, weil man nicht gewillt war, auch nur einen Millimeter sich dem Thema so zu nähern, dass man es möglicherweise verstehen könnte.
Dass es nicht unbedingt am Alter liegt, zeigen aber auch viele unserer Nutzer, die trotz hohem Alter begeisterte "E-Carsharer" sind. Man fragt sich dann halt, obs also wirklich nur am E-Auto liegt, wenn's nicht klappt.
lg
grojoh