Ich muß ein wenig ausholen!
Nach Lesen einer ausführlichen Beschreibung der DIRVAI stellte ich im Forum die Frage, ob sie auch im XM TD12 eingebaut werden könne.
Die Frage wurde negativ beantwortet - und ich wechselte nach 11 Jahren XM TD12 Break zu CX. Dessen DIRAVI (insbesondere Steuerteil) erschloß sich mir im Zuge der Jahre, und als mein CX einer Generalüberholung unterzogen wurde, kam zeitweise (zum Verbleib als Winterauto wg. Heizung) ein XM Y3 TD12 in die Garage.
Und nun, im 4. Jahr, kam eine DIRAVI in den Y3 TD12.
Meine eingangs erwähnte Frage kann ich nun positiv beantworten.
Der Platz ist da, der Fahrschemel ist der gleiche. Der Aufwand ist, wenn man noch nicht so recht weiß, wie, horrend, und die Hilfe eines Forummitgliedes und gutem Citroen-Kenners für mich unsausweichlich.
Der einfachste Weg ist und bleibt: Motor raus. Am besten ein Spender-Fahrschemel vom V6 daneben, damit alle Leitungen (einschl. Sicherheitsventil und Verteiler) 1:1 übernommen werden können.
Was lediglich ohne Motorausbau geht, aber auch ekelig ist und Zeit kostet: den Dichtsatz der Flanschplatte des Steuerteils zu wechseln. - Das kam bei uns nämlich nach vollzogenem Einbau noch hinzu. Und hier empfiehlt es sich, der Feder eine Führung zu geben, damit das Risiko gegen Null geht, mit der Feder im Prozeß des Zusammenbaus einen O-Ring zu zerschneiden. - An diese Stelle gelangt man auch (nicht ausschließlich für alle Schrauberarbeiten) von innen, wo die Lenkstange verläuft.... Eine Fummelei.
Dann kam die Probefahrt - keine Verhärtung der Lenkung bei zunehmender Geschwindigkeit.....Cit. hat es geschafft, die Aufnahme des Verteilers zwischen den Motoren und Varianten in der Tiefe um 1,5mm zu variieren. Warum einfach, wenn es auch vielfältig geht.
Es kam die Rückfahrt - alle Fehler, die gemacht werden konnten, waren gemacht und gebügelt worden - und nun rollte es.
So gut, daß ich die richtige Abfahrt eines Autobahnkreuzes verpasste und, was dann wirklich schlimm war: es noch 2 weitere Abfahten nicht bemerkte.
So viel zum Thema, wie eine DIRAVI im unmittelbaren Vergleich zur DIRASS zur Entspannung beiträgt.
Schon zu dem Zeitpunkt war klar: Die DIRASS ist gut, die DIRAVI ist besser (jetzt auf den XM bezogen).
Über die nächsten 900 km BAB kamen dann auch kleine Fragezeichen auf. Ich war (bin) ja CX DIRAVI gewohnt. Denn nun: keine eindeutig gefühlte Mittellage, dafür auch nicht dieses indifferente Verhalten der DIRASS.
Sehr angenehm: eine Leichtgängigkeit, die schon fast amerikanisch anmutete.
Und es gab eine unangenehme Überraschung: nach Abbiegen in eine enge Seitenstraße kam die Rückstellung zunächst nicht wie gewohnt, dann aber mit Macht. Also war ich beim Zick-Zack-fahren. Unangenehm deswegen, da man zuerst manuell zurücklenken mußte, um kurz darauf die Rückstellung zu bremsen.
Nun, mir war bekannt und mechanisch klar, daß Cit. die DIRAVI bei der Anpassung an den XM in der Übersetzung verlängert hatte. Sie haben aber auch die Form der Herzscheibe dahingehend geändert, daß die Kraft des Fliehkraftreglers in ein im Vergleich zum CX geringeres Drehmoment gewandelt wird. Cit. hat dann, ich meine 1993, etwas 'zurückgerudert'. Welche Fassung ich drin hatte, ob extrem verwässert oder schon etwas weniger, kann ich nicht beantworten.
Mein Eindruck hierzu: Cit. wollte auf biegen und brechen das Fahrgefühl eines Mercedes oder BMWs erreichen. Aus Erinnerung, recht vage, meine ich, das der 5er sich damals eher wie ein Cit mit DIRASS anfühlt, der 190er Merc. hingegen durchaus ähnlich dem, was ich nun hatte. Und eines ist klar: die Einflüsse des Vorderradantriebs durften nicht auftreten. War dies das Ziel, so war es erreicht, und eine geniale Technik schier zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
Da mir dieses Rückstellverhalten auf Dauer nicht gefallen wollte, ich eine etwas deutlichere Position 'geradeaus' auf der BAB gerne hätte, nutzte ich schon die ersten 900km, um über mögliche Schritte nachzudenken.
