Zurück zu Heidi: ich bin selber mehrere Wochen quer durch Südafrika gefahren, in einem Honda Mobilo, was echt ne müde Kartoffel ist. Mit Familie.
Das Problem dort sind die enormen Vermögensunterschiede. Die Weißen haben noch sehr viel Besitz, Hotels, Kaufhäuser, Infrastruktur. Die Farbigen machen die Hilfsarbeiten, leben vom Scheibenwaschen an der Ampel. Morgens vor dem Motel ist der Honda von selbst gewaschen - ungefragt - aber da steht dann jemand, der gern 50 Cent oder so haben möchte.
Selbst am Strand-Parkplatz in Durban war ein Aufpasser da- alles ok, aber die Basis-Bevölkerung wohnt in bitterer Armut in Wellblechhütten an der Autobahn, oft ohne Strom, sicher ohne fließend Wasser, ohne Kanalisation, viele schnüffeln Sprit oder Kleber. Und werden die Müllsäcke aus dem Township über den Drahtzaun auf die Autobahn. Sitzen bei Tempo 120 auf der Ladefläche von klapprigsten Kisten offen ohne Sicherung.
Die Weißen besitzen die Farmen, auf denen die Farbigen die Arbeit machen.
Insofern, ganz sachlich und mal ohne Hintergedanken, verstehe ich ihren Satz. Der ist so richtig, das passiert dort genau so. Lass Dein Auto unbewacht stehen, sind halt auch mal die Wischerblätter weg. Lass es offen, ist es ausgeräumt.
Aaaaber, und das ist der wichtigste Punkt, den damals bei Heidi halt keiner genannt hat, und der den Satz verständlich macht: warum ist das so, dass aus einem Auto eines Weißen, ein Geländewagen noch dazu (also ist der Besitzer reich...) was geklaut wird- weil einfach ein großer Anteil der Leute, die überall „herumhängen“, egal ob auf dem Parkplatz oder auf der Straße, bettelarm ist.
Die Hautfarbe ist insofern egal- aber nach der Apartheid sind halt jede Menge ultra-armer Farbiger dort. Und die klauen, die kämpfen jeden Tag ums Überleben. Die Umstände erzeugen das Problem. Immer und immer wieder.
Und genau deswegen zeigt man da als Weißer keinen Reichtum, kein ipad, kein iphone, keine Nikon, sondern fährt nen alten Honda, bewegt sich ruhig auf den Touri-Routen, geht lokal essen (irre lecker und bei 1:17er Wechselkurs wahnsinnig billig), gibt immer freundlich Trinkgeld, und dann klappt das auch.
Ich kenne auch jemanden, der in Kapstadt ausgeraubt wurde. Wer mit Schmuck im Armenhaus klappert, der lebt da richtig gefährlich.
Carsten