Und genau das ist das Grundproblem. Zu glauben, man könne ein Thema wie den massiven CO2-Ausstoß im Verkehr in den Griff bekommen, in dem man einfach möglichst nichts ändert und bloß was anderes in den Tank schüttet.
Von mir aus machen wir's so. Zu jeder bestehenden Tanke eine Wasserstofftankstelle. Derzeit kosten die 2 Millionen Euro und können maximal 50 Betankungen vornehmen, bevor der Gastank leer ist. Dann muss wieder der Tankwagen kommen. Pro Stunde werden dann an einer Zapfsäule maximal 4-6 Autos tanken können, weil der Druck nicht schnell genug aufgebaut werden kann. 5kg Wasserstoff benötigen einen 125kg-Tank. Das it eine Tankladung in einen 12.000kg Tank passen dann 100 Betankungen. Ungefähr das, was ein Autobahntankstelle in einer Stunde erledigt. Kommt dann jede Stunde der Tankwagen, oder stehen dann 20 Tanks mit 12.000kg an jeder Raststätte, damit man zumindest einen Tag durchkommt? Oder steht der Elektrolyseur dort und verbraucht das 3-fache an Energie aus dem Netz, das die Direktladung benötigen würde?
Aber egal, sagen wir, auch das lässt sich lösen. Dann wird mir jetzt sicher jemand erklären, dass das Thema der Stromaufbringung für die H2-Erzeugung ja alles kein Problem ist. Das sind dann immer genau die Leute, die vorher darüber sinnieren, wie unmöglich es ist, ein Drittel dieses Stroms für Batterieautos aufzubringen.
Das batterieelektrische Auto hat einfach soviele Vorteile, dass es absurd wäre, die nur für die Weigerung unsere Angewohnheiten zu ändern, zu opfern. Wasserstoff ist gut als stationäres Speichermedium, er ist auch gut für Prozessenergie, er ist auch gut in Anwendungen, wo enorme Energiemengen benötigt werden. Aber er kann nicht mithalten bei kleinen Anwendungen wie im PKW. Und zu glauben, dass ein H2-Auto jemals günstiger in Anschaffung und Betrieb werden könne, als ein Batterieauto, das an Einfachheit und Flexibilität nicht zu übertreffen ist, fällt für mich einfach unter völlige Realitätsverweigerung.
Nur weil wir uns also keine Gedanken darüber machen wollen, wie wir ein zukunftsfähiges Stromnetz ausbauen können, verschwenden wir lieber das 2-3-fache an Energie, bloß damit wir irgendwas zentral tanken dürfen. Das soll ein Fortschritt sein gegenüber der Eigenstromerzeugung für die Mobilität via Photovoltaik und das bequeme Volltanken daheim in der Garage? Da nehm ich viele Ladestopps auf der Urlaubsfahrt in Kauf, wenn ich dafür mit 15kWh/100km in einem vollwertigen PKW unterwegs sein kann.
Wir können ja Wetten abschließen, wann das erste H2-Auto der Kompaktklasse unter 30.000 Euro hierzulande auf den Markt kommt. Und ob überhaupt.
Völlig richtig und ich finde es höchst bedauerlich, dass wir den Leuten einreden, wie mühsam angeblich alles ist, was mit dieser winzigen Veränderung zu tun hat, das Auto anzustecken statt dreckiges Öl zu tanken. Ja, völlig unzumutbar. Dann schickt man immer das Schreckgespenst "Gelbwesten" durch den Raum. Bloß den Leuten keine Veränderung zumuten. Dass die Veränderung sie dann halt in ein paar Jahren mit voller Wucht der Naturgewalten und völlig außer jeder Kontrolle des Staates trifft, sagt man nicht dazu.
Ich komme gerade zurück von einem weiteren Wochenende im Elektroauto. Diesmal wieder im i3. Knapp 600 Kilometer reinste Fahrfreude. Mit fehlender Alltagstauglichkeit zu kommen, ist einfach fern jeder Realität.