Die Übersetzung zurückzunehmen, war nicht praktikabel. Dazu bräuchte es ein neues Gehäuse, um die im Durchmesser kleineren Zahnräder der CX-DIRAVI aufzunehmen.
Die Herzscheibe zu wechseln, bot sich jedenfalls an. Kleines Fragezeichen dabei: da die mechanische Übersetzung bleiben würde, müßte ich etwas mehr Widerstand in Kauf nehmen müssen, da jede Lenkbewegung im Vergleich zur CX - Auslegung mit einem größeren Drehwinkel und somit größerer Rückstellkraft einhergehen würde. Mögliche Korrektur: den Hydraulikdruck vom Fliehkrafregler durch Reduktion der Federvorspannung etwas zurückzunehmen.
Zu dem ersten Schritt habe ich mich jedenfalls durchgerungen. Praktisch, daß der Motor wegen anderer Arbeiten nochmal rausmußte.....
Jetzt ist die XM-DIRAVI mit CX-Herzscheibe verbaut.
Kleines Handicap: der Drehwinkel ist bei der CX-Herzscheibe völlig ausgenutzt. Die Lenkung muß perfekt zentriert sein, damit die Rolle des Kolben-Rückstellung nicht über den Rand kommt. Damit muß die Spur so präzise eingestellt werden, daß eine Korrektur des Geradeauslaufs nicht notwenig ist (oder nur minimal). Denn jede Korrektur größeren Rahmens bringt die Lenkung aus ihrer mechanischen Zentrierung. - Bei diesen Arbeiten war der Prüfstand eine große Hilfe. Sonst hätte ich mich bei dem Aufwand auch nicht getraut, den XM als Testfahrzeug zu nehmen und Änderungen wohl unterlassen.
Das Thema verzögerte Rückstellung ist vom Tisch; sie nimmt immer noch drastisch zu (Homage an die größere Übersetzung, die immer wirkt, egal wer bzw. was lenkt. Also erst wenig Hydraulikfluß, dann verzögert Maximum). Aber das geht schnell in die Gewöhnung über.
Die Nullage ist nun auch eindeutig. Die Korrekturen erfordern etwas mehr Ausschlag (wir vorher auch), was vom Fahrgefühl wieder der DIRASS näher kommt. Ob das aber ausschließlich an der Lenkung liegt, oder nicht auch an der Vorderachse, kann ich nicht so recht beurteilen.
Ob ich noch den Druck des Fliehkraftregler ein wenig reduziere, weiß ich noch nicht. Eine leichtere Lenkung muß nicht wirklich sein.
Mir ist noch von XM Fahrern im Ohr: die DIRASS sei die präzisere Lenkung, wenn es um die Wurst ginge. - Die Aussage verstehe ich nun, wobei die DIRAVI, die ich hatte, das Dirigieren doch besser zuließ als die DIRASS, jedoch ohne Gefühl.
Unabhängig davon: meine Erfahrung mit Fronttrieblern ohne DIRAVI (BX ohne / mit DIRASS, XM DIRASS) ließ nie wirklich Gefühl für die Fahrbahnsituation bei Schnee zu. Jedenfalls nicht im Vergleich zu den extrem leichten Lenkungen von A- und C-Kadett. Kurz: wenn schon Fronttriebler, dann mit DIRAVI. Insbesondere bei Autos ohne Lenkrollradius Null!
Beim XM habe ich jetzt schon gemerkt, wie gut sich die Sicherheit im Winter erhöht, wenn ein Vorderrad durch Schnee pflügt, das andere nicht... und keine Aktionen am Lenkrad erforderlich werden. Auch große Pfützen rütteln nicht mehr am Lenkrad.
Zusammengefasst: klar ist die Aktion verrückt (gewesen). Im Gegenzug: der TD12, als irgendwann auch schneller und sparsamer Diesel, bei funktionierendem Hydractiv mit Originalkugeln für die Möglichkeiten des Fahrwerks sehr komfortabel abgestimmtes Auto, gewinnt mit der DIRAVI noch ein großes Plus an Komfort und eben auch aktiver Sicherheit.
Ob ich wg. der nicht korrekten Antwort im Forum damals 'sauer' bin: Keineswegs! Im Gegenteil: sie führte mich zum CX, dann zu einem sehr praktischen Verständnis der DIRAVI, und schließlich doch zur DIRAVI im XM. Schön, BEIDE fahren zu können.
Jan