Ich will niemandem die Augen öffnen, aber ich will eine faktenbasierte Grundlage für den gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunft der Automobilität - dass Lesch nichts von E-Autos hält ist bekannt, was dabei aber von den Petrolheads gerne verdrängt wird ist, dass er generell von Autos nichts hält. Er ist somit nachvollziehbar konsequent in seiner Argumentation: Jeder Eingriff in die Natur zugunsten des Autos ist schlecht, egal ob weniger schlecht wie beim Lithiumabbau, oder so gravierend wie beim Öl. Ich schätze ihn und sein Engagement grundsätzlich sehr, aber auch er macht meiner Einschätzung nach bei diesem Thema den Fehler, dass er hier einigermaßen ungefiltert vorgekaute Angaben zu Wasserverbrauch und Co. übernimmt (seine Argumente zitiert er betreffend E-Autos weitgehend direkt aus dem letztjährigen ZDF-Beitrag), ohne sich selbst vertiefend damit zu beschäftigen - und auch ohne es in Relation zu setzen (was er fairerweise auch nicht muss, wenn er sowohl das Eine wie das Andere grundsätzlich ablehnt). Er ist Astrophysiker und kein Hansdampf in allen Gassen, der über alle Teilbereiche der industriellen Akkuproduktion detailliert Bescheid weiß, dazu gibt's andere Experten und Expertisen.
Und ich schätze Lesch auch deshalb, weil ich eben davon ausgehe, dass er jemand ist, der sich sehr wohl damit im Detail auseinandersetzen WILL und den man mit Sachargumenten auch überzeugen kann. Auch ich lasse mich von vernünftigen Argumenten gerne überzeugen und sehe sehr wohl das Risiko, das eine unreflektierte Rohstoffgewinnung birgt, wenn man einfach so weiter macht, wie man in Chile, Kongo und Co. seit Jahrzehnten Bergbau betreibt. Mit dem Link oben vom Handelsblatt habe ich aber darauf hinweisen wollen, dass es hier tatsächlich auch alternative Zugänge, laufende Verbesserungen und Bemühungen seitens der Autohersteller und Bergbauunternehmen gibt, die man nicht einfach ignorieren kann.
Ich hasse nur die Polemik mit der dieses Thema diskutiert wird, vor allem von jenen, die immer und immer wieder die nachvollziehbaren Argumente einfach ignorieren und mit Totschlagargumenten um sich werfen, auf deren Basis keine vernünftige Auseinandersetzung möglich ist